14 Forschungsprojekte zur Digitalisierung auf dem Land gefördert

Mit der Forschungsfördermaßnahme "Ländliche Räume in Zeiten der Digitalisierung" finanziert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) Forschungsprojekte, deren Fokus sich auf Themen der Digitalisierung in ländlichen Räumen richtet. Die Fördermaßnahme ist ein Baustein des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung (BULE).

Die 14 geförderten Projekte haben im Frühjahr 2020 ihre Arbeit aufgenommen und betrachten eine große Vielfalt an Themen und Fragestellungen. Sie erhalten eine Förderung in Höhe von maximal 300.000 Euro für einen Projektzeitraum von drei Jahren. Von den geförderten Forschungsvorhaben erwartet das BMEL konkrete Handlungsempfehlungen bezüglich seiner Politikgestaltung für ländliche Räume.

Engagement, Wirtschaft, Daseinsvorsorge und mehr: Große Bandbreite an Forschungsthemen

Das Projekt "Digitales Engagement auf dem Land – Eine qualitative Bestandsaufnahme individueller und gesellschaftspolitischer Gelingensbedingungen für innovative Engagementformen im ländlichen Raum", untersucht zum Beispiel Formen und Gelingensfaktoren digitalen ehrenamtlichen Engagements im ländlichen Raum. Mittels Recherchen und Befragungen wird vom Institut für Zukunftsfragen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft (IZGS) der Evangelischen Hochschule Darmstadt der aktuelle Stand des digitalen Engagements im ländlichen Raum erfasst, systematisiert und beschrieben. Am Ende stehen Best-Practice-Beispiele sowie konkrete Handlungsempfehlungen für Politik und Praxis zur Weiterentwicklung des digitalen Engagements in ländlichen Kommunen.

In einem weiteren Projekt untersucht die Universität Hildesheim, über welche Kompetenzen Bürgerinnen und Bürger aller Generationen verfügen sollten, um sich zukünftig über Angebote der Daseinsvorsorge auf dem Land informieren zu können. Mittels empirischer Studien soll erhoben werden, welche Kompetenzen aus der Nutzerperspektive für den digitalen Wandel in ländlicher Region von Nöten sind. Dabei soll insbesondere die Informationskompetenz näher betrachtet werden, die als Voraussetzung dafür gilt, dass Bürger/innen souverän im Sinne eines lebenslangen Lernens digitale Angebote bewerten und mit diesen umgehen können.

In einer fallvergleichenden Studie "digitales Dorfleben" analysiert die Fachhochschule Münster den Effekt digitaler Nachbarschaftsnetzwerke auf das Zusammenleben in Dörfern. Dazu werden vier Ankerbeispiele mitsamt jeweils einem regionalen Vergleichsbeispiel ausgewählt, sodass insgesamt acht Orte in den alten und in den neuen Bundesländern im Fokus stehen. Dabei ist die Frage leitend, ob die Nutzung digitaler Nachbarschaftsplattformen einen Effekt auf das nachbarschaftliche Zusammenleben im ländlichen Raum hat und wie sich ein solcher Effekt gestaltet.

Mit erfolgreichen Unternehmen im ländlichen Raum, sogenannten "Hidden Champions" befassen sich beispielsweise die Universitäten Hannover und Gießen gemeinsam. Sie möchten den Beitrag der "Hidden Champions" zur Stabilisierung und sozioökonomischen Weiterentwicklung des ländlichen Raums darlegen. Dazu gehört die Erfassung der "Hidden Champions" selbst, ihrer Strategien im Zuge der Digitalisierung und der Wechselwirkungen zwischen Hidden Champion und Region. Ziel ist es daher, zu verstehen, wie diese Unternehmen in ländlichen Räumen die Digitalisierung strategisch nutzen und wie dies die unternehmensinternen Standortanforderungen betrifft. Außerdem geht es um die Frage, wie sich die Wechselbeziehungen zwischen Unternehmen und Region in der Folge verändern. Das Forschungsprojekt identifiziert Gelingensfaktoren, welche zur erfolgreichen Ausschöpfung von Digitalisierungspotenzialen beitragen. In der politischen Praxis können auf Basis dieses Wissens passende Förderinstrumente zur Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen im ländlichen Raum konzeptioniert werden, um diese auch bezüglich neuer Technologien zielgerecht unterstützen zu können.

Hintergrund: Digitalisierung auf dem Land als Chance

Die Digitalisierung wirkt mittlerweile in nahezu alle Wirtschafts- und Lebensbereiche hinein: von Arbeit, Nahversorgung und Mobilität über Wohnen und gesellschaftliches Miteinander bis hin zu wirtschaftlicher Produktion, Gesundheit und Bildungsangeboten. Während es bereits zahlreiche Smart-City-Ansätze und entsprechende Studien gibt, stehen integrierte Ansätze digitaler ländlicher Regionen noch am Anfang. Dabei eröffnet sie gerade auch ländlichen Räumen Chancen, Standortnachteile durch innovative Lösungen wie z.B. die Telemedizin auszugleichen. Gleichzeitig kann der digitale Wandel möglicherweise aber auch tiefgreifende wirtschaftliche, gesellschaftliche und räumliche Veränderungen verursachen und bestehende Strukturen destabilisieren. Das BMEL möchte den digitalen Wandel in ländlichen Räumen so begleiten und mitgestalten, dass er den Menschen nutzt.

Anzahl der eingegangenen Skizzen zeigte großes Interesse am Thema

Bis zur Einreichungsfrist am 15. Januar 2019 waren 89 Projektskizzen beim Kompetenzzentrum Ländliche Entwicklung (KomLE) in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) eingegangen. Die eingegangenen Projektvorschläge wurden von einem Projektträger geprüft und im Rahmen eines unabhängigen Gutachterverfahrens bewertet.

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