Die Fördermaßnahme Regionalität und Mehrfunktionshäuser

Unsere ländlichen Räume sind vielfältig. Doch viele Orte in ländlichen Regionen stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Durch den demografischen Wandel wird die Bevölkerung im Durchschnitt älter. Dienstleistungen des täglichen Bedarfs liegen häufig nicht mehr in unmittelbarer Nähe. Dies hat in vielen Dörfern weitere Weg zum Supermarkt, Arzt oder zur Post zur Folge.

Das kann für Menschen, die zum Beispiel nicht selbst Auto fahren, zu einer großen Belastung werden. Die Orte verlieren an Attraktivität und manchmal bleibt nur der Umzug in die Stadt. So kommt es, dass in den Ortskernen immer mehr Gebäude leer stehen. Doch gerade hierin liegt eine Chance, die das Konzept der Mehrfunktionshäuser aufgreift.

Vielfältige Nutzungsmöglichkeiten

Denn ungenutzte Gebäude in zentraler Lage können zu Treffpunkten werden, in denen ärztliche Versorgung, Nahversorgung mit Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs und vieles mehr flexibel organisiert und zurück ins Dorf geholt werden können. Integrierte Mehrzweckräume können turnusmäßig unterschiedlich genutzt werden: So können beispielsweise an einem Tag in der Woche ein Händler aus der Kreisstadt und regionale Produzenten ihre Lebensmittel verkaufen, an einem anderen Tag kann die mobile Friseurin gastieren und an einem dritten eine Reha-Sportgruppe unter fachkundiger Anleitung trainieren.
Die 13 aus dem Bundesprogramm mit je bis zu 150.000 Euro geförderten Projekte haben eindrucksvoll gezeigt, dass die Nutzungsmöglichkeiten der gemeinsamen Räume in Mehrfunktionshäusern vielfältig sind.

Raum für Gemeinschaft

Die Mehrfunktionshäuser bringen nicht nur die Grundversorgung zurück in die Ortschaften. Vielfach nehmen Vereine, Initiativen und andere Gruppen die Häuser gerne als attraktive Begegnungsorte wahr. Bildungsangebote wie Computer- oder Sprachkurse finden in ihnen einen guten Platz. In vielen Mehrfunktionshäusern gibt es regelmäßige Kaffee- und Erzählrunden für Bürgerinnen und Bürger, die den Austausch suchen. Und wenn schnelles W-LAN angeboten wird, ist auch die Jugend nicht weit. Und nicht nur die: Zunehmend entdecken auch Firmen oder Selbstständige Räume als moderne Co-Working-Spaces für gemeinschaftliches Arbeiten. So entwickeln sich die Mehrfunktionshäuser zu neuen Zentren des dörflichen Lebens und stärken die Gemeinschaft.

Startbild des Video zum Mehrfunktionshaus
Innovative Lösungen für die Dorfentwicklung: Mehrfunktionshäuser

Einige gelungene Beispiele

In Sachsen-Anhalt hat eine eigens durch die Dorfgemeinschaft von Deersheim gegründete Genossenschaft mit der BULE-Förderung und viel Eigenengagement aus einem alten Hofgebäude ein vielfältiges Mehrfunktionshaus entwickelt. Mit einem selbst betriebenen Dorfladen und Café, einer Poststelle, einem Nähstübchen, Themenmärkten, Bildungsangeboten für Jung und Alt, einem Informationspunkt für regionale und überregionale Dorf-Initiativen und der Dorfladenpost als Informationsblatt ist es heute ein lebendiger Treffpunkt für alle Deersheimer.

Der Ludgerushof – die ehemalige Schule im nordrhein-westfälischen Bocholt-Spork – wurde grundlegend renoviert und aufwändig modernisiert. Als Mehrfunktionshaus vereint er heute Gesundheitsversorgung, Tourismus und Bürgerservice unter einem Dach. Dazu zählen u.a. eine Praxis für Physiotherapie und Osteopathie, ein Zentrum für Persönlichkeitsfindung, Entspannung und seelische Gesundheit, eine Anlaufstelle für ältere Menschen ebenso wie quartiersnahe Beratung und Unterstützung für Bürger/innen in Spork und Umgebung in Zusammenarbeit mit dem Verein "Spork Aktiv". Das Fortbestehen des denkmalwürdigen Gebäudes in Bocholt-Spork ist somit gesichert und bietet einen Mehrwehrt für die Bewohner von Spork und der umliegenden Umgebung vom Münsterland bis zum Niederrhein sowie den grenznahen Niederlanden.

"Co-Working Oderbruch" ist der erste Co-Working Space in Brandenburg, der vor allem für die Aktiven und Kreativen vor Ort geschaffen wird. Es ist ein Ort zum Arbeiten und zum Vernetzen. Es gibt schnelles Internet, ein angenehmes Arbeitsumfeld und ordentlichen Kaffee. Der Co-Working-Raum wurde in der leerstehenden Alten Schule in Letschin, einem denkmal-geschützten Gebäude am Marktplatz des Ortes eröffnet. "Co-Working Oderbruch" betritt dabei Neuland. Diese Form des Arbeitens ist bisher auf dem Land nahezu unbekannt. Ziel ist es, mit dem "Co-Working - Oderbruch" einen Treffpunkt für Aktive, Freiberufler, Kreative, Existenzgründer und neu Zugezogene zu schaffen. Hier können sie flexibel arbeiten, Kontakte knüpfen und Pläne schmieden.

Nach Ablauf der Förderung kann "Co-Working Oderbruch" durch die Wirtschaftsfördergesellschaft als Maßnahme zu Strukturentwicklung weiter unterstützt werden.

Auch gestärkt durch die positiven Erfahrungen aus den BULE-Modellprojekten, wurde die Förderung von Mehrfunktionshäusern 2017 in die Regelförderung über die Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK) aufgenommen.

Neben den Mehrfunktionshäusern wurden im Zuge der Fördermaßnahme auch sechs modellhafte Projekte gefördert, die die Stärkung von Regionalität zum Thema haben.

Im Projekt Regio.Dorf.Laden der Regio.Marketing GmbH im Verbund mit SPESSART regional e.V. erfolgte beispielsweise der modellhafte Aufbau eines Nahversorgungsnetzes mit regionalen Produkten zwischen Dorfläden, Erzeugern und Verarbeitern in der hessischen Region Spessart.

Das Unternehmensnetzwerk DIE MECK-SCHWEIZER e.V. in Basedow in Mecklenburg-Vorpommern hat mit der BULE-Förderung ein alternatives regionales Logistiksystem in Verbindung mit E-Mobilität aufgebaut. Der Fokus liegt auf einer cleveren Logistik zur gezielten Zulieferung der Waren und dem regionalen Handel mit zertifizierten Produkten in einer großhandelsunabhängigen Vertriebsstruktur. Dazu gehören zum Beispiel eine Onlineplattform, das passende Bestellsystem und die Warenlieferung mit Elektro-Mobilität.

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