Bürgerschaftliches Engagement in ländlichen Räumen: ausgewählte Ergebnisse des Deutschen Freiwilligensurveys 2014

Alle fünf Jahre wird mit dem Deutschen Freiwilligensurvey das bürgerschaftliche Engagement in Deutschland – ob im Sportverein, beim Technischen Hilfswerk oder als Nachbarschaftshilfe – untersucht.

Zuletzt nahmen 2014 nahezu 29.000 Engagierte und Nicht-Engagierte ab 14 Jahren an der repräsentativen Befragung teil. Eine der Forschungsfragen, der die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Altersfragen nachgingen, war, ob sich das freiwillige Engagement in ländlichen Räumen von dem in den Großstädten unterscheidet.

Schlagwörter

Bürgerschaftliches Engagement, freiwilliges Engagement

Projektlaufzeit

2011-2016

Wesentliche Ergebnisse

Wie hat sich freiwilliges Engagement im Zeitvergleich entwickelt? Aus welchen Beweggründen und in welchen Formen engagieren sich Menschen? Was sind Hinderungsgründe für freiwilliges Engagement? Diesen und weiteren Forschungsfragen ging der nach 1999 mittlerweile vierte Freiwilligensurvey im Jahr 2014 nach. Untersucht werden freiwillige, gemeinwohlorientierte, nicht auf materiellen Gewinn ausgerichtete, im öffentlichen Raum stattfindende und meist gemeinschaftlich ausgeübte Aktivitäten. Über Ehrenamt, Selbsthilfe, Freiwilligenarbeit sowie Tätigkeiten in selbstorganisierten Initiativen und Projekten hinaus wurden durch das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) in Zusammenarbeit mit dem Befragungsinstitut infas 2014 auch informelle Unterstützungsleistungen für Nachbarn, Verwandte und Freunde erhoben.

Im Zeitvergleich wurde eine steigende Engagementquote von 34 Prozent (1999) auf 44 Prozent (2014) festgestellt. 46 Prozent der befragten Männer und 42 Prozent der Frauen engagieren sich freiwillig in unterschiedlichen gesellschaftlichen Feldern. Unter den 14- bis 64-Jährigen sind es 45-46 Prozent, während sich die Älteren zu etwa einem Drittel (34 Prozent) betätigen. Sport und Bewegung liegen mit 16 Prozent an der Spitze der Engagementfelder, gefolgt von Schule oder Kindergarten, Kultur und Musik, dem sozialen Bereich sowie kirchlich-religiösem Aktivitäten (mit je 8 bis 9 Prozent). Zu über zwei Drittel findet dieses Engagement im Rahmen von Vereinen und Verbänden oder der Kirche statt. Bei den Gründen, die freiwilliges Engagement aus Sicht der Befragten verhindern, stehen zeitliche Gründe mit 76 Prozent an der Spitze, gefolgt von beruflichen und familiären Gründen (51 bzw. 32 Prozent). Etwa jeder dritte Befragte möchte keine Verpflichtungen eingehen.

Für gut 25.000 Befragte konnte unter Nutzung der Siedlungsstrukturellen Kreistypen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) vergleichend untersucht werden, ob und inwiefern sich freiwilliges Engagement zwischen ländlichen und städtischen Regionen unterscheidet. Als „städtische Regionen“ gelten kreisfreie Großstädte und städtische Kreise, zu den „ländlichen Regionen“ zählen „ländliche Kreise mit Verdichtungsansätzen“ und „dünn besiedelte ländliche Kreise“.

Das bereits in den früheren Freiwilligensurveys festgestellte stärker ausgeprägte Engagement der Bevölkerung in ländlichen Räumen wird erneut bestätigt. Dieser Befund stimmt insbesondere im Vergleich zwischen Ballungsräumen (39% freiwillig Engagierte in den kreisfreien Großstädten) und allen anderen Kreistypen (mit jeweils 45-46%). Als mögliche Ursache vermuten die Autoren, dass es in ländlichen Regionen „möglicherweise einen größeren Bedarf, eine stärkere Förderung oder eine höhere Zahl von Gelegenheiten [gibt], sich freiwillig neben Beruf und Familie zu engagieren, als dies in städtischen Regionen der Fall ist.“ Darüber hinaus ist in ländlichen Räumen ein Unterschied in der Beteiligung von Männern (49%) und Frauen (42%) auffällig. In Bezug auf die Altersgruppen sind in ländlichen Räumen Jüngere (bis 64 Jahren) etwas stärker, Ältere (ab 65 Jahren) etwas geringer als die städtischen Vergleichsgruppen engagiert. Das Land-Stadt-Gefälle ist unabhängig vom Bildungsgrad: Alle Bildungsgruppen in ländlichen Räumen engagieren sich in höherem Maße als die gleichen Gruppen in einem (groß)städtischen Kontext.

Im Ergebnis der Untersuchung weisen die Forscherinnen und Forscher auf den strukturellen Wandel und die Vielfältigkeit des Engagements sowie die hohe Engagementbereitschaft in der Bevölkerung – unabhängig von konkreten sozialräumlichen Gegebenheiten – hin. Sie betonen außerdem, dass sich im Vergleich der verschiedenen Freiwilligensurveys seit 1999 zwar mehr Menschen engagieren, dabei aber weniger Zeit investieren und seltener eine Leitungsfunktion übernehmen. Stattdessen gewinnt selbstorganisiertes Engagement an Bedeutung. Am häufigsten kommen die Aktivitäten Kindern und Jugendlichen zugute. Auch viele Menschen, die sich aktuell nicht engagieren, sind zu einer freiwilligen Tätigkeit bereit, doch wird Zeitknappheit als häufigster Grund genannt, sich aktuell nicht zu engagieren.

Untersuchungsgebiet

Deutschland

Methodik

Standardisierte Telefoninterviews mit 28.690 Personen ab 14 Jahren (davon 25.475 Befragte, die einem der vier siedlungsstrukturellen Kreistypen zugeordnet werden konnten)

Forschungseinrichtung

Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA), Berlin

Verantwortliche Wissenschaftlerin: Dr. Julia Simonson

Erschienen am im Format Artikel

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