Engagement für öffentliches Grün und Biotopschutz - und eine Gaststätte

Begrünung, Naturschutz und die Aufwertung des Ortsbildes: Das sind die zentralen Anliegen der "Öko-Piraten" im baden-württembergischen Hirschlanden. Und im alten Rathaus wurde ein multifunktionales Veranstaltungszentrum mit Gaststätte geschaffen.

Die 35 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer teilen sich in zwei Gruppen – die "Innerorts" und "Außerorts". Die "Öko-Piraten Innerorts" haben in und um Hirschlanden bisher 36 Insektenhotels errichtet. Derzeit erstellen die Ökopiraten "Innerorts" und "Außerorts" gemeinsam ein umfangreiches Schul- und Schaubiotop am touristischen Grünkernradweg. Helfer haben eine Trockenmauer errichtet, Igelvilla und Schaunistkästen erstellt. Zudem werden Zimmerblumen und Gartenpflanzableger eingetopft, die beim Braufest verkauft werden.

Äußerst engagiert sind die vielfältigen Initiativen der "Öko-Piraten Außerorts" zum Arten- und Biotopschutz. Die Gruppe führt 22 Projekte auf Grundlage des Biotopvernetzungplans durch und arbeitet eng mit den örtlichen Jägern, Landwirten, Imkern, der Naturschutzbehörde des Landratsamtes und den Naturschutzverbänden zusammen. Sämtliche Projekte wurden im Einvernehmen und mit Unterstützung dieser Akteure geplant, zum Beispiel:

  • Biotopvernetzung in erheblichem Umfang
  • Blühäcker und Blühstreifen zur Biotopvernetzung
  • Erhalt der Streuobstwiesen, Fördermaßnahmen für Baumschnitt
  • Ausgleichsflächen für Windkraftanlagen ökologisch sinnvoll nutzen
  • Anlage und Erhalt von Feucht- und Trockenbiotopen
  • Anlage von Biotop-Schauprojekten für Schulen und Tourismus
  • Zusammenarbeit mit dem Forst und Waldzertifizierung nach PEFC
  • Kooperation mit Schulen für Öko-Unterricht in Hirschlanden

Es wurden mehrere Feucht- und Trockenbiotope angelegt, die von den "Ökopiraten" gepflegt werden. Fortlaufend werden Hecken und Bäume gepflanzt und in Zusammenarbeit mit Landwirtschaftsamt und Naturschutzbund wurden 15 Hektar eingesät und mehrere Biotope durch Blühstreifen vernetzt.

2014 hat sich unter Federführung der "Öko-Piraten" die Streuobsterzeugergemeinschaft Hirschlanden gebildet. Zwölf Personen bewirtschaften dabei 353 Obstbäume. Die Arbeit der Gruppe wird vom Land Baden-Württemberg gefördert. Derzeit läuft die Zertifizierung zur Bio-Obst-Erzeugergemeinschaft, um bessere Vermarktungsmöglichkeiten zu bekommen.

Gaststätte mit Brauerei bringt Leben ins Dorf

Ein Dorf ohne Gaststätte? Die 430 Einwohnerinnen und Einwohner von Hirschlanden, im Neckar-Odenwald-Kreis, Baden-Württemberg, wussten aus eigener Erfahrung, was das bedeutet – und welch großen Verlust es für die Gemeinschaft war, dass es den Treffpunkt im Ort nicht mehr gab. Doch die Aktiven beließen es nicht dabei: Im historischen Rathaus aus dem Jahr 1875 entstand mit dem multifunktionalen Veranstaltungszentrum ein Ort der Begegnung.

"Multi" ist das alte Rathaus, weil es neben der Gaststätte mittlerweile auch Raum für das Museum, den Dorfladen – und die eigene Brauerei bietet. Das Konzept dazu hatte Ortsvorsteher Martin Herrmann entwickelt, und manche hielten es für ziemlich ambitioniert. 150.000 Euro – plus der Kosten für die Brauanlage – waren nötig, und das über 15 Jahre leer stehende Rathaus musste saniert werden.

Die Hirschlandener gingen eines nach dem anderen an. Zunächst stand das Museumsprojekt, das Kunstausstellungen und -sammlungen ermöglicht, im Mittelpunkt. Verwirklicht wurde dieses Projekt mit Fördergeld des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum von Baden-Württemberg (90.000 Euro) sowie Eigenmitteln des Dorfes (60.000 Euro). Der Museumsverein organisiert bis zu vier Kunstschauen pro Jahr, die an drei bis fünf Sonntagen zu sehen sind.

Die freiwilligen Helferinnen und Helfer erbrachten rund 1.700 Stunden Eigenleistungen, bis schließlich der Umbau 2007 mit Ausstellungsraum, einer Gaststätte, einem Dorfladen und einer Brauerei fertiggestellt war. Acht Teams mit Wirtinnen und Wirten sowie je vier Helfer betreiben die Gaststätte als kommunale Kneipe, die an etwa 100 Tagen pro Jahr geöffnet ist. Der Gewinn fließt in die Kasse des Museumsvereins – als Beitrag zur Finanzierung des laufenden Betriebs und für Anschaffungen. Mit den Einnahmen war es beispielsweise möglich, die professionelle Brauanlage für 112.000 Euro ohne Fördermittel anzuschaffen.

Hirschbräu lockt Einheimische und Touristen. Braumeister der Region und Bier-Sommeliers stufen die Qualität der Biere als herausragend ein. Die 70 Plätze sind so gut wie immer ausgebucht. Gruppen aus ganz Deutschland kommen zu Besuch. Das SWR-Radio kürte Hirschbräu-Hirschlanden 2013 zur besten Dorfgaststätte Baden-Württembergs. Und 2015 besuchte Ministerpräsident Winfried Kretschmann das Haus und die Ehrenamtlichen. Er nannte das Projekt ein "Musterbeispiel für bürgerschaftliches Engagement und Ideenreichtum".

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