"Dritte Stunde Theater!" – Mit mobilen Stücken kommt die Theaterwerkstatt Pilkentafel in die Klassenzimmer

Mit dem Kulturangebot können die Grundschulkinder des LandKULTUR-Projekts in Schleswig-Flensburg und Nordfriesland in ihrer eigenen Grundschule Theater kennenlernen und die Erfahrung machen, dass Theater kein Selbstzweck ist, sondern ein Medium, über das eine Auseinandersetzung mit der Lebenswirklichkeit stattfindet.

Die Kreise Schleswig-Flensburg und Nordfriesland bestehen aus einer Vielzahl an kleineren Gemeinden. Landwirtschaft und im Sommer der Tourismus prägen das Bild des öffentlichen Raums. Der Nahverkehr verbindet die Gemeinden mit den wenigen Städten der Kreise (Husum, Schleswig). Eine Theateraufführung zu besuchen ist für die 134 Grundschulen mit Aufwand und hohen Kosten verbunden. Kulturelle Angebote in dieser Region sind rar.

Interaktive Theatererfahrung

Mobile Produktionen bieten insbesondere für ländliche Regionen viele Vorteile und Möglichkeiten. Sie sind unkompliziert in den Schulalltag zu integrieren. Es können Kinder erreicht werden, die ansonsten wenig Kontakt zu vergleichbaren Kulturangeboten haben, die wenig oder noch gar nicht in Berührung mit dem Theater waren. So brachte die Theaterwerkstatt Pilkentafel mit Hilfe der LandKULTUR-Förderung vom Bundesprogramm für Ländliche Entwicklung und regionale Wertschöpfung (BULE+) eigens entwickelte, mobile Stücke für Kinder in die Grundschulen vor Ort.

Bei "Dritte Stunde Theater! Theatrale Interventionen im Klassenzimmer" ist der Klassenraum nicht bloß Kulisse, sondern er ist Teil der Aufführung, indem z.B. die Klangqualität der Tische getestet wird wie im Stück "Die Hörer". Die Kinder werden ins Geschehen einbezogen, denn es ist ja ihr Raum und sie werden zum Mitspielen aufgefordert. Ihre Wahrnehmung konzentriert sich plötzlich aufs Hören und auf Geräusche aus ihrem Klassenzimmer.

Lebenswirklichkeit auf den Kopf gestellt - fern von richtig und falsch

Die Akteure treten dabei für die Kinder völlig überraschend, unvorbereitet in ihre Schulwelt, in ihren Klassenraum, ein. Die Kinder reagieren zunächst irritiert, unsicher, dann gespannt, belustigt, sicherer in ihrer eigenen Aktion, begreifend, aufnehmend, umsetzend, verstehend. Über den Eintritt in den Schulalltag der Kinder findet eine Auseinandersetzung mit ihrer Lebenswirklichkeit statt. Es sei ein anderes Verhältnis, als wenn sie im Theater sind, so Elisabeth Bohde, Stückeschreiberin und Schauspielerin der Theaterwerkstatt.

"Spielen ist immer eine Möglichkeit, die Welt als veränderbar zu erleben“, unterstreicht sie. Das ist vor allem auch an den anschließenden Gesprächen zu erkennen. Die Kinder erleben, dass sie ernst genommen werden mit ihren Gedanken, Ideen und ihrer Sicht der Dinge. So erfahren sie beim Stück "Zeitstörung", dass es auch Fragen gibt, die keine eindeutige Antwort zulassen, was wahr und was falsch ist, dass es daneben auch noch Anderes gibt. Theaterspiel in diesem Sinne erweitert die Wahrnehmung, stärkt das Selbstverständnis der Kinder, sich seine eigene Meinung zu bilden und diese auch zu vertreten. Sie erfahren, dass es eine komplexe Welt gibt, in der vieles polarisiert wird.

Mit dem BULE+-Projekt wird das Kulturangebot in ländlichen Räumen gestärkt. Die Kinder profitieren von kultureller Bildung. Während der Laufzeit der BULE+-Förderung bis Ende 2022 spielte die Theaterwerkstatt Pilkentafel "Dritte Stunde Theater!" in rund 460 Grundschulklassen und schuf ein Kulturangebot für über 10.000 Schulkinder auf dem Land. Das Projekt leistete so einen wichtigen Beitrag, um kulturelle Teilhabe in ländlichen Regionen zu stärken und kann Kulturakteuren in anderen Regionen als Vorbild dienen. Über die internationale Vereinigung des Theaters für Kinder und Jugendliche, Assitej e.V., und NEUSTART KULTUR - Fördermittel der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien wurde das Programm der Klassenzimmerstücke, das für die Kinder und Schulen kostenfrei ist, nun für weitere sechs Monate verlängert.

Hintergrund

Mit LandKULTUR fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über das Bundesprogramm Ländliche Entwicklung und regionale Wertschöpfung (BULE+) modellhafte Projekte im Kulturbereich mit dem Ziel, kulturelle Aktivitäten und kulturelle Teilhabe in ländlichen Regionen zu stärken. Ein Ziel des BULE+ ist es, den Austausch zwischen den Akteuren zu fördern, um in den Projekten gewonnene Erkenntnisse im Bereich der ländlichen Entwicklung insgesamt zu sammeln und in die Breite zu tragen.

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