Beteiligung und Selbstermächtigung von Jugendlichen stärken: LandKULTUR-Projekte auf dem TRAFO-Ideenkongress

Was bewegt Kultur in ländlichen Räumen? Dies war eine der Hauptfragen des zweiten TRAFO-Ideenkongresses zu Kultur, Alltag und Politik in ländlichen Räumen, der vom 27. bis 29. September 2023 in Chemnitz stattfand.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen der Austausch und die gegenseitige Inspiration: Es wurden künstlerische Projekte und politische Diskurse zusammengebracht, Einblicke in die aktuelle Förderpraxis gegeben und Ergebnisse der Forschung präsentiert.
Im BMEL-Programmpunkt zur Förderung von Kultur in ländlichen Räumen waren zwei Projekte von LandKULTUR und ein Forschungsprojekt von Faktor K sowie das Kompetenzzentrum für Ländliche Entwicklung, welches zusammen mit dem BMEL eine aktive Rolle in der anschließenden Diskussionsrunde einnahm, mit dabei. Der Fokus der Vortragenden lag auf Beteiligung und Selbstermächtigung von Jugendlichen.

Jugend macht Kultur – Kurzvorstellung der Projekte:

Classical Beat Young Talents (LandKULTUR)

Classical Beat Young Talents (LandKULTUR)

Im Rahmen von Workshops werden Jugendliche in die Re-Kompositionen klassischer Werke eingebunden, können sich mit analogen Instrumenten oder mit Hilfe von Musiksoftware einbringen und so ein von ihnen mitgestaltetes kompositorisches Werk verwirklichen. Zum Abschluss werden die neu komponierten Werke gemeinsam mit dem CLASSICAL BEAT Jazzorchester live auf dem Jugendfestival aufgeführt.

Jugend – Aktiv auf dem Land (LandKULTUR)

Fuso Trailer 2023

Jugendliche zur Selbstorganisation befähigen, fehlende Formen kultureller Angebote für Jugendliche etablieren und dabei das Prinzip der Nachhaltigkeit im Alltag verankern – das sind die Ziele von "Jugend – Aktiv auf dem Land". Entstanden ist das flexible Format Fuso (Film und so), das Film mit weiteren Kunstformen kombiniert. Am Ende eines Fusos formiert sich eine Arbeitsgruppe, die bei Planung und Organisation des nächsten Fusos mitwirkt.

DIYhoch3 (Faktor K)

Das Forschungsprojekt "DIYhoch3: Jugendliche kulturelle Selbstorganisation im Dreiländereck Bayern-Sachsen-Thüringen" untersucht Räume und Möglichkeiten von Jugendkulturen auf dem Land. So entsteht ein besseres Verständnis für Bedingungen und Strukturen, die ein selbstorganisiertes kulturelles Leben ermöglichen. Das Projekt wird vom Lehrstuhl Sozialpädagogik der Universität Bamberg und der Arbeitsgruppe Wirtschaftsgeographie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt umgesetzt.
https://diyhoch3.de/

Besonderheiten und Erkenntnisse – so lief der Kongress

Das Besondere an dem vom BMEL und Kompetenzzentrum für Ländliche Entwicklung gemeinsam organisierten 90-minütigen Programmpunkt war vor allem der Austausch zwischen Praktikerinnen und Praktikern, Forschenden und dem BMEL, welcher im Anschluss an die Vorstellung stattfand. Hier wurden bereits erste Erkenntnisse aus der fachlichen Auswertung von LandKULTUR angeführt. Auch der Diskurs mit dem Publikum zeigte, dass die Förderung von Jugendlichen gerade im Bereich Kultur ein wichtiger Bestandteil sein muss.

Eine zentrale Frage war, wie die aktive Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Projekten gestärkt werden kann. Als Haupterkenntnis der Projektakteure stellte sich heraus, dass die Selbstermächtigung ein Schlüssel sein kann, gerade das Loslassen und Vertrauen der Erwachsenen sei unablässig. Peer-Group-Learning (Jugendliche lernen von Jugendlichen) sei eine gute Möglichkeit um die Selbstorganisation zu fördern. Des Weiteren gab es den konkreten Tipp, gerade zu Beginn Jugendliche mit der Praxis zu locken und erst später in die Theorie einzuführen, wenn die Kinder und Jugendlichen mit dem Projekt verbunden sind und sich ernst genommen fühlen.

Sowohl das Programm, als auch die mitgestaltenden Kulturakteure verliehen dem TRAFO-Ideenkongress eine besondere Vielfältigkeit. Neben Vorträgen von Kulturakteuren aus ganz Deutschland stellten auch andere Forschungseinrichtungen ihre Projekte vor. Zahlreiche Ideenreisen und Exkursionen brachten das Publikum gedanklich zu Orten, an denen Kultur stattfindet. Der direkte Austausch mit den Praktikerinnen und Praktikern sowie den Forschenden machte die Probleme, aber auch die vielseitigen Lösungsansätze der Akteure vor Ort greifbar und nicht zuletzt die philosophischen Gespräche, wie zum Thema gesellschafter Zusammenhalt von Prof. Dr. Christiane Woopen, Direktorin Center for Life Ethics der Universität Bonn, und dem WDR 5 Moderator Jürgen Wiebicke, regten zum Nachdenken an.

Hintergrund

In dem bundesweiten Modellprogramm "TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel" der Kulturstiftung des Bundes geht es darum, Ideen und Visionen zu entwickeln, wie sich Kultureinrichtungen verändern können, um mit den sich verändernden Lebensbedingungen in ländlichen Räumen Schritt zu halten.

LandKULTUR und Faktor K sind Bausteine des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung (BULEplus), das die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Auftrag des BMEL umsetzt. Das BMEL fördert modellhafte Projekte im Kulturbereich mit dem Ziel, kulturelle Aktivitäten und kulturelle Teilhabe in ländlichen Regionen zu stärken. Das BULEplus zielt unter anderem darauf ab, den Austausch zwischen den Akteuren zu fördern, um in den Projekten gewonnene Erkenntnisse im Bereich der ländlichen Entwicklung insgesamt zu sammeln und in die Breite zu tragen.

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