Die Alterssicherung der Landwirte

Die Alterssicherung der Landwirte wird von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) durchgeführt und zielt seit ihrer Einführung im Jahr 1957 auf eine Teilsicherung ab. Dies schlägt sich sowohl in der Höhe der Beiträge als auch im Niveau der Renten nieder.

Um einen ausreichenden Lebensunterhalt im Alter sicherzustellen, bedürfen die Renten der Alterssicherung der Landwirte der individuellen Ergänzung, etwa durch Altenteilsleistungen, Pachteinnahmen, Ansprüche gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung oder private Vorsorge.

Rechtsgrundlage ist das Gesetz über die Alterssicherung der Landwirte. Zum 9. August 2018 ist aufgrund einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts die bisherige Hofabgabeverpflichtung vollständig abgeschafft worden. Während bisher eine Rente aus der Alterssicherung der Landwirte bei Vorliegen der weiteren jeweiligen gesetzlichen Voraussetzungen nur gewährt werden konnte, wenn der Hof an einen Nachfolger abgegeben wurde (sog. Hofabgabeverpflichtung), kann eine Rente nun auch bewilligt werden, wenn der Hof weiterbewirtschaftet wird.

Wer ist versichert?

Pflichtversichert sind

  • Landwirte, deren auf Bodenbewirtschaftung beruhendes Unternehmen die von der SVLFG festgesetzte Mindestgröße überschreitet,
  • deren Ehegatten und Lebenspartner,
  • mitarbeitende Familienangehörige eines Landwirts oder seines Ehegatten beziehungsweise Lebenspartners, wenn sie im landwirtschaftlichen Unternehmen hauptberuflich tätig sind.

Eine freiwillige Versicherung ist unter bestimmten Voraussetzungen auf Antrag möglich, zum Beispiel um die Wartezeit für eine Altersrente auch nach Ende einer Versicherungspflicht noch erfüllen zu können.

Eine Befreiung von der Versicherungspflicht auf Antrag ist unter anderem möglich, solange

  • eine außerlandwirtschaftliche Beschäftigung oder Tätigkeit ausgeübt wird, aus der ein Arbeitsentgelt oder –einkommen von mehr als jährlich 4.800 € erzielt wird;
  • wegen Kindererziehung oder Pflege eines Pflegebedürftigen in der gesetzlichen Rentenversicherung Versicherungspflicht besteht oder in vergleichbarer Weise eine anderweitige Alterssicherung aufgebaut wird.

Auf welche Leistungen haben Versicherte Anspruch?

Ebenso wie in der gesetzlichen Rentenversicherung besteht bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen ein Anspruch auf

  • Leistungen zur Rehabilitation und Prävention
  • Altersrenten
  • Renten wegen Erwerbsminderung
  • Hinterbliebenenrenten

Wie sieht die Finanzierung aus?

Die Alterssicherung der Landwirte wird durch Beiträge der Versicherten und Zuschüsse des Bundes finanziert. Der Bund kommt für die nicht durch Beitragseinnahmen gedeckten Ausgaben auf (sog. Defizitdeckung). Die rückläufige Zahl von Versicherten infolge des Strukturwandels hat daher keine Auswirkungen auf die Beitragshöhe, vielmehr gehen die finanziellen Folgen des Strukturwandels allein zu Lasten des Bundes. Der Anteil des Bundes an der Finanzierung der Leistungen beträgt aktuell ca. 80 %.

In der Alterssicherung der Landwirte wird – im Gegensatz zur gesetzlichen Rentenversicherung – ein Einheitsbeitrag erhoben, der nicht einkommensbezogen ist. Durch den Einheitsbeitrag wird umgekehrt auch eine Anwartschaft auf eine Einheitsleistung erworben, deren Höhe nur von der Dauer der Beitragszahlung abhängig ist. Die Entwicklung des Einheitsbeitrags ist dabei an die Entwicklung des Beitrags und des Durchschnittsentgelts in der gesetzlichen Rentenversicherung gekoppelt.

In der Alterssicherung der Landwirte gibt es außerdem Beitragszuschüsse für einkommensschwächere Betriebe. Grund für diese Leistung ist, dass einkommensschwächere Landwirte mit der Zahlung des für alle Versicherten gleich hohen Einheitsbeitrages finanziell überfordert wären.

Die Höhe des Beitragszuschusses ist an die Höhe des zu zahlenden Beitrages gekoppelt. Im Jahr 2019 beträgt der monatliche Beitrag 253 Euro in den alten und 234 Euro in den neuen Bundesländern. Bis zu einem Jahreseinkommen von 8.220 Euro beträgt der Zuschuss 60 Prozent des Beitrags. Der monatliche Höchstzuschuss beträgt im Jahr 2019 demnach 152 Euro. Danach sinkt der Beitragszuschuss für jeweils weitere 520 Euro an Einkommen um ca. 7 Prozent des Beitrags.

Die für das Jahr 2019 geltenden Beiträge und Beitragszuschüsse sind der Bekanntmachung der Beiträge und Beitragszuschüsse in der Alterssicherung der Landwirte 2019 zu entnehmen

Über die Ausgestaltung der Alterssicherung der Landwirte und die Perspektiven ihrer finanziellen Entwicklung informiert der Lagebericht 2017 (PDF, 344KB, Datei ist nicht barrierefrei) den die Bundesregierung im November 2017 beschlossen und dem Deutschen Bundestag und Bundesrat vorgelegt hat.

Erschienen am im Format Basistext

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