Agro-Biodiversität: Schutz durch Nutzung

Die Vielfalt der in der Land-, Forst-, Fischerei- und Ernährungswirtschaft genutzten Pflanzen und Tiere - die so genannte Agrobiodiversität - ist ein wesentlicher Teil der gesamten biologischen Vielfalt auf der Erde.

Die Menschen haben mit Landwirtschaft, Waldnutzung und Fischerei seit je her auch Kulturlandschaften geprägt. Sie haben damit neue Lebensräume für die Pflanzen- und Tierwelt geschaffen. Es gilt, durch nachhaltige Nutzung stabile landwirtschaftliche Ökosysteme zu schaffen, die den Bedürfnissen der Menschen, der Natur, dem Leben im ländlichen Raum und den wirtschaftenden Betrieben nachkommen.

Die Agrobiodiversität bildet die Basis der Produktion in der Land- und Forstwirtschaft, der Fischerei und der Ernährungswirtschaft. Sie ist damit das Fundament der Welternährung der Menschen.

Biologische Vielfalt bewahren

Die biologische Vielfalt auf der Erde unterliegt seit mehreren Jahrzehnten dramatischen Verlusten. Damit ist eine wesentliche Grundlage des Lebens bedroht. International und nationale sind Staaten daher aktiv:

  • Bereits 1992 wurde auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung das Übereinkommen über die Biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity – CBD) beschlossen. Diesem traten neben Deutschland nahezu alle anderen Staaten bei. Die Vertragsstaaten verpflichten sich, Maßnahmen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt, zur nachhaltigen Nutzung ihrer Bestandteile und zum ausgewogenen und gerechten Ausgleich der Vorteile aus der Nutzung genetischer Ressourcen zu ergreifen.
  • Die Bundesregierung hat zudem eine nationale Strategie zur biologischen Vielfalt am 7. November 2007 verabschiedet.
  • Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat 2007 die Sektorstrategie zur Agrobiodiversität vorgelegt, um mittelfristige Maßnahmen zugunsten der biologischen Vielfalt in ländlichen, agrarisch geprägten Räumen zu fördern.

Broschüre zur biologischen Vielfalt

Cover der Broschüre Biologische Vielfalt für Ernährung, Landwirtschaft, Forst und Fischerei - Modell- und Demonstrationsvorhaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
© BMEL

Was Agrobiodiversität bedeutet

Der Begriff "Agrobiodiversität" bezeichnet alle Komponenten der biologischen Vielfalt, die für Ernährung und Landwirtschaft sowie das Funktionieren der Agrarökosysteme von Bedeutung sind. Dazu gehören alle Zuchtformen von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen sowie ihre verwandten Wildarten.

Weiterhin zählt man zu den Komponenten auch jene Elemente der biologischen Vielfalt, die sogenannte ökologische Dienstleistungen in Agrarökosystemen gewährleisten: den Kreislauf der Nährstoffe, die Regulierung von Kulturschädlingen und Krankheiten, die Bestäubung, den Erhalt örtlicher Wildtier und -pflanzenpopulationen, den Schutz von Wassereinzugsgebieten, den Erosionsschutz und die Klimaregulation sowie anderes mehr.

Es ist für das BMEL eine vorrangige Zukunftsaufgabe, die biologische Vielfalt in der Landwirtschaft zu erhalten und wo nötig zu erhöhen. So soll die Ernährungs-, Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft angepasst werden an sich verändernde Umweltbedingungen wie den Klimawandel oder neue Ansprüche von Verbrauchern an landwirtschaftliche Produkte. Diese Vielfalt ist zudem Grundlage für neue Nutzungsformen – beispielsweise um aus Pflanzen Energie zu gewinnen oder neue Sorten und Rassen zu züchten.

Die biologische Vielfalt ist bedroht

Die biologische Vielfalt ist überall auf der Welt bedroht, so auch in Deutschland. Rote Listen der gefährdeter Pflanzen- und Tierarten signalisieren weltweit den Ernst der Lage. In Deutschland gelten über 30 Prozent der Pflanzenarten, rund 36 Prozent aller Tierarten, 36 Prozent der Süßwasserfische als gefährdet und 65,1 Prozent der Lebensräume (Biotoptypen) weisen ein (unterschiedlich) hohes Verlustrisiko auf.. Auch unsere Nutzpflanzen und -tiere, also die genetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft, sind teilweise bedroht bzw. gefährdet.

Die früher vor allem in der Landwirtschaft vorherrschende große regionale Vielfalt an Nutzpflanzenarten, -sorten und Nutztierrassen, Fischen, Mikroorganismen und anderen nützlichen Kleinlebewesen ist stark im Rückgang begriffen.

Weltweit gelten 20 Prozent aller bei der Welternährungsorganisation FAO erfassten 7.616 Tierrassen als akut gefährdet, von über 30 Prozent liegen keinerlei Populationsdaten vor. In Deutschland werden bei den für die Landwirtschaft bedeutendsten Arten Rind, Pferd, Schwein, Schaf und Ziege 52 der 74 heimischen Rassen als gefährdet eingestuft.
Schon heute werden über 50 Prozent der für die menschliche Ernährung weltweit benötigten Nahrungsenergie aus lediglich drei Pflanzenarten (Mais, Reis, Weizen) erzeugt. Andere Kulturpflanzenarten werden entsprechend weniger genutzt.

Biologische Vielfalt als Ziel

Vorhandene Ansätze, wie zum Beispiel Initiativen und Agrarumweltmaßnahmen mit dem Ziel die biologische Vielfalt zu erhalten und nachhaltig zu nutzen, gilt es weiter zu entwickeln. Auch die wirtschaftlichen wie rechtlichen Rahmenbedingungen sind weiter zu verbessern.

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