Alte Sorten für neue Vielfalt

Klimawandel: Nutzpflanzen "von gestern" können schon morgen wichtig sein

Weit mehr als 1.000 traditionelle Gemüsesorten stehen in Deutschland auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Kulturpflanzen. Sie tragen so klangvolle Namen wie "Tonda di Chioggia" oder "Maikönig" und waren früher auf den Feldern gang und gäbe. Doch weil es diese Sorten sehr oft gar nicht mehr zu kaufen gibt, sind sie auch nur den wenigsten bekannt.

Robust und krankheitsresistent

Ann-Kathrin Söllner vom Verein ProSpecieRara (rechts im Bild) erklärt einer Besucherin am Stand die Besonderheit der „Tonda di Chioggia“. Die Ringelbete gehört zu den vom Aussterben bedrohten Gemüsearten.
Video: Projekt "Vielfalt schmeckt!"

Das Team des Projekts "Vielfalt schmeckt!" ist angetreten, das zu ändern. Dahinter stehen der Verein ProSpecieRara und das Unternehmen Rinklin Naturkost. Projektmitarbeiterin Ann-Kathrin Söllner erklärt den Hintergrund: „Für unsere Ernährungssicherheit ist es wichtig, dass eine möglichst große genetische Vielfalt der Kulturpflanzen erhalten bleibt.“ Denn werden die Pflanzen nicht mehr angebaut, haben sie keine Chance, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Und irgendwann sind damit auch ihre besonderen Eigenschaften für immer verloren. Das kann gerade wegen des Klimawandels fatal sein: Alte Sorten sind häufig resistenter gegen extreme Witterungsbedingungen – oder einen Befall mit Krankheiten oder Schädlingen.

Die Diva unter den Salatköpfen

Für den „Maikönig“ gilt das allerdings nicht. Der Kopfsalat mit seinen zarten Blättern ist bei Schädlingen sehr beliebt. Zudem muss er äußerst schonend transportiert werden, damit die druckempfindlichen Blätter nicht leiden. Doch Gabriele Blümlein macht sich aus einem ganz anderen Grund für den „Maikönig“ stark: „Er erinnert mich an den Geschmack meiner Kindheit“, sagt die Mitarbeiterin der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).

Ein starkes Netzwerk

Die BLE unterstützt das Projekt in seinem Bestreben, die Sorten von der Roten Liste wieder in den Handel zu bringen. Dafür soll ein Netz von „Sortenrettern“ aufgebaut werden: Saatgutunternehmen, die das häufig nur noch in Genbanken lagernde Saatgut in größerem Maßstab vermehren; Gärtner, die bereit sind, sich auf ungewisses Terrain zu begeben und einen Teil ihrer Felder für die traditionellen Sorten bereitzustellen; Handelsunternehmen, die ihren Kunden das ungewohnte Gemüse schmackhaft machen; und schließlich die Verbraucherinnen und Verbraucher, die den Kreis schließen, indem sie die nicht ganz alltäglichen Sorten nachfragen.

Auch eine Gaumenfreude

Dass „Vielfalt schmeckt“, davon konnten sich auch die Besucher der Halle des Bundesministeriums und Landwirtschaft auf der Internationalen Grünen Woche überzeugen: Am Projektstand konnten sie „Tonda di Chioggia“ – eine weiß-rot geringelte Rübe, die etwas feiner als Rote Bete schmeckt – kosten, und zwar roh und zu Chips verarbeitet. Und sie konnten sehen, dass Möhren nicht nur orangefarben sind, sondern auch noch als gelbe, weiße oder lilafarbene Variante existieren. Wer sein Wissen in einem Kreuzworträtsel unter Beweis stellte, konnte ein Saatgut-Tütchen gewinnen – und somit selbst dafür sorgen, die Vielfalt auf unseren Feldern zu erhalten.

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