Bienenweiden: Tipps für große Flächen

Bienen und andere Bestäuberinsekten brauchen nicht nur im Frühjahr blühende Pflanzen, sondern über die gesamte Vegetationszeit hinweg. Obstplantagen oder Rapsfelder bieten kurzfristig ein reichhaltiges Angebot an Nektar und Pollen. Doch gerade im Spätsommer fehlen Blütenpflanzen, die Insekten Nahrung bieten. Das gilt besonders für Regionen mit intensiv genutzten Ackerflächen. Landwirtinnen und Landwirte sowie Unternehmen, Kommunen und Institutionen, die größere Flächen besitzen und darauf dauerhafte Säume, Brachen oder Blühflächen anlegen, können aktiv zum Überleben und zum Erhalt von Bienen und anderen Insekten beitragen.

Nützliche Vielfalt für Bestäuber

Säume, Brachen, Blühstreifen und Blühflächen fördern die biologische Vielfalt. Sie sind nicht nur als Nahrungsquelle für Bestäuberinsekten relevant, sondern auch als Rückzugsraum und Nistplatz für zahlreiche Tiere. Auch natürliche Schädlingsbekämpfer finden hier Unterschlupf. Die Larven mehrerer Schwebfliegenarten zum Beispiel ernähren sich von Blattläusen. Auch einige Schlupfwespenarten, Raubkäfer und Spinnen rücken Pflanzenschädlingen zu Leibe.

Blühflächen anlegen und pflegen

Am Acker- oder Straßenrand, entlang einer Hecke, in der Umgebung von Baumgruppen, auf dem Firmengelände oder im Stadtpark – jeder noch so kleine Blühstreifen ist ein Schritt in die richtige Richtung, um Bienen und andere Bestäuberinsekten zu unterstützen. Idealerweise sollte die Blühmischung mehrjährig sein und regional-typische Pflanzen enthalten. Um zusätzlich größere Tiere wie Vögel, Igel, Hasen und Co. zu unterstützen, sollte der Streifen mindestens zehn Meter breit sein. Für Bienen und andere Bestäuber reichen aber auch schmalere Flächen aus. Auch innerhalb großer Felder sind Blühstreifen wertvolle Inseln für Insekten und andere Tiere.

Auch eine Wildblumenwiese im Park oder in großen Gärten ist im Spätfrühling und Sommer für Nützlinge eine wichtige Nahrungsgrundlage. Zudem macht sie wesentlich weniger Arbeit als ein gewöhnlicher Rasen. Ein- bis maximal zweimal im Jahr und frühestens ab Mitte Juni sollte gemäht werden – am besten mit einem Balkenmäher oder einer Sense und unter Entfernung des Mahdgutes. Das entzieht Blumenwiesen auf Dauer überschüssige Nährstoffe – die meisten Blütenkräuter mögen es „mager“ – und erleichtert auch konkurrenzschwächeren Kräutern den Wiederaustrieb nach der Mahd. Große Flächen sollten von innen nach außen und in der traditionellen „Staffelmahd“, also in Teilflächen zu unterschiedlichen Zeitpunkten, gemäht werden. So bleiben immer blühende Pflanzen stehen und die Tiere können noch schnell umziehen.

Blühstreifen und -flächen sollten möglichst zumindest teilweise über den Winter stehen bleiben. In den Überresten der Pflanzen können Insekten überwintern, Vögel Nahrung finden und kleine Säugetiere Schutz erhalten. Damit Wildbienen abgestorbene, hohle oder markhaltige Pflanzenstängel (zum Beispiel Königskerze, Holunder, Brombeerranken) als Nistplatz nutzen können, ist es grundsätzlich notwendig, diese über mindestens zwei Winter stehen zu lassen. Wildbienen legen ihre Nester nämlich frühestens im Jahr nach dem Absterben der Pflanzen an. Erst nach dem darauffolgenden Winter schlüpft dann die Nachkommenschaft.

Die optimale Samenmischung

Gerade seltene, gefährdete und spezialisierte Wildbienenarten sind häufiger in mehrjährigen als in einjährigen Blühflächen anzutreffen. Denn mehrjährige, artenreiche Blühmischungen enthalten in der Regel mehr Pflanzenarten und decken so viele unterschiedliche Nahrungsansprüche ab. Zudem ermöglichen sie aufgrund der längeren Standdauer die Ansiedlung von Bienenpopulationen eher als einjährige Mischungen. Bereits ab dem Frühjahr finden Bienen hier ein reiches Nektar- und Pollenangebot. Vielerorts kommt es allerdings vor allem ab dem Sommer zu Nahrungsengpässen für Bienen, nachdem die meisten großflächig blühenden, bienenattraktiven Kulturpflanzen verblüht sind. Daher ist es wichtig, dass die Blühmischung vom Frühjahr bis in den Herbst hinein durchgängig bienenattraktive Blüten bereitstellt.

Das Saatgut von Wildpflanzen sollte eine möglichst hohe Artenvielfalt enthalten und frei von Gräsern sein. In einjährigen Blühstreifenmischungen sind zudem häufig blühende Zwischenfruchtarten aus der Landwirtschaft wie Phacelia für einen reichen und möglichst langen Blühaspekt eingemischt. Für das sogenannte Regiosaatgut gibt es in Deutschland zwei Zertifizierungssysteme. Die optimale Samenmischung ist von der Region und den Standortbedingungen abhängig; von verschiedenen Saatgutanbietern gibt es bereits speziell zur Förderung von Wildbienen entwickelte, an den jeweiligen Standort angepasste mehrjährige Saatgutmischungen.

Ganz besondere Pflanzen: Schmetterlingsblütler

Schmetterlingsblütler gehören zur Familie der Hülsenfrüchtler, auch Leguminosen genannt. Viele für den Menschen wichtige Nahrungs- und Futterpflanzen wie Linsen, Erbsen, Lupinen und Sojabohnen sind Leguminosen. Schmetterlingsblütler sind zudem wichtige Nährstofflieferanten für landwirtschaftlich genutzte Böden: In den Wurzelknöllchen leben Bakterien, die Stickstoff aus der Luft binden und so den Boden düngen. Leguminosen wie Esparsette, Luzerne, Kleearten oder Wicken werden deshalb auch zur „Gründüngung“ eingesetzt. Ganz nebenbei fördern sie zahlreiche Wildbienenarten: Mit ihren nektar- und meist auch pollenreichen Blüten bieten sie ein ideales Bienenbuffet! Einige Wildbienenarten sind deshalb auf diese Pflanzen spezialisiert.

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