Land.Vielfalt.Leben. - Die Gewinner stehen fest!

Mit dem Bundeswettbewerb für insektenfreundliche Landwirtschaft zeichnet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Betriebe und Initiativen aus, die sich aktiv für die Erhaltung und Stärkung der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft einsetzen.

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© BMEL

Kategorien und Preise

Ausgezeichnet wurden insgesamt sechs Preisträger, je drei pro Kategorie:

  1. Kategorie: Preis für die besten Maßnahmen eines landwirtschaftlichen Einzelbetriebes
  2. Kategorie: Preis für die besten Maßnahmen einer Kooperation, wie beispielsweise des Zusammenschlusses eines oder mehrerer landwirtschaftlicher Betriebe mit anderen Akteuren aus der Region wie Vereinen, Verbänden, Kommunen, Imkereien, Bürgerinnen und Bürgern oder Naturschutzinitiativen

Jeder der Preisträger erhält 5.000 Euro Preisgeld. Außerdem erhalten die Gewinner eine Auszeichnung des Bundeslandwirtschaftsministeriums als insektenfreundlicher Betrieb.

Die Bekanntgabe der Gewinnerinnen und Gewinner erfolgte am 22. Juni 2021 im Rahmen einer digitalen Preisverleihung.

Die Gewinner der Kategorie Einzelbetriebe

Frankenwaldhof – Ökolandbau Obersteben

Am Frankenwaldhof in Bad Steben (Bayern) gehen Lena und Christian Rank neue Wege. Sie möchten ihren Kindern eine intakte Umwelt hinterlassen, zu der auch eine große Insektenvielfalt gehört. Sie übernahmen den elterlichen Betrieb von Irene und Edwin Rank und bewirtschaften die 250 Hektar Acker- und Grünland zum größten Teil extensiv im Rahmen des Bayerischen Vertragsnaturschutzes. Auf ihren Feldern bauen sie alte Getreidesorten an und fördern Ackerwildkräuter. Die artenreichen Bergmähwiesen werden größtenteils nicht vor Juli gemäht und es bleiben Blühstreifen stehen. Mit ihrem neusten Vorhaben, dem „Wiesenbrüder-Projekt“, gewinnen die Ranks Saatgut aus gebietsheimischen Wildblumen, das sie in der Region weiterverkaufen. So helfen sie, die Lebensgrundlage für Insekten zu erhalten und zu erweitern.

Obstparadies Geng

Martin Geng hat in Staufen (Baden-Württemberg) ein Paradies für Insekten und andere Lebewesen geschaffen. Auf seinem Betrieb baut er 37 verschiedene Obstsorten an. Dabei verzichtet er auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Geng fördert natürliche Kreisläufe, indem er Streuobstwiesen und Hecken anlegt sowie Nisthilfen für Insekten und Vögel installiert. Mit diesen Maßnahmen schafft der Obstbauer wichtige Nahrungsquellen und Lebensräume für Insekten. Sein ganzheitliches Konzept vereinbart Landwirtschaft und Insektenschutz. Die Familie Geng verarbeitet das Obst am Hof selbst und vermarktet die Produkte sowie das Frischobst im Hofladen. In Führungen und einer geplanten Lernwerkstatt vermittelt Martin Geng sein Konzept an interessierte Landwirtinnen und Landwirte aus allen Regionen Deutschlands.

Warnke-Agrar GmbH – Land für morgen

Gemeinsam mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern möchte Christian Warnke die Landschaft in Tangerhütte (Sachsen-Anhalt) so gestalten, dass sie für Insekten, Tiere und Menschen lebenswert ist. Die mehr als 1200 Hektar seines ökologisch zertifizierten Betriebes nutzt er für Mutterkuhhaltung und extensiven Ackerbau. Warnke arbeitet mit einer zehnjährigen Fruchtfolge, vielfältigen Zwischenfrüchten und Blühstreifen und bietet so vielen Insektenarten Nahrung. Sein neuestes Vorhaben, das „Agroforst-Projekt“, kooperiert mit der Initiative Ackercrowd. Hier pflanzt Warnkes Betrieb Hecken und Streuobstwiesen und bietet so dringend notwendige Rückzugsorte für Insekten.

Die Gewinner der Kategorie Kooperationen

BiogasBlühfelder Rhön-Grabfeld

Energie erzeugen und gleichzeitig Biodiversität fördern? Dass das geht, zeigen die Biogas Blühfelder im bayerischen Landkreis Rhön-Grabfeld. Landwirtinnen und Landwirte bauen dort auf 120 Hektar Blühpflanzen für die Biogaserzeugung an. So setzen sie beispielsweise als Alternative zu Mais die Energiepflanzenmischung „Veitshöchheimer Hanfmix“ ein, die aus 30 mehrjährigen Wild- und Kulturpflanzen besteht. Artenvielfalt und der Blütenreichtum, die dabei entstehen, kommen vor allem  Insekten zugute. An der Kooperation beteiligen sich der BUND Naturschutz und der Bayerische Bauernverband, das Unternehmen Agrokraft GmbH koordiniert das Vorhaben. Wissenschaftliche Begleituntersuchungen zeigen, dass das Projekt eine große Wirkung entfaltet. Es ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie konventionelle Landwirtschaft und Naturschutz in Einklang gebracht werden können.

Biotopverbund Leipzig

Im Norden von Leipzig (Sachsen) arbeiten Akteure aus der Industrie, dem Naturschutz und der Landwirtschaft zusammen, um die Biodiversität vor Ort zu fördern. Sie bündeln ihre Kompetenzen, um Insekten noch effektiver schützen zu können. Mit Blühflächen, Nistkästen und Hecken schaffen sie auf Flächen im Umfang von 250 Hektar Lebensraum für Insekten. Auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen stimmen sich das landwirtschaftliche Unternehmen Saat-Gut Plaußig und die Imkerei Beer bei der Anbauplanung und einem möglichen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ab. An der Kooperation beteiligen sich außerdem der NABU Leipzig, die BMW Group, der Zweckverband Parthenaue und die Stadt Leipzig.

Blühpaten Damnatz

„Damnatz blüht auf!“ – unter diesem Motto startete der Gemeinderat im Jahr 2019 zusammen mit ortsansässigen Landwirten und Imkereien ein Gemeinschaftsprojekt in Niedersachsen, bei dem Bürgerinnen und Bürger Patenschaften für Blühflächen übernehmen. Die Flächen werden von den Landwirten auf umliegenden Äckern zur Verfügung gestellt und sind für fünf Jahre angelegt. Gesät wird die eigens zusammengestellte „Damnatzer Blühmischung“, die aus 60 mehrjährigen, gebietsheimischen Wildblumen besteht. Die große Pflanzenvielfalt bietet Insekten Nahrung und Lebensraum. Inzwischen konnten mehr als 150 Blühpatinnen und -paten gewonnen werden, mit denen zur Hauptblüte ein Fest gefeiert wird. So fördert die Kooperation nicht nur die Insektenvielfalt, sondern auch den Zusammenhalt vor Ort.

Hintergrund

Die Jury

  • Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Vorsitzende)
  • Dr. Laura Breitkreuz, Deutscher Naturschutzring
  • Klaus Münchhoff, Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft e.V.
  • Kathrin Muus, Bund der Deutschen Landjugend e.V.
  • Dr. Martin Sommer, Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V.

Insektenschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Viele Akteure aus unterschiedlichen Bereichen – so auch die Landwirtschaft – sind gefragt, bei der Umsetzung von mehr Insektenschutz mitzuwirken. Und gerade die Landwirtschaft hat daran ein ureigenes Interesse: Sie ist massiv auf ein intaktes Insektenleben angewiesen – zahlreiche Blühstreifen oder Vertragsnaturschutz betreiben viele Landwirte bereits heute. Einige Insektenarten kommen in Deutschland zudem nur vor, weil Landschaften kultiviert werden.

Die Landwirte leisten hier also bereits erhebliche Anstrengungen und verfügen über ein großes Erfahrungswissen. Das will das BMEL sichtbar machen und fördern. Im Rahmen des Bundeswettbewerbs "Land.Vielfalt.Leben." wird daher vorhandenes Engagement zum Schutz der Insekten in der Landwirtschaft ausgezeichnet.

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