F.R.A.N.Z. – Wege für mehr Biodiversität in der Agrarlandschaft

Die Landwirtschaft steht heute vor einer großen Herausforderung: Sie muss einerseits eine wachsende Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln versorgen und andererseits die knappen natürlichen Ressourcen möglichst schonend einsetzen. Außerdem soll die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft auch für künftige Generationen erhalten bleiben.

Genau hier setzt das Projekt F.R.A.N.Z. (Für Ressourcen, Agrarwirtschaft & Naturschutz mit Zukunft) an: Es will zeigen, dass eine moderne, leistungsfähige Landwirtschaft mit biologischer Vielfalt vereinbar ist und entwickelt hierfür Konzepte, die wissenschaftlich erprobt und praxistauglich sind.

Was ist F.R.A.N.Z.?

Das Projekt F.R.A.N.Z ist Anfang 2017 an den Start gegangen und befindet sich aktuell bis 2025 in der dritten Phase.

Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Umweltstiftung Michael Otto (UMO) und des Deutschen Bauernverbands (DBV). Die Thünen-Institute für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen, Betriebswirtschaft und Biodiversität, die Universität Göttingen und das Michael-Otto-Institut im NABU (MOIN) begleiten das Projekt wissenschaftlich. Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) und das Bundesumweltministerium (BMUV) unterstützen das Projekt, die Förderung erfolgt mit Mitteln der Landwirtschaftlichen Rentenbank.

So vielfältig wie Deutschlands Regionen

Herzstück von F.R.A.N.Z. sind zehn intensiv wirtschaftende Demonstrationsbetriebe. Sie spiegeln die Vielfalt der deutschen Agrarlandschaft wider – vom 70-Hektar-Betrieb in Niederbayern bis zum 1.700-Hektar-Betrieb in der Magdeburger Börde. Hierbei wurden typische Betriebe für die jeweiligen Regionen ausgewählt, um die Übertragbarkeit der Maßnahmen zu erhöhen und zu fördern. Als Prämisse für sämtliche Konzepte gilt, dass sie sowohl naturschutzfachlich sinnvoll als auch für den Betrieb einfach umsetzbar und wirtschaftlich tragfähig sind.

Von Feldlerchenfenstern, Beetle Banks und blühendem Vorgewende

Die Betriebe können aus einem Katalog von 16 Maßnahmen auswählen, welche am besten zu ihnen passt. Ein Beispiel: In dichten Getreidebeständen finden die selten gewordenen Feldlerchen und andere Feldvögel keine freien Stellen mehr für Nestbau und Nahrungssuche. Spart der Landwirt bei der Aussaat einfach eine Fläche von rund 20 Quadratmetern aus, können die Vögel auf diesen „Fenstern“ landen und im angrenzenden Feld ihren Nachwuchs aufziehen. Auch andere bedrohte Tierarten wie Rebhuhn oder Feldhase finden hier einen Rückzugsraum.

Ein weiteres Beispiel: Am Rand des Kartoffelackers, auf dem die Landmaschinen wenden – daher auch "Vorgewende" genannt – sät der Landwirt eine Mischung aus Blühpflanzen aus. Ein perfekter Lebens- und Nahrungsraum für Wildbienen und Schmetterlinge, Feldvögel und Amphibien.

Als insektenfördernde Maßnahme werden seit 2020 die Beetle Banks (Insektenwälle) angelegt. Durch Aufpflügen wird ein etwa 2 Meter breiter und ca. 0,5 Meter hoher Erdhügel errichtet. Rechts und links vom Hügel werden Blühstreifen als Puffer angelegt. Dadurch entstehen kleinstrukturierte Lebensräume mit idealem Mikroklima, die u.a. Insekten, Spinnen und auch Vögeln geschützte Fortpflanzungs- und Rückzugsmöglichkeiten bieten.

Blumen vor einem Feld - Blühstreifen
Video: Projekt F.R.A.N.Z.

Dialog auf Augenhöhe zwischen Naturschutz und Landwirtschaft

F.R.A.N.Z. zeichnet sich durch den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirtschaft aus. Verschiedene Forschungsinstitute begleiten das Projekt wissenschaftlich. Sie untersuchen zum einen, wie sich die Maßnahmen auf die Artenvielfalt, die Bestäubung der Pflanzen und das Bodenleben auswirken. Zum anderen ermitteln sie, wie es um die Wirtschaftlichkeit steht und wo es Hemmnisse im Agrar- und Umweltrecht für eine breitere Umsetzung der Maßnahmen im landwirtschaftlichen Berufsstand gibt. Eine weitere Besonderheit ist die fachliche Begleitung und Beratung der Betriebe u.a. durch Kulturlandschaftsstiftungen und Landesbauernverbände.

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