F.R.A.N.Z. – Neue Wege für mehr Biodiversität in der Agrarlandschaft

Die Landwirtschaft steht heute vor einer großen Herausforderung: Sie muss einerseits eine wachsende Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln versorgen und andererseits die knappen natürlichen Ressourcen möglichst schonend einsetzen. Außerdem soll die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft auch für künftige Generationen erhalten bleiben.

Genau hier setzt das Projekt F.R.A.N.Z. (Für Ressourcen, Agrarwirtschaft & Naturschutz mit Zukunft) an: Es will zeigen, dass eine moderne, leistungsfähige Landwirtschaft mit biologischer Vielfalt vereinbar ist. Und es will hierfür Konzepte entwickeln, die wissenschaftlich erprobt und praxistauglich sind.

So vielfältig wie Deutschlands Regionen

Herzstück von F.R.A.N.Z. sind zehn konventionell wirtschaftende Demonstrationsbetriebe. Sie spiegeln die Vielfalt der deutschen Agrarlandschaft wider – vom 70-Hektar-Betrieb in Niederbayern bis zum 1.700-Hektar-Betrieb in der Magdeburger Börde. „Uns ist wichtig, dass die Betriebe typisch für die jeweilige Region sind, denn die Maßnahmen sollen ja auf andere Betriebe übertragbar sein“, erklärt F.R.A.N.Z.-Projektleiterin Franziska Gawlik. Als Prämisse für sämtliche Konzepte gilt, dass sie nicht nur naturschutzfachlich sinnvoll, sondern für den Betrieb auch einfach umsetzbar und wirtschaftlich rentabel sind.

Logo des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
9.9.2019: Bundesministerin Julia Klöckner besucht F.R.A.N.Z- Demonstrationsbetrieb im Havelland

Von Feldlerchenfenstern und blühendem Vorgewende

Die Betriebe können aus einem Katalog von 14 Maßnahmen auswählen, welche am besten zu ihnen passt. Ein Beispiel: In dichten Getreidebeständen finden die selten gewordenen Feldlerchen keine freien Stellen mehr für Nestbau und Nahrungssuche. Spart der Landwirt bei der Aussaat einfach eine Fläche von rund 20 Quadratmetern aus, können die Lerchen auf diesen „Fenstern“ landen und dort ihren Nachwuchs aufziehen. Auch andere bedrohte Tierarten wie Rebhuhn oder Feldhase finden hier einen Rückzugsraum.

Ein weiteres Beispiel: Am Rand des Kartoffelackers, auf dem die Landmaschinen wenden – daher auch „Vorgewende“ genannt – sät der Landwirt eine Mischung aus Blühpflanzen aus. Ein perfekter Lebens- und Nahrungsraum für Wildbienen und Schmetterlinge, Feldvögel und Amphibien.

F.R.A.N.Z.-Projektleiterin Franziska Gawlik und Landwirt Sven Borchert füllen eine Saatmischung aus Blühpflanzen in kleine Tütchen ab.
Video: Projekt F.R.A.N.Z.

Dialog zwischen Naturschutz und Landwirtschaft

„Das Besondere an F.R.A.N.Z. ist der Dialog zwischen Naturschutz und Landwirtschaft. Es ist schön, dass sich beide Parteien zusammensetzen und gemeinsam Maßnahmen entwickeln“, sagt Pawlik. Zusammen mit Landwirt Sven Borchert von der Landwirtschaftlichen Betriebsgemeinschaft GbR Groß Germersleben in Sachsen-Anhalt hat sie das Projekt auch den Messegästen der Internationalen Grünen Woche 2019 vorgestellt.

Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt, verschiedene Forschungsinstitute begleiten es wissenschaftlich. Sie untersuchen zum einen, wie sich die Maßnahmen auf die Artenvielfalt, die Bestäubung der Pflanzen und das Bodenleben auswirken. Zum anderen ermitteln sie, wie es um die Wirtschaftlichkeit steht und wo es Stolpersteine im Agrar- und Umweltrecht gibt.

Was ist F.R.A.N.Z.?

Das Projekt F.R.A.N.Z ist Anfang 2017 an den Start gegangen. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Umweltstiftung Michael Otto (UMO) und des Deutschen Bauernverbands. Die Thünen-Institute für ländliche Räume, Betriebswirtschaft und Biodiversität, die Universität Göttingen und das Michael-Otto-Institut im Naturschutzbund Deutschland (Nabu) begleite das Projekt wissenschaftlich. Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) und das Bundesumweltministerium (BMU) unterstützen das Projekt.

Nachhaltigkeitspreis gewonnen

Eine Studie des Thünen-Instituts für Ländliche Räume im September 2017 hat nämlich gezeigt, dass mangelnde Flexibilität bei den bestehenden Programmen, die Furcht vor Sanktionen und ein unzureichender Zuschnitt der Entschädigungsleistungen auf den Einzelbetrieb viele Landwirte davon abhalten, an Agrarumweltprogrammen teilzunehmen. Das, so hoffen die Projektbeteiligten, wird sich ändern, wenn die Ergebnisse von F.R.A.N.Z. in die Programmgestaltung einfließen. Im Dezember 2018 hat das Projekt schon einmal den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Forschung gewonnen.

Erschienen am im Format Artikel

Weitere Informationen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Pro­dukt­mo­ni­to­ring zur Na­tio­na­len Re­duk­ti­ons- und In­no­va­ti­onss­tra­te­gie (Thema:Reduktionsstrategie)

Ein engmaschiges Produktmonitoring überprüft den Fortschritt der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten (NRI) während ihrer Umsetzung. Es gliedert sich in mehrere Einzelerhebungen und wird vom Max Rubner-Institut (MRI) durchgeführt. Die Ergebnisse geben Auskunft über die Entwicklung der Zusammensetzung von am Markt erhältlichen verarbeiteten Lebensmitteln im festgelegten Zeitverlauf und zeigen, ob Bedarf zur Nachsteuerung oder weiterer Handlungsbedarf besteht.

Mehr

Neue Aus­ga­be der for­schungs­fel­der: Blau­es Wun­der (Thema:Forschung)

Ob im globalen Handel oder im Urlaubsgepäck von Reisenden: In und auf Obst, Gemüse und Pflanzen reisen Insekten, Viren und Bakterien oft unbemerkt um die Welt. Das kann für Ökosysteme gefährlich werden – denn die Neuankömmlinge können viel Schaden anrichten.

Mehr

Un­ab­hän­gi­ge His­to­ri­ker­kom­mis­si­on zur Auf­ar­bei­tung der Ge­schich­te des BMEL (Thema:Ministerium)

Welche Kontinuitäten und welche Brüche gab es in der deutschen Agrarpolitik? Welche Ereignisse führten zur Gründung des Reichsernährungsministeriums 1919? Welche Rolle spielte das Reichsernährungsministerium im Nationalsozialistischen Staat? Wie ist man im BMEL mit der Vergangenheit umgegangen? Inwieweit waren NS-belastete Beamte im BMEL tätig? Wie verliefen parallele Entwicklungen in der DDR?

Mehr

Hinweis zur Verwendung von Cookies

Diese Seite verwendet Cookies, damit Sie Funktionalitäten in vollem Umfang nutzen können, wie z.B. die Bestellung von Publikationen im Warenkorb. Nähere Informationen dazu finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.