Wissenswertes rund um Biokraftstoffe

Biokraftstoffe gehören zu den erneuerbaren Alternativen im Mobilitätssektor. Ein Überblick verdeutlicht die Zahlen und Fakten zu Biokraftstoffen (Biodiesel, Pflanzenöl, Bioethanol und Biomethan) in Deutschland und die damit verbundenen politischen Ziele. Zudem werden Fragen zu dem Thema E10 beantwortet.

Ziele der EU

Bis 2030 soll der Anteil erneuerbarer Energie am Endenergieverbrauch des Verkehrssektors mindestens 14 Prozent betragen.

Ziele der Bundesregierung

Ab dem Jahr 2020 müssen die Treibhausgasemissionen der in Verkehr gebrachten fossilen Otto- und fossilen Dieselkraftstoffe zuzüglich der Treibhausgasemissionen der in Verkehr gebrachten Biokraftstoffe um 6 Prozent gemindert werden. Außerdem sollen die Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor bis 2030 um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 sinken.

Biokraftstoffe in der Energie- und Umweltpolitik der Bundesregierung

Biokraftstoffe im Verkehrssektor sind ein wichtiger Faktor in der Energie- und Umweltpolitik der Bundesregierung. Für die Erfüllung der Biokraftstoffquote durch die Mineralölwirtschaft war die zügige Einführung des Kraftstoffs E10 wichtig. Mit der Kraftstoffqualitäts-Verordnung von 2011 wurden insbesondere die Beimischungsgrenzen für Ethanol im Ottokraftstoff von bisher 5 Volumenprozent auf bis zu 10 Volumenprozent Ethanol (E10) erhöht.

Biokraftstoffe leisten einen wichtigen Beitrag zur alternativen Energieversorgung der Wirtschaft und der Verbraucher und zum Umweltschutz. Mit Bioethanol wurden zum Beispiel im Jahr 2018 durchschnittlich 86 Prozent an Treibhausgasen im Vergleich zum fossilen Benzin eingespart. Die durchschnittliche Treibhausgaseinsparung von Biodiesel lag dagegen bei 83 Prozent im Jahr 2018.

Seit 2007 muss die Mineralölwirtschaft jährlich einen wachsenden Mindestanteil von Biokraftstoffen vertreiben (Paragraf 37a des Bundesimmissionsschutzgesetzes). Sie kann diese Quote nicht nur mit Biodiesel (B7) sondern z.B. auch über Ethanol (E5) und (E10) sowie den Absatz von reinen Biokraftstoffen erfüllen. Um die Klimabilanz von Biokraftstoffen zu verbessern, wurde zum 1.Januar 2015 die Biokraftstoffquote auf eine Treibhausgasquote umgestellt (Zwölftes Gesetz zur Änderung des Bundesimmissionsschutzgesetzes). Die sogenannte Treibhausgas-Minderungsquote verpflichtet die Inverkehrbringer von Kraftstoffen derzeit, die aus der Herstellung und Nutzung der Kraftstoffe entstehenden Treibhausgas-Emissionen gegenüber einem Referenzwert um 6 Prozent zu verringern, z. B. durch den Einsatz von Biokraftstoffen.

Markt

Im Jahr 2018 wurden in Deutschland rund 2,3 Millionen Tonnen Biodiesel, 1,2 Millionen Tonnen Bioethanol, ca. 33.000 Tonnen hydrierte Pflanzenöle und 1.000 Tonnen reines Pflanzenöl sowie 30.000 Tonnen Biomethan verbraucht. Damit konnten rund 5 Prozent des deutschen Gesamtkraftstoffbedarfs (energetisch) gedeckt werden.

Biodiesel

Biodiesel, hauptsächlich hergestellt aus Raps- und Sojaöl, ist der wichtigste Biokraftstoff in Deutschland. Die heimische Produktionskapazität von Biodiesel liegt bei etwa 4 Millionen Tonnen je Jahr. Der größte Teil des Biodiesels wird über die Biokraftstoffquote abgesetzt. Die Restmenge wird als Reinkraftstoff vermarktet. Fossilem Dieselkraftstoff darf bis zu 7 Prozent Biodiesel beigemischt werden, um als normgerechter Kraftstoff zu gelten.

Hydrierte Pflanzenöle

Unter hydrierten Pflanzenölen versteht man Pflanzenöle, die in einer Hydrierungsanlage durch eine chemische Reaktion mit Wasserstoff in Kohlenwasserstoffketten umgewandelt werden.  Anders als bei Biodiesel kann die für Dieselkraftstoff geltende Kraftstoffnorm mit hydrierten Pflanzenölen auch mit einem höheren Beimischungsanteil als 7 Volumenprozent erfüllt werden.

Bioethanol

Bioethanol (Ethylalkohol) wird durch Destillation nach alkoholischer Gärung oder durch vergleichbare biochemische Methoden aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen. In Deutschland kommen für die Produktion von Ethanol zunächst Getreide (Weizen, Roggen), Zuckerüben oder Mais in Frage. Ottokraftstoff darf zurzeit bis zu 10 Volumenprozent Ethanol zugesetzt werden. Im Jahr 2017 konnten deutsche Anlagen etwa 0,7 Millionen Tonnen Bioethanol herstellen. Bei der Bioethanolherstellung entstehen neben Kraftstoff auch Futtermittel als Nebenprodukt. So wird bei der Herstellung von einem Liter Ethanol aus Getreide ein Kilogramm Proteinfutter erzeugt.

Biomethan

2018 wurden etwa 30.000 Tonnen Biomethan als Kraftstoff verbraucht. Der Biomethanabsatz lag bei rund 400 GWh.

E10: Kraftstoff mit Bioethanol-Anteil von bis zu 10 Prozent

Bei E10 handelt es sich um einen Ottokraftstoff mit einem maximalen Bioethanolanteil von zehn Prozent (bezogen auf das Volumen). E10 wurde in Deutschland im Jahr 2011 eingeführt, um die bereits bestehende Biokraftstoffquote durch die Mineralölunternehmen leichter erfüllen zu können. Die Fahrzeughersteller geben Auskunft, ob ihre Fahrzeugmodelle E10 vertragen. Entsprechende Listen sind im Internet verfügbar und liegen an den Tankstellen aus. Etwa 90 Prozent aller Fahrzeuge mit Benzinmotoren vertragen E 10. Eine Liste E10-verträglicher Fahrzeuge sowie weitere Fragen und Antworten zum Thema finden Sie im Internetauftritt des Bundesumweltministeriums zu E10.

Inwiefern schützt E10 die Umwelt und Ressourcen?

Mit der Nachhaltigkeitsverordnung hat die Bundesregierung festgelegt, dass ausschließlich Biokraftstoffe auf die Biokraftstoffquote angerechnet werden dürfen, wenn diese im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen mindestens 50 Prozent (für neuere Anlagen mindestens 60 Prozent) an Treibhausgasen einsparen. In die Berechnung fließen die Emissionen, die bei der Herstellung des Biokraftstoffs entstehen, ein. Dies sind unter anderem Emissionen bei Anbau (z.B. Herstellung des Düngers), Transport und Verarbeitung. Die reale Treibhausgasreduktion kann abhängig von den eingesetzten Rohstoffen und der Art und Effizienz der Verarbeitung deutlich höher liegen. Die Treibhausgasbilanz des E10-Kraftstoffs ist daher abhängig von der Art des eingesetzten Bioethanols und vom tatsächlichen Bioethanolanteil im Kraftstoff.

Biokraftstoffe vermindern zudem unsere Abhängigkeit vom Erdöl. Der größte Teil des bei uns eingesetzten Bioethanols wird in Deutschland und Europa hergestellt. Dies sichert Arbeitsplätze und ermöglicht Investitionen in neue Technologien.

Zu bedenken ist auch: Unfälle bei der Förderung von Erdöl wie am Golf von Mexiko oder Unglücke von Hochseetankern, die Natur und Umwelt in katastrophalem Ausmaß schädigen, können bei Biokraftstoffen nicht vorkommen

Aus welchen Ländern kommen die Rohstoffe für E10?

Der größte Teil des bei uns eingesetzten Bioethanols wird in Deutschland und Europa hergestellt. Bioethanol wird aus zucker- und stärkehaltigen Pflanzen hergestellt. Das in Deutschland verwendete Ethanol wurde laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung im Jahr 2018 aus folgenden Rohstoffen hergestellt:

  • zu rund 50 Prozent aus Mais,
  • zu rund 43 Prozent aus Getreide,
  • zu rund 3 Prozent aus Zuckerrüben, und
  • zu rund 2 Prozent aus Zuckerrohr.

Der Mais, das Getreide und die Zuckerrüben stammen aus Europa. Das Zuckerrohr zur Herstellung des Bioethanols kommt aus Süd- und Mittelamerika.

Macht der Biokraftstoff E10 unsere Lebensmittel teurer?

Das Bundeslandwirtschaftsministerium beobachtet einen weltweiten Trend zu längerfristig steigenden Lebensmittelpreisen. Die Gründe hierfür sind vielfältig – der Anbau von Pflanzen für den Biokraftstoff E10 jedoch ist nachhaltig und trägt kaum zur Preissteigerung bei.

 Zu nennen sind insbesondere:

  • das Wachstum der Weltbevölkerung,
  • der weitere Verbrauchsanstieg, ausgelöst durch steigenden Wohlstand auch in Schwellenländern. Dies führt zu einer steigenden Nachfrage veredelter und qualitativ hochwertiger Lebensmittel.
  • weltweit abnehmende Lagerbestände,
  • Kostensteigerung durch Öl, Gas und Löhne (dieser Faktor wirkt sich in der Ernährungswirtschaft stärker aus als die Agarrohstoff-Preise),
  • witterungsbedingte Ernteausfälle in wichtigen Anbauländern (Waldbrände, Überschwemmungen etc.),
  • spekulative Einflüsse auf die Preisentwicklung bei Agrar-Rohstoffen, verstärkt durch die Finanz- und Wirtschaftskrise – dies hat die Auswirkungen der Missernten noch verstärkt.

Kurz: Der Faktor E10 beeinflusst die Agrarrohstoff-Preise (und damit die Preise der Lebensmittel) allenfalls in äußerst geringem Umfang.

Geht die Herstellung von E10 zu Lasten der Welternährung?

Weltweit fließen mit rund 162 Millionen Tonnen rund 9 Prozent der Weltgetreideernte in die Produktion von Biokraftstoffen. Dieser Anteil schwankt jedoch je nach landwirtschaftlicher Kulturart. Rund 17 Prozent der Welternte an Mais wurde für die Treibstofferzeugung verwendet, sowie rund 16 Prozent der Welternte an Zuckerpflanzen (Zuckerrüben und Zuckerrohr).

Grundsätzlich gilt bei der Frage "Tank oder Teller?": Der Anbau von Nahrungsmitteln muss immer Vorrang haben vor dem Anbau von Energiepflanzen. Die Position der Bundesregierung ist hier eindeutig, denn die landwirtschaftlich nutzbare Fläche zur Produktion von Nahrungsmitteln ist weltweit begrenzt. Richtig ist aber auch: Hunger ist vor allem ein Armutsproblem. Es hat mit Verteilungsgerechtigkeit zu tun und bedeutet nicht, dass grundsätzlich zu wenig Nahrungsmittel produziert würden.

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