Extreme Wetterereignisse in der Land- und Forstwirtschaft – Was bringt die Zukunft, was ist zu tun?

Extreme Wetterlagen wie Hitze, Dürre, Sturm, Überschwemmungen, Hagel oder Frost können der Land- und Forstwirtschaft erheblichen Schaden zufügen. Während die langfristigen Auswirkungen des Klimawandels relativ gut erforscht sind, liegen für die ebenfalls durch den Klimawandel bedingte und von vielen Experten erwartete Zunahme von Extremwetterlagen dagegen kaum belastbare Erkenntnisse vor, schon gar nicht regional und nach Kulturarten differenziert.

Wird es im Zuge des Klimawandels in Deutschland zu einer Zunahme von Extremwetterlagen kommen und wie können Land- und Forstwirtschaft und Staat auf mögliche Entwicklungen reagieren? Dies ist die zentrale Fragestellung des vom BMEL in Auftrag gegebenen Forschungsvorhabens "Agrarrelevante Extremwetterlagen und Möglichkeiten von Risikomanagementsystemen". Das Projekt wurde unter Federführung des Thünen-Instituts zusammen mit dem Julius Kühn-Institut und dem Deutschen Wetterdienst sowie weiteren Projektbeteiligten bearbeitet.

Die wichtigsten Ergebnisse

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Agrarrelevante Extremwetterlagen und Möglichkeiten von Risikomanagementsystemen

Die Häufigkeit von Extremniederschlägen dürfte bis zum Jahr 2100 im Winter um etwa 50 bis 100 Prozent, im Sommer dagegen nur leicht zunehmen. Dieser Trend findet sich in den Beobachtungen des Deutschen Wetterdienstes für die Wintermonate zum Teil auch bereits wieder, für den Sommer lassen sich dagegen noch keine Änderungen feststellen.

Die weiteren Auswertungen für den Zeitraum von 1961 bis 2013 sowie die Ergebnisse aus den Klimamodellen bis zum Jahr 2100 zeigen unter anderem einen Anstieg extremer Hitzetage. Dieser Trend wird sich in der Zukunft fortsetzen. Ferner wurde in den letzten 20 Jahren eine Zunahme der Tage ohne Niederschlag im März und April sowie eine Zunahme trockener Tage im Sommer beobachtet. Während für die Frühjahrstrockenheit keine Aussagen zur zukünftigen Entwicklung vorliegen, soll extreme Sommertrockenheit zukünftig weiter zunehmen, so die Wissenschaftler. Zunehmende Hitze und Trockenheit wirkt sich vor allem auf die Ertragsbildung bei einigen Ackerkulturen, z. B. Weizen, aus. Im Wald ist die Fähigkeit zur Selbstverjüngung, d. h. Aufwuchs junger Bäume aus dem Samen alter Bäume, vor allem unter Fichte und Kiefer gefährdet. Bei einigen Extremwetterlagen, die insbesondere im Acker- und Sonderkulturanbau hohe Schäden verursachen, wie z. B. Hagel, Starkniederschläge und Spätfröste, besteht wegen fehlender Beobachtungsdaten bzw. nicht eindeutiger Wechselwirkungen weiterer Forschungsbedarf.

Empfehlungen der Wissenschaftler

Angesichts vielfältiger Anpassungsoptionen in der Land- und Forstwirtschaft besteht keine unmittelbare Notwendigkeit, Instrumente zum Risikomanagement, wie z.B. Versicherungen, verstärkt staatlich zu unterstützen.

Im Ackerbau wird zur Vermeidung von Schäden durch Hitzestress und Frühjahrstrockenheit eine Anpassung der Anbaustruktur, z. B. andere Sorten oder Kulturen, empfohlen und im Wald beugt in dürregefährdeten Gebieten ein Waldumbau von reinen Nadelwäldern in Laub- und Mischwälder Trockenschäden vor.

Herbst- und Winterorkane schädigen vor allem ältere Waldbestände. Hier vermindert die Verkürzung der Produktionszeiten und Verringerung von Erntedimensionen die Anfälligkeit.

Fazit

Die Ergebnisse bieten vielfältige Informationen und konkrete Handlungsempfehlungen. Das BMEL leistet mit dieser Studie einen wichtigen Beitrag, sich frühzeitig auf die erwarteten Veränderungen einzustellen und über geeignete Anpassungsmaßnahmen nachzudenken.

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