Landwirtschaft und Klimaschutz

Bis 2030 will Deutschland den Treibhausgasausstoß um mindestens 55 Prozent verringern. Dafür hat die Bundesregierung ein Klimaschutzgesetz auf den Weg gebracht. Das Gesetz sieht vor, die jährlichen Emissionen in der Landwirtschaft bis 2030 gegenüber 2014 um 14 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente zu reduzieren. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat ein Maßnahmen-Paket entwickelt, das sicherstellen soll, dieses Minderungsziel zu erreichen.

Die Schwerpunkte der Klimaschutzanstrengungen in der Landwirtschaft liegen zum einen darin, Emissionen zu mindern – und zum anderen darin, Ressourcen effizienter einzusetzen und damit nachhaltiger zu produzieren. Außerdem sollen die Kohlenstoffspeicherpotenziale der Land- und Forstwirtschaft gefördert werden.

Die Klimaschutzmaßnahmen im Einzelnen:

CO2-Ausstoß verbindlich senken

Am 9. Oktober 2019 hat das Kabinett das ausführliche Klimaschutzprogramm 2030 und das Bundes-Klimaschutzgesetz verabschiedet. Dem Gesetz hat nach dem Bundestag im November 2019 auch der Bundesrat zugestimmt.

Die Mitglieder des Klimakabinetts sitzen an einem Tisch zusammen Sitzung des Klimakabinetts am 20.09.2019
© Bundesregierung | Guido Bergmann

Weitere Informationen finden Sie auch auf der Themenseite Klimaschutz der Bundesregierung.

  1. Senkung der Stickstoffüberschüsse
  2. Energetische Nutzung von Wirtschaftsdüngern
  3. Ausbau des Ökolandbaus
  4. Emissionsminderungen in der Tierhaltung
  5. Erhöhung der Energieeffizienz
  6. Humuserhalt und Humusaufbau im Ackerland
  7. Erhalt von Dauergrünland
  8. Schutz von Moorböden/Reduktion von Torfeinsatz in Kultursubstraten
  9. Erhalt und nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder und Holzverwendung
  10. Vermeidung von Lebensmittelabfällen

Weitere Informationen zu den Klimaschutzmaßnahmen und ihrem Minderungspotenzial finden Sie hier. Von diesen Grundsätzen ließ sich das BMEL bei der Ausarbeitung leiten:

  • Keine Produktionseinschränkung und wettbewerbliche Benachteiligung für die Land- und Forstwirtschaft in Deutschland.
  • Nutzung von Synergien zwischen Klimaschutz und Klimaanpassung sowie Ressourceneffizienz.
  • Anknüpfung an bereits beschlossene Prozesse (Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, Ackerbaustrategie, Luftreinhaltung, Charta für Holz 2.0).
  • Digitale Technologien und Präzisionslandwirtschaft werden helfen, Emissionen zu mindern.

Zahlen & Fakten zur Entwicklung der Emissionen in der Landwirtschaft

Um 18 Mio. t CO2-Äq. sanken zwischen 1990 und 2018 die jährlichen Emissionen aus der Landwirtschaft.

Um weitere 1 - 2 Mio. t werden sie voraussichtlich bis 2020 sinken.

Über 20 Prozent Reduzierung gegenüber 1990 entspricht dies.

Land- und Forstwirtschaft sind Klimaschützer und vom Klimawandel betroffen

64 Mio. (≈ 7 %)* Treibhausgase stößt die Landwirtschaft als Branche aus. © Quelle: Umweltbundesamt. Zur Vergleichbarkeit wird der Ausstoß in CO2-Äquivalente umgerechnet.  *Emissionen in der Quellgruppe Landwirtschaft

Zwischen Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, Ernährungssicherung und Produktion nachwachsender Rohstoffe einschließlich Holz bestehen enge Wechselwirkungen. Land- und Forstwirtschaft sind vom Klimawandel betroffen – und gleichzeitig ein wichtiger Teil der Lösung. Ganz ohne Emissionen ist die Produktion von Lebensmitteln und nachwachsenden Rohstoffen nicht möglich. Ziel ist aber, den Ausstoß zu reduzieren, wo immer es möglich ist. Das BMEL fördert beispielsweise Forschungsprojekte zu dem Thema.

Als Folge des Klimawandels werden Extremwetterereignisse zunehmen, die Dürre im Jahr 2018 ist ein Beispiel dafür. Das BMEL will der Land- und Forstwirtschaft helfen, sich darauf besser einzustellen. Dazu wurde eine Agenda zur Anpassung von Land- und Forstwirtschaft an den Klimawandel erarbeitet.

 

Ausstoß von Treibhausgasen in Deutschland nach Branche

  • Energiesektor: 299 Mio. (≈ 34 %)
  • Industrie: 196 Mio. (≈ 23 %)
  • Verkehr: 163 Mio. (≈19 %)
  • Haushalte: 82 Mio. (≈ 9 %)
  • Landwirtschaft: 64 Mio. (≈ 7 %)*
  • Abfall und sonstige Emission: 55 Mio. (≈ 6 %)

In der Landwirtschaft sind vor allem die Treibhausgase Lachgas und Methan relevant. Zur Vergleichbarkeit wird der Ausstoß in CO2-Äquivalente umgerechnet. *Emissionen in der Quellgruppe Landwirtschaft

(Quelle: Umweltbundesamt)

Wald und Forstwirtschaft

Wald und Forstwirtschaft sowie Verwendung von Holz in langlebigen Produkten binden klimawirksam CO2. Die besondere Bedeutung des Waldes und der nachhaltigen Forstwirtschaft für den Klimaschutz ergibt sich aus der Höhe des Minderungspotenzials. Allein der jährliche Beitrag der deutschen Forstwirtschaft und der Holzverwendung zur Minderung von Treibhausgasen beträgt gegenwärtig durchschnittlich 127 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Ohne diesen Beitrag wären die Gesamtemissionen Deutschlands – bezogen auf das Jahr 2014 – um 14 Prozent höher.

Der Wald speichert Kohlenstoff – und diese positive Klimawirkung ist bei nachhaltig bewirtschaftetem Wald stärker. Ebenfalls positiv: die Verwendung des geernteten Holzes im stofflichen und energetischen Bereich. Dadurch wird zusätzlicher Kohlenstoff gespeichert, und die Emissionen lassen sich senken. Denn die Holzverarbeitung und -verbrennung ist im Vergleich zu anderen Produkten umweltfreundlicher.

Angesichts der aktuellen dramatischen Schäden im Wald ist es eine vordringliche Aufgabe, die Waldschäden zu bewältigen. Bis 2030 sind die Wälder zudem effektiver an den Klimawandel anzupassen. Andernfalls ist der große Beitrag der Wälder zum Klimaschutz nicht zu halten und die gesetzten Klimaziele sind gefährdet.

Boden

Emissionen aus der Landwirtschaft

Die Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft bestehen aus Lachgas und Methan, die aus natürlichen Prozessen im Boden, bei der Verdauung in der Tierhaltung und der Lagerung von Mist und Gülle entstehen. Diese Gase sind deutlich klimawirksamer als Kohlendioxid, das bei der Verbrennung fossiler Energieträger freigesetzt wird. Die Höhe der Emissionen und Reduktionen wird in Tonnen von CO2-Äquivalenten angegeben.

Ebenso bedeutsam ist der Beitrag der landwirtschaftlichen Landnutzung zum Klimaschutz. Um die Wirkung genau einschätzen zu können, gab das BMEL erstmalig eine deutschlandweite Inventur der organischen Kohlenstoffvorräte in landwirtschaftlich genutzten Böden in Auftrag. Diese Bodenzustandserhebung Landwirtschaft wurde vom Thünen-Institut durchgeführt. Der Boden ist demnach der zweitgrößte Kohlenstoffspeicher nach den Ozeanen. Mehr als zwei Milliarden Tonnen Kohlenstoff sind in den landwirtschaftlichen Böden Deutschlands gespeichert.

Der Boden wird aber auch zu einer Quelle für Emissionen, beispielsweise wenn Grünland in Ackerland umgewandelt wird oder entwässerte Moorböden landwirtschaftlich genutzt werden und damit eine Torfzersetzung einhergeht.

Lebensmittelverschwendung

Auch unser Konsumverhalten bestimmt die Höhe der Treibhausgasemissionen aus Landwirtschaft und Ernährung. Die Herstellung von Lebensmitteln beansprucht wertvolle Ressourcen wie Boden, Wasser, Energie, Treibstoff und Arbeitskraft und ist mit dem Ausstoß von Treibhausgasen verbunden. Immer noch landen zu viele Lebensmittel im Abfall. Lebensmittelabfälle entstehen an jedem Punkt der Wertschöpfungskette, in Deutschland rund elf Millionen Tonnen im Jahr.

Das BMEL will bis zum Jahr 2030 die Menge der Lebensmittelabfälle halbieren. Das Bundeskabinett beschloss im Februar 2019 dazu die Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung. Laut Gutachten der wissenschaftlichen Beiräte für Ernährungs-, Agrar- und Waldpolitik des BMEL ließen sich mit einer Halbierung der Lebensmittelabfälle sechs Millionen Tonnen CO2-Äquivalente an Treibhausgas-Emissionen in Deutschland einsparen. Mit der Initiative „Zu gut für die Tonne“ macht das BMEL auf unnötige Lebensmittelverschwendung aufmerksam und gibt Tipps zur Vermeidung.

Nachwachsende Rohstoffe aus der Landwirtschaft

Die energetische Nutzung nachwachsender Rohstoffe aus der Landwirtschaft in Form von Biokraftstoffen oder Biogas ersetzt fossile Energieträger. Den vermiedenen Emissionen aus der Nutzung fossiler Energie stehen Emissionen aus der Produktion der Bioenergieträger gegenüber. Mit dem Einsatz von Bioenergie aus landwirtschaftlich erzeugten, nachwachsenden Rohstoffen werden – unter Berücksichtigung der Emissionen aus der Bioenergieproduktion – in Deutschland netto mehr als 15 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr eingespart.

Für eine maximale Klimaschutzwirkung ist es wichtig, eine nachhaltige und emissionsarme Produktion der Energiepflanzen sicherzustellen. Insbesondere ist zu vermeiden, dass es wegen der Nutzung von Bioenergie zu erhöhten Emissionen aus Landnutzungsänderungen kommt, etwa zu einer Umwandlung von Grünland in Ackerland oder bei Importen aus der Rodung von Tropenwäldern.

Grafik zur Einordnung des Ausstoß an Treibhausgasen in unterschiedlichen Branchen Grafik Dicke Luft
Im Vergleich: Treibhausgasausstoß unterschiedlicher Industriezweige © BMEL/ Ole Häntzschel

Erschienen am im Format Basistext

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