Erntebericht 2018

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat am 24. August den Erntebericht 2018 vorgelegt. Er liefert einen Überblick über die Ertragsaussichten für wichtige pflanzliche Erzeugnisse in Deutschland und über deren Marktsituation.

Auf den Punkt gebracht sind die diesjährigen Ernteergebnisse sowohl bei Getreide als auch bei Raps weit unterdurchschnittlich. Davon heben sich die Ernteerwartungen bei Obst und Wein positiv ab. Sie fallen in diesem Jahr deutlich besser aus als im Vorjahr, das durch Frostschäden gekennzeichnet war.

Kennzeichnend für die Vegetationsbedingungen waren erneut zahlreiche Wetterextreme. Diese stellten die Landwirte vor große ackerbauliche Herausforderungen. Sie führten besonders im Ackerbau und in der Futtererzeugung zu erheblichen Ertragseinbußen.

In Norddeutschland fielen in der zweiten Jahreshälfte 2017 überdurchschnittlich hohe Niederschlagsmengen. Die Folge: Die Ernte der spät räumenden Ackerkulturen (wie Mais, Zuckerrüben, späte Kartoffelsorten) erfolgte unter erschwerten Bedingungen; die Herbstbestellung mit Raps und Wintergetreide war vielfach unmöglich. Dies führte notgedrungen zu einer starken Ausweitung des Anbaus von ertragsschwächeren Sommergetreidearten.

Seit April kennzeichnen hohe Temperaturen und Wassermangel die Vegetationsbedingungen. Dies hat sich in einem ungewöhnlich frühen Erntebeginn und schlechten Ernteergebnissen sowohl bei den Ackerkulturen als auch auf den Futterflächen niedergeschlagen.

Dürrejahre im Vergleich

Vielfach wird das Erntejahr 2018 mit früheren Dürrejahren verglichen. 2003 etwa hatte sich der Bund ebenfalls an Hilfen für die Landwirtschaft beteiligt. Ein Vergleich der Getreideernten beider Jahre zeigt: Die Erntemenge 2018 fällt kleiner aus als 2003. Die Flächenerträge bei manchen Getreidekulturen liegen jedoch über denen von 2003. Dieser scheinbare Widerspruch erklärt sich durch eine geringere Anbaufläche im Jahr 2018 und veränderte Anbauverhältnisse zwischen Winter- und Sommergetreide. In der Entwicklung der Hektarerträge der einzelnen Getreidearten kommt der züchterische Fortschritt der vergangenen 15 Jahre zum Ausdruck; ohne die widrigen Witterungsbedingungen in der Vegetationsperiode 2017/2018 wären die Flächenerträge sehr viel höher ausgefallen.

Nachfolgend die Ergebnisse im Überblick.

Niedrigste Getreideernte seit 1994

Die Erntedaten für Getreide und Raps basieren auf tatsächlichen Mähdruschergebnissen; sie sind jedoch noch vorläufig, da noch nicht alle Ergebnisse ausgewertet sind. Es ergibt sich folgendes Bild:

Die deutsche Getreideernte (ohne Körnermais) 2018 wird insgesamt etwa 34,5 Millionen Tonnen erreichen. Gegenüber dem Vorjahr beträgt der Rückgang rund 16 Prozent, im Vergleich zum dreijährigen Durchschnitt (2015-17) knapp 19 Prozent.

Regional fallen die Ergebnisse sehr unterschiedlich aus. Sie spiegeln das Ausmaß der Betroffenheit von widrigen Witterungsbedingungen sowie die veränderten Anbauflächen bei den Ackerkulturen deutlich wider.

Mehr Sommergetreide kann Rückgang bei Wintergetreide nicht kompensieren

Die Anbaufläche von Sommergetreide (Sommerweizen, Sommergerste und Hafer) stieg im Vergleich zum Vorjahr um 37,3 Prozent, während bei allen Wintergetreidearten die Anbauflächen rückläufig waren (Winterweizen -7,6 Prozent, Triticale -7,5 Prozent, Roggen -2,7 Prozent, Wintergerste -0,7 Prozent). Das geringere Ertragsniveau der Sommergetreidearten im Vergleich zum Wintergetreide trug damit ebenfalls zu dem außergewöhnlich niedrigen Ertragsniveau bei.

Die Erntemengen des Jahres 2018 werden das jeweilige Vorjahresergebnis voraussichtlich wie folgt unterschreiten: bei Winterweizen um 19,1 Prozent, bei Roggen um 19,5 Prozent, bei Wintergerste um 17,9 Prozent und bei Triticale um 16,5 Prozent. Dagegen dürften mehr als doppelt so viel Sommerweizen und 21 Prozent mehr Sommergerste als im Vorjahr geerntet worden sein.

Rapsernte auf dem Niveau von 2003

Die bundesdeutsche Rapsernte wird 2018 nur 3,6 Millionen Tonnen erreichen. Dies bedeutet einen Rückgang um 14,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und um 21,0 Prozent gegenüber dem Mittel der vergangenen drei Jahre.

Sojabohnenanbau weiter auf Wachstumskurs

Nach einer mehrjährigen Ausweitung des Anbaus von Hülsenfrüchten zur Körnergewinnung (einschließlich Sojabohnen) ging die Fläche in diesem Jahr um 3,0 Prozent zurück auf nunmehr 191 400 Hektar. Der Sojabohnenanbau hingegen wuchs erneut kräftig auf inzwischen 23 900 Hektar, gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent.

Kartoffeln leiden unter Hitzestress und Wassermangel

Da die Haupternte bei Kartoffeln erst angelaufen ist, wird das vorläufige Ergebnis der Kartoffelernte erst Ende September festgestellt werden. Die lang anhaltende Hitze und Trockenheit haben bei den mittleren und späten Kartoffelsorten vielfach bereits zu irreversiblen Mengen- und Qualitätseinbußen geführt. Wie groß die Haupterntemenge ausfallen wird, wird entscheidend davon abhängen, ob in nächster Zeit noch ausreichend Regen fällt. Die hohen Flächenerträge des Vorjahres werden jedoch keinesfalls erreicht.

Spargelernte zufriedenstellend

Spargel bleibt auch 2018 mit rund 23 100 Hektar im Ertrag stehender Anbaufläche, die flächenmäßig wichtigste Einzelkultur im Gemüseanbau. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anbaufläche damit fast unverändert; im dreijährigen Vergleich ergibt sich eine Zunahme um knapp 5 Prozent.

Die Erntemenge fällt nach vorläufigen Ergebnissen mit 129 600 Tonnen nur wenig (1,0 Prozent) geringer aus als im Vorjahr und übersteigt den Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2017 um 6,7 Prozent.

Obsternte deutlich besser als im Vorjahr, jedoch keine Rekordernten

Bei allen Baumobstarten wird das äußerst schlechte Vorjahresergebnis deutlich übertroffen. Hinsichtlich der Apfelernte im Erwerbsanbau haben sich die Ertragserwartungen zuletzt etwas eingetrübt: Die Trockenheit hat zu kleineren Früchten geführt. Zudem zeichnen sich aufgrund der intensiven Sonneneinstrahlung hohe Zucker- und geringe Säurewerte ab – es werden also sehr süße Äpfel geerntet werden.

Bei Erdbeeren und empfindlichen Beerenarten hält der Trend an, dass der Freilandanbau zurückgeht und vermehrt in Folientunneln produziert wird.

Ernteaussichten beim Silomais regional sehr unterschiedlich

Auch im Ackerfutterbau hat die Trockenheit deutliche Spuren hinterlassen. Der Silomais, der eine wichtige Futtergrundlage insbesondere für Milchvieh- und Rindermastbetriebe darstellt, entwickelte sich regional sehr unterschiedlich. Die Spanne reicht von Totalausfällen bis hin zu Vorzeigebeständen. Die Silomaisernte setzte witterungsbedingt ebenfalls sehr früh ein und ist in einigen Gebieten schon fast abgeschlossen. Es zeichnet sich zudem ab, dass ein Teil der Maisflächen, die als Körnermais vorgesehen waren, vorzeitig als Silomais geerntet wird.

Auf dem Grünland teilweise Totalausfall

Auf dem Grünland konnte in vielen Regionen nur der erste Schnitt mengenmäßig zufrieden stellen. Danach war der Aufwuchs vielerorts nur noch mäßig. Inzwischen ist der Wassermangel vereinzelt so gravierend, dass eine Nach- oder Neuansaat des Grünlandes erforderlich ist. Als Folge der ungünstigen Witterungsbedingungen bestehen insbesondere für rinder- und schafhaltende Betriebe vielfach große Probleme bei der Grundfutterversorgung.

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