Moorböden

Moorböden sind neben Ozeanen und Wäldern ein enormer Kohlenstoffspeicher und bestehen aus Überresten torfbildender Pflanzen wie Torfmoose, Seggen und Schilf.

Diese Pflanzenreste wurden über Jahrtausende unter sehr nassen Bedingungen und damit nahezu unter Sauerstoffabschluss abgelagert. Dadurch entzogen Moore der Atmosphäre Kohlendioxid und wirkten somit kühlend auf das Klima. Neben der Festlegung von Kohlenstoff erbringen intakte Moore weitere Ökosystemleistungen wie den Rückhalt von Nährstoffen und bieten Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten. Diese Ökosystemleistungen, deren Erfassung und Bewertung werden beispielsweise auf dem Infoportal "Moorschutz in Deutschland" beschrieben.

Querschnitt durch den Moorboden Moorboden
Bodenprofil eines entwässerten Niedermoorstandortes (Erdniedermoor) © B. Schemschat, Thünen-Institut, Braunschweig

Zur land- und forstwirtschaftlichen Nutzung werden Moore entwässert. Dadurch gelangt Sauerstoff in den Torf, was die mikrobielle Umsetzung stark beschleunigt und zu einem Abbau der organischen Substanz führt. Dabei werden erhebliche Mengen an Kohlendioxid und teilweise auch an Lachgas freigesetzt. Zusammen mit der Verdichtung der Torfe führt dies zur Sackung der Moorbodenoberfläche: Während ungestörte Moore ungefähr einen Millimeter pro Jahr wachsen, verlieren entwässerte Moore ca. 0,5 bis 5 cm Höhe pro Jahr.

Im nationalen Treibhausgasinventar sind die entwässerten Moore in den Sektoren Landwirtschaft und Landnutzung für ungefähr 40 Prozent der Emissionen verantwortlich. Dies sind ungefähr 5 Prozent der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen auf nur 5 Prozent der deutschen Landflächen. Da in Deutschland etwa 90 Prozent der Moorböden land- und forstwirtschaftlich genutzt werden - zum größten Teil als Grünland - ergibt sich daraus ein sehr hohes Potenzial für Minderungsmaßnahmen.

Die Treibhausgasemissionen können beispielsweise mit der Haubenmethode oder mit mikrometeorologischen Methoden gemessen werden. Dabei wird die Netto-Bilanz der Emissionen festgestellt, d. h. die Aufnahme von Kohlendioxid durch die Pflanzen via Fotosynthese wird in die Bilanz mit einbezogen. Solche Messungen wurden beispielsweise im Projekt "Organische Böden in der Emissionsberichterstattung" in 13 Mooren an mehr als 100 verschiedenen Messvarianten in Deutschland durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen eine sehr große Variabilität in den Emissionen; gemeinsam ist aber allen Standorten, dass höhere Grundwasserstände mit niedrigeren Kohlendioxidemissionen einhergehen. Auch sehr stark degradierte "Moorfolgeböden", mit einem vergleichsweise geringen Anteil an organischem Kohlenstoff, emittieren immer noch große Mengen an Kohlendioxid.

Abendstimmung - zwei Personen mit Geräten auf dem Feld, im Hintergrund Sonnenuntergang Treibhausgasmessung mit der Haubenmethode
Messung von Treibhausgasemissionen. Mit der Haubenmethode wird in regelmäßigen Abständen der Tagesgang der Kohlendioxidflüsse erfasst © B. Tiemeyer

Eine komplette Wiedervernässung kann zu einer neuerlichen Kohlenstoffspeicherung führen. Auch bei landwirtschaftlicher Nutzung gibt es Möglichkeiten, die Emissionen zu verringern: Beispielsweise haben Versuche auf Grünlandflächen in den Niederlanden gezeigt, dass eine Kombination von Unterflurbewässerung – höhere Grundwasserstände im Sommer – und gesteuerter Dränung – niedrigere Wasserstände im Frühjahr und damit verbesserte Befahrbarkeit – bei gleichem Ertrag die Sackung der Moorböden halbieren konnte.

Passfoto von Bärbel Tiemeyer (TI) Bärbel Tiemeyer (TI)
Bärbel Tiemeyer © M. Bechtold, Thünen-Institut

Für die Zukunft stellt sich die Frage, ob und wie organische Böden genutzt und gemanagt werden sollen. Hierbei müssen Produktionsfunktionen und Ökosystemleistungen datengestützt und standortbezogen  abgewogen und - auch im Vergleich mit anderen Klimaschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft - beurteilt werden.

Ein Beitrag von Bärbel Tiemeyer, Thünen-Institut, Braunschweig.

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