Torfverwendung reduzieren - Klima schützen

Der Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung sieht Maßnahmen vor, die Verwendung von Torf zu reduzieren. Denn: Torf ist ein fossiler Rohstoff, in dem in vielen Jahrhunderten und Jahrtausenden viel Kohlenstoff gebunden wurde. Wird der fossile Rohstoff Torf genutzt, setzt er bei seinem nachfolgenden Abbau CO₂ frei.

Welche Maßnahmen sind geplant?

Damit die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre nicht noch weiter steigt, führt der Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung folgende Maßnahmen mit Blick auf den Torfeinsatz in Deutschland auf:

  • Der Einsatz von Torfen im Hobbygartenbau sowie im Garten- und Landschaftsbau kann durch Beratungs- und Informationsmaßnahmen soll stark vermindert werden.
  • Die Bundesregierung wird Vorgaben der Verwendung von Torfersatzstoffen in den Vergaberichtlinien für öffentliche Aufträge im Garten- und Landschaftsbau umsetzen.
  • Die Bundesregierung stößt Beratungs- und Informationsmaßnahmen zur Nutzung von Torfersatzstoffen im Gartenbau an.
  • Die Bundesregierung unterstützt Forschungsvorhaben zu Torfersatzstoffen und weitet die Beratungs- und Informationsmaßnahmen aus.

Wie viel Torf wird in Deutschland genutzt?

Aus der amtlichen Statistik liegen keine verwertbaren Zahlen zur Torfgewinnung und zum Torfeinsatz in Deutschland vor. Daher können nur Zahlen des Industrieverbandes Garten e.V. (IVG) dargestellt werden: Der überwiegende Teil des deutschen Torfs kommt aus Niedersachen. Aktuell werden dort auf rund 10.000 Hektar jährlich etwa 8 Millionen Kubikmeter Torf abgebaut; 3,7 Millionen Kubikmeter torfbasierte Rohstoffe und Substrate werden importiert. Bis 2032 wird die verfügbare Abbaumenge in Niedersachsen voraussichtlich auf unter eine Millionen Kubikmeter Torf sinken.

Andere Rohstoffe mit bedeutenden Anteilen an der Substratherstellung sind Kompost (750.000 Kubikmeter), Holzfasern (500.000 Kubikmeter), Rinde bzw. Rindenhumus (300.000 Kubikmeter) und Kokos (100.000 Kubikmeter). Sie tragen zusammen 26 Prozent zur Substratherstellung bei.

Wo kommen Substrate zum Einsatz?

Circa 52 Prozent der Produkte der deutschen Substratindustrie
(etwa 4 Millionen Kubikmeter)
sind Kultursubstrate für den Erwerbsgartenbau

Circa 52 Prozent der Produkte der deutschen Substratindustrie (etwa 4 Millionen Kubikmeter) sind Kultursubstrate für den Erwerbsgartenbau, 48 Prozent (etwa 3,7 Millionen Kubikmeter) sind Blumenerden für den Hobbygärtner. Bei den Kultursubstraten für den Erwerbsgartenbau haben andere Ausgangsstoffe als Torf nach Angaben der substratherstellenden Industrie einen Anteil von nur 10 Prozent, bei den Blumenerden für den Hobbybereich einen Anteil von 30 Prozent. 60 Prozent der Kultursubstrate und 16 Prozent der Blumenerden gehen in den Export in 86 Staaten.

Welchen Beitrag leistet die Wissenschaft?

Wissenschaftler forschen seit mehr als 30 Jahren an Stoffen, die Torf ersetzen oder seinen Anteil reduzieren können. Die heute erhältlichen Torfersatzstoffe reichen in der Hobbygärtnerei aus, um den Einsatz von Torf vollständig oder größtenteils zu ersetzen.

Im professionellen Zierpflanzen- und Gemüsebau hingegen zögern die Gärtner bislang, Substrate mit Torfersatzstoffen in größerem Umfang zu verwenden. Dies liegt insbesondere daran, dass die Produktion schwieriger wird und die Betriebe durch den Einsatz torfreduzierter Substrate höhere Produktionskosten im Vergleich zur Verwendung der herkömmlichen torfbasierten Substrate erwarten. Diese ergeben sich aus höheren Substratkosten sowie einem abweichenden Bedarf an Bewässerung, Düngung und Pflanzenschutz. Zudem gehen die Praxisbetriebe von einem höheren Kulturrisiko aus.

Wie setzt sich das BMEL für eine Reduzierung der Torfverwendung ein?

Projekte zur alternativen Nutzung von degenerierten Hochmoorflächen

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat im Rahmen des Förderprogramms Nachwachsende Rohstoffe bereits seit 2004 Projekte zur alternativen Nutzung von degenerierten Hochmoorflächen gefördert. Dabei wurde erforscht, wie ein ökonomisch und ökologisch sinnvoller Anbau von Torfmoosen auf wiedervernässten Moorflächen als nachwachsender Rohstoff zur Produktion von Kultursubstraten ermöglicht werden kann.

Modell- und Demonstrationsvorhaben "Einsatz torfreduzierter Substrate im Zierpflanzenbau"

Um den großflächigen Einsatz torfreduzierter Substrate im Zierpflanzenbau zu ermöglichen und regionale Lösungskonzepte aufzuzeigen, fördert die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Auftrag des BMEL ein entsprechendes Modell- und Demonstrationsvorhaben. Die Gesamtkoordination des Verbundes hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Ahlem inne. Die Laufzeit ist vom 01.04.2019 bis 31.03.2023.

Das Vorhaben wird modellhaft in fünf für den deutschen Zierpflanzenbau bedeutenden Regionen – sogenannten Modellregionen – durchgeführt. In jeder Region werden drei bis fünf Demonstrationsbetriebe im Zierpflanzenbau bei der Umstellung einzelner Kulturen auf torfreduzierte Substrate durch regionale Koordinatoren intensiv begleitet. Im Zentrum des Vorhabens steht ein intensiver Wissenstransfer, um die Erkenntnisse und Ergebnisse aus dem Vorhaben einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, sie zu sensibilisieren und möglichst viele Betriebe von einer Reduktion des Torfanteils im Pflanzsubstrat zu überzeugen.

Bekanntmachung über die Förderung von Innovationen zur Minderung der Torfanteile in Kultursubstraten

Das BMEL fördert außerdem die Entwicklung von Alternativen zur Torfverwendung in Kultursubstraten. Bei den beteiligten Projektträgern Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (ptble) und Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) wurden Ende Juni 2019 insgesamt 32 Skizzen mit Gesamtkosten von 27,5 Millionen Euro und einem Förderbedarf von 23 Millionen Euro fristgerecht eingereicht.

Mehrere Projektskizzen verfolgen den Ansatz, Reststoffe aus Land- und Forstwirtschaft, Grünschnitt oder organisches Material aus Gewässern auf ihre Eignung als Torfersatz zu prüfen. Dazu soll beispielsweise auch untersucht werden, ob mineralische Zuschlagstoffe oder Mikroorganismen die pflanzenbauliche Eignung von Torfersatzstoffen verbessern. Andere Ansätze verfolgen das Ziel, nachwachsende Rohstoffe wie Holz als Substratgrundlage optimal aufzubereiten. Außerdem soll überprüft werden, wie man den Ansprüchen von Verbraucherinnen und Verbrauchern gerecht werden kann, so dass torffrei angebaute Pflanzen in Privathaushalten möglichst lange Freude bereiten.

Im nächsten Schritt erfolgt die fachliche Bewertung der Skizzen in der BLE und der FNR. Bei förderwürdigen Skizzen folgt dann die Antragsaufforderung und -prüfung mit dem Ziel, erste Projekte zu Beginn des Jahres 2020 zu starten.

Forschungsvorhaben zur Torfreduktion bei der Gemüsejungpflanzenanzucht

Darüber hinaus läuft seit 2017 ein BMEL-gefördertes Forschungsvorhaben zur Torfreduktion bei der Gemüsejungpflanzenanzucht, an das sich ein Modellvorhaben zur Praxiseinführung anschließen soll. Darin wird das Ziel formuliert, ein Presstopfsubstrat für die konventionelle Produktion zu entwickeln, welches gegenüber derzeitigen Substraten um 20 bis 30 Prozent im Schwarztorfanteil reduziert ist. Im ökologischen Bereich sind es 30 bis 40 Prozent Schwarztorf, die eingespart würden. Im Rahmen des Projektes konnte bisher gezeigt werden, dass torfreduzierte Substrate pressbar und pflanzbar sind und der Weiteranbau auf dem Feld bis zur Ernte gelingen kann, auch wenn die Stickstoff-Immobilisierung, die Stabilität der Presstöpfen und die Wasserversorgung während der Jungpflanzenanzucht immer noch Probleme bereiten.

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