Rinder

Etwa die Hälfte aller Landwirte in Deutschland hält Rinder, um Milch, Fleisch oder beides zu erzeugen. Damit sind Rinder ökonomisch gesehen die wichtigsten Nutztiere der deutschen Landwirtschaft. Während die Zahl der Rinderhalter sinkt, steigen die Herdengrößen: Über zwei Drittel der Rinder leben in Betrieben, die mindestens 100 Tiere halten.

Wie werden Rinder gehalten?

In Deutschland leben vier von fünf Rindern in Laufställen, in denen sie sich relativ frei bewegen können. Die Ausgestaltung dieser Ställe variiert erheblich. Die Spannbreite reicht von Ställen, deren Boden komplett aus Betonspalten besteht (meist Rindermastbetriebe), bis hin zu großzügig bemessenen Boxenlaufställen, in denen jeder Milchkuh eine mit Einstreu (zum Beispiel Stroh) gepolsterte Ruhezone zur Verfügung steht.

Eckdaten zur Rinderhaltung in Deutschland

Rinderhaltung in Deutschland

Bestand: ca. 12,5 Millionen,
davon 4,2 Millionen Milchkühe

Betriebe mit Rinderhaltung:
ca. 163.000

Jährlich geschlachtete Tiere:
3,7 Millionen

Jährliche Produktion:
ca. 1,2 Millionen Tonnen Fleisch
ca. 30 Millionen Tonnen Milch
davon aus ökologischer Erzeugung:
Fleisch: ca. 4 Prozent
Milch: ca. 2 Prozent

(Stand: 31.08.2014)

Daneben ist, insbesondere auf kleineren Höfen, noch die Anbindehaltung anzutreffen: Hier stehen die Tiere angebunden in Reihen nebeneinander und können lediglich aufstehen oder sich hinlegen. Etwa jedes fünfte Rind wird in Deutschland so gehalten. Unabhängig von der Haltungsform im Stall hat etwas mehr als jedes dritte Rind im Sommer regelmäßigen Weidegang, im Durchschnitt etwa ein halbes Jahr lang. Das Weiden von Kühen leistet einen wichtigen Beitrag für die Pflege des Grünlands.

Welche ökonomische Bedeutung hat die Rinderhaltung?

Deutschland ist der größte Milcherzeuger der Europäischen Union (EU) und nach Frankreich der zweitgrößte Erzeuger von Rind- und Kalbfleisch. Etwa jeden vierten Euro erwirtschaften die deutschen Landwirte mit der Milch und dem Fleisch der Rinder - 2013 summierte sich der Produktionswert auf 15 Milliarden Euro. Fast drei Viertel davon, mehr als elf Milliarden Euro, entfallen auf die Milch. Diese wird fast vollständig in heimischen Molkereien zu Trinkmilch, Butter, Joghurt, Käse und anderen Milchprodukten weiterverarbeitet. Knapp die Hälfte dieser Milchprodukte wird exportiert, davon 84 Prozent in Länder der EU. Wichtige Drittlandmärkte sind Russland, USA und China.

Wie verläuft ein Rinderleben?

Damit Milchkühe überhaupt Milch geben, müssen sie regelmäßig ein Kalb auf die Welt bringen. Die weiblichen Kälber dienen meist als Nachwuchs für die Milchviehherde, die männlichen werden gemästet. Weibliche Tiere werden mit 18 bis 24 Monaten zum ersten Mal besamt - fast immer künstlich. Hauptgrund für die künstliche Besamung ist die Möglichkeit, die Übertragung von sog. Deckseuchen zu vermeiden und um bessere Zuchtergebnisse zu erzielen. Nach gut neun Monaten kommt das Kalb zur Welt und die Kuh geht in die Milchkuhherde. Das Kalb wird von der Mutter getrennt und wächst zunächst in einer Kälberbox, vorzugsweise in einem Kälberiglu mit Auslauf auf. Spätestens ab der achten Woche lebt es gemeinsam mit anderen Jungtieren in der Gruppe. Mastrinder haben nach eineinhalb bis zwei Jahren ihr Schlachtgewicht erreicht. Milchkühe werden meist im Alter von fünfeinhalb Jahren geschlachtet. Als besonders tiergerechte Art der Fleischrindhaltung gilt die Mutterkuhhaltung, bei der die Mutterkuh und ihr Kalb in der Regel sechs bis neun Monate zusammenbleiben. Diese Kühe werden nicht gemolken. Rinder in Mutterkuhhaltung können meist viel Zeit auf der Weide verbringen.

Wie sieht ein moderner Milchviehstall aus?

Die Grafik zeigt einen Milchviehstall mit Laufflächen, Liegeboxen, Futterplätzen, Tränke und Melkroboter Moderner Milchviehstall
Wie ein moderner Milchviehstall aussieht, zeigt diese Grafik. Beim Vergrößern der Grafik öffnet sich die Original-Ansicht © Broschüre Landwirtschaft verstehen / BMEL

Laufflächen (A)

Rinder sind Herdentiere. Gänge im Stall geben ihnen Bewegungsfreiheit. Der Boden ist meist planbefestigt. Die Exkremente werden mit einem Schieber regelmäßig entfernt. Manchmal ist der Boden auch perforiert, damit Exkremente durchgetreten werden können.

Liegebox (B), Futterplätze (C) und Tränke (D)

Einen Großteil der Zeit verbringen Rinder mit Fressen, Ruhen oder Wiederkäuen. Der Stall bietet dafür freizugängliche Futterplätze, Tränken und Liegeboxen, die mit Einstreu wie Stroh ausgepolstert sind. Da Rinder als Wiederkäuer Futterrationen mit einem Mindestgehalt an Rohfaser benötigen, sind Gras- und Maissilage wichtige Bestandteile des Grundfutters. Das Kraftfutter ist heute meistens Bestandteil einer totalen Mischration (TMR), bei der es mit dem Grundfutter bereits vermischt ist. Tränken sind optimal in der Nähe des Melkbereichs angeordnet, da die Kühe nach dem Melken den größten Durst haben.

Melkroboter (E)

In modernen Ställen werden die Tiere oft von einem Melkroboter gemolken. Die Tiere können selbst wählen, wann und wie oft sie zum Melken gehen wollen. Auch der Landwirt ist nicht mehr an feste Melkzeiten gebunden und in seiner Arbeit flexibler. Im Melkroboter kann auch Kraftfutter als Lockfutter angeboten werden.

Außenbereich (F)

Fallweise haben die Tiere zusätzlich die Möglichkeit, ins Freie zu gehen – zum Beispiel auf einen Laufhof oder auf die Weide. Hier können sie ihre arttypischen Bedürfnisse nach Bewegung am besten befriedigen.

Erschienen am im Format Basistext

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