"Virtueller Stall der Zukunft" – Forschungsergebnisse präsentiert

Mehr Platz und Bewegungsfreiheit für die Tiere und eine transparentere Produktion – das sind zwei der Ergebnisse eines vom BMEL geförderten Forschungsvorhabens zum „Stall der Zukunft“. Es wurde am 27. Mai im BMEL in Berlin vorgestellt. Deutlich wurde dabei: Den einen Stall der Zukunft gibt es nicht. Und: Ein Umsetzen der Konzepte ginge für die Landwirte mit erheblichen Mehrkosten einher.

Eine zentrale Voraussetzung für die Zukunft der Nutztierhaltung ist die Akzeptanz in unserer Gesellschaft. Diese wird nur erreicht, wenn einerseits ein gewisses Grundverständnis der Bevölkerung für die Belange der Landwirtschaft besteht und andererseits die Landwirtschaft in einer nachhaltigen Weise wirtschaftet, die von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt wird.

Eine ausreichende und günstige Lebensmittelversorgung als Argument genügt vielen Bürgerinnen und Bürgern nicht mehr, um bestimmte Formen der Nutztierhaltung langfristig zu akzeptieren. Es müssen also gesellschaftlich akzeptierte, praktisch realisierbare und finanzierbare Haltungskonzepte für Nutztiere entwickelt werden.

Doch wie lassen sich die Erwartungen der Gesellschaft, wirtschaftliche und fachliche Gesichtspunkte sowie dabei möglicherweise auftretende Zielkonflikte miteinander vereinbaren und praktisch realisierbare Stallbaukonzepte entwickeln? Das vom BMEL geförderte Projekt „Virtueller Stall der Zukunft“ liefert dafür Denkanstöße und Antworten.

Es kombinierte

  • Ansätze der Nutztierwissenschaften,
  • der Agrartechnik beziehungsweise des Stallbaus,
  • der Betriebswirtschaftslehre sowie
  • der Akzeptanzforschung.

Ziel des Projektes war es - losgelöst von bisher verbreiteten Systemen - einen wissenschaftlich begleiteten Diskurs zur Entwicklung innovativer Stallkonzepte für die Schweinehaltung anzustoßen zwischen

  • Agrarwirtschaft,
  • Zivilgesellschaft und
  • Wissenschaft.

Wissenschaftler, Stallbauplaner, innovative Landwirte, Verbraucher und Künstler haben Ideen erarbeitet für eine zukunftsfähige Schweinehaltung – von der Sauenhaltung, der Ferkelaufzucht bis zur Mast. Sie haben bestehende Systeme optimiert oder neu gestaltet. Das Einbinden verschiedener Gruppen sollte nicht nur einen größtmöglichen Erfahrungsaustausch schaffen, sondern auch sicherstellen, alle Interessen in die zu entwickelnden Konzepte zu integrieren.

Am 27. Mai haben die Projektverantwortlichen ihre Ergebnisse bei einer Veranstaltung im BMEL vorgestellt.

Ergebnisse: Wie können Ställe der Zukunft aussehen?

  • Mehr Platz und Bewegungsfreiheit für Sauen, Ferkel und Mastschweine
  • Zugang für alle Tiere ab 30 kg Gewicht (also ab einem Alter von zehn bis zwölf Wochen) zu einem Außenklimabereich
  • Produktion ist transparenter als bisher, weil der Stall über den Außenklimabereich einsehbar ist; er ist aber über eine Jalousie oder Windnetze im Seuchenfall abschließbar
  • Mehr Beschäftigung und Abwechslung (unbegrenztes Angebot von Raufutter, Stroheinstreu oder anderem organischen Beschäftigungsmaterial)
  • Möglichkeiten zum Duschen und Wühlen für Mastschweine

Außerdem soll auch die Ästhetik und Nachhaltigkeit der Ställe steigen. Für die sichtbare Außenhülle des Stalls sollte Holz als Baumaterial verstärkt zum Einsatz kommen. Es ist als nachwachsender Rohstoff Ausdruck für eine nachhaltige Baukultur und ermöglicht eine optisch ansprechende Einbindung der Gebäude in das Landschaftsbild.

Um eine schnelle, flexible und kostengünstige Planung von Stallkonzepten zu ermöglichen, wurde das Projekt als „virtueller“ Stall der Zukunft angelegt. Was heißt das? Dank der simultanen und später IT-gestützten Umsetzung und Bewertung der entwickelten Stallbaukonzepte mussten keine Testbetriebe eingerichtet werden. Dies hat sowohl zeitliche als auch finanzielle Vorteile. Sie ermöglichen zudem, schnell und dynamisch auf etwaige gesellschaftliche oder bauliche Entwicklungen einzugehen.

Grafik Illustration des "Stalls der Zukunft"
Illustration des "Stalls der Zukunft" © Flaneur.de 2019 / Windisch

Um betrieblichen und regionalen Besonderheiten gerecht werden zu können, haben die Projektbeteiligten für jede Produktionsstufe nicht nur ein mögliches Stallkonzept entwickelt, sondern mehrere Varianten erarbeitet. Dadurch ist es interessierten Landwirten möglich - ähnlich wie bei einem Baukastensystem - je nach Ausgangssituation das Konzept auszuwählen, welches sich für den eigenen Betrieb am besten eignet.

Das Forschungsvorhaben hat aber auch deutlich gemacht: Den Stall der Zukunft gibt es nicht. Die entwickelten Varianten müssen den jeweiligen betrieblichen und regionalen Besonderheiten angepasst werden.

Erste ökonomische Betrachtungen der entwickelten Stallkonzepte lassen deutlich höhere Kosten für die Haltung von Schweinen und die Schweinefleischproduktion erwarten. In der Summe aus Ferkelerzeugung, Ferkelaufzucht und Mast ergeben sich Mehrkosten allein in der Erzeugung in Höhe von deutlich über 30 Euro je verkauftem Mastschwein.

Details zu den Resultaten finden Sie hier.

Projektbeteiligte:

  • Georg-August-Universität Göttingen, Verbundkoordinator Prof. Dr. Achim Spiller
  • Christian-Albrechts-Universität zu Kiel,
  • Heinrich Heine Universität Düsseldorf,
  • Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V.,
  • Richard Hölscher GmbH & Co. KG (Wirtschaftspartner aus dem Bereich Stallbau)

Laufzeit: 01.10.2017 bis 31.05.2019

Gesamtkosten: 303.109,60 Euro; der Förderanteil des BMEL beträgt 276.137,60 Euro

Das BMEL macht sich auch jenseits von Forschungs- und Innovationsprojekten für moderne Tierhaltungen stark. So stand der BMEL-Bundeswettbewerb Landwirtschaftliches Bauen 2017/2018 unter dem Motto "Aus Alt mach Neu – Zukunftsfähige Stallanlagen durch Umbau". Im November 2018 erhielten sechs Betriebe, die mit innovativen Umbaukonzepten überzeugten, ihre Auszeichnungen. Die Ergebnisse des Bundeswettbewerbs sind als BMEL-Broschüre erhältlich. Darüber hinaus werden auch im Rahmen der vom BMEL geförderten Modell- und Demonstrationsvorhaben – Tierschutz unter anderem landwirtschaftliche Betriebe gefördert, die über den gesetzlichen Standard hinaus Haltungseinrichtungen bzw. Haltungsverfahren verbessern

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