Wie funktioniert das Konzept zur Antibiotikaminimierung in der Nutztierhaltung?

Mit der 16. Novelle des Arzneimittelgesetzes ist ein "Benchmarking-System" als Instrument zur Antibiotikaminimierung in der Nutztierhaltung etabliert worden. Kerngedanke ist der Vergleich der individuellen Therapiehäufigkeit eines Betriebes mit Kennzahlen zur bundesweiten Therapiehäufigkeit. Der Vergleich erfolgt getrennt nach Nutztierarten und Altersklassen.

Was ist der Grundgedanke des Instruments zur Antibiotikaminimierung?

Nutztierhalter müssen ihre betriebsindividuellen Therapiehäufigkeiten mit den bundesweiten Kennzahlen vergleichen: Wenn die Therapiehäufigkeit eines Betriebes die Kennzahl 1 oder die Kennzahl 2 überschreitet, muss der Tierhalter seinen Tierarzt konsultieren, um die Ursachen festzustellen. Aus der Ursachenanalyse können sich Maßnahmen ergeben, die der Tierhalter ergreifen muss, um den Antibiotikaeinsatz in seinem Betrieb zu reduzieren.

Durch die Verringerung der betriebsindividuellen Therapiehäufigkeiten sinken die daraus berechneten bundesweiten Kennzahlen. Das heißt: Es handelt sich um ein dynamisches System zur Antibiotikaminimierung. Ziel ist, den Einsatz der Wirkstoffe deutschlandweit kontinuierlich auf das therapeutisch notwendige Minimum zu senken und so die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen zu verringern.

Die bundesweiten Kennzahlen werden zwei Mal jährlich, jeweils im März und im September, vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) berechnet und im Bundesanzeiger veröffentlicht.

Welche Betriebe müssen Kennzahlen zur Therapiehäufigkeit melden? An wen müssen sie melden?

Betriebe ab einer bestimmten Größe, die Rinder, Schweine, Hühner und Puten zum Zweck der Mast halten, müssen den zuständigen Überwachungsbehörden in den Bundesländern Daten über ihre Tierzahlen und zum Einsatz von Antibiotika übermitteln (Details zur Betriebsgröße finden Sie hier).

Betriebe, die Milchkühe oder Legehennen halten, sind von der Meldepflicht ausgenommen.

Wie lässt sich erkennen, ob die Therapiehäufigkeit deutschlandweit abnimmt?

Vereinfacht gesagt gilt: Werden weniger Antibiotika in der Nutztierhaltung eingesetzt, werden die betriebsindividuellen Therapiehäufigkeiten und dadurch auch die bundesweiten Kennzahlen im Verlauf der Zeit kleiner. Voraussetzungen für die Aussagekraft der Kennzahlen sind ein angemessen langer Erfassungszeitraum und eine zuverlässige Melderoutine der Betriebe.

Seit Juli 2014 melden die Betriebe ihre Daten, aus denen zwei Mal jährlich die Kennzahlen zur Therapiehäufigkeit ermittelt werden. Bislang gibt es sechs Erfassungsperioden. Mit Blick auf die bisherige Entwicklung der Kennzahlen lässt sich festhalten, dass der Antibiotikaeinsatz bei alle Tierarten in diesem Zeitraum gesunken ist.

Details zur Entwicklung der Kennzahlen finden Sie hier.

Wie wird die betriebsindividuelle Therapiehäufigkeit berechnet?

Die betriebsindividuelle Therapiehäufigkeit berechnet sich folgendermaßen:

= (Anzahl behandelter Tiere x Anzahl Behandlungstage) / durchschnittliche Anzahl gehaltener Tiere pro Halbjahr

Die betriebsindividuelle Theraphiehäufigkeit berücksichtigt somit die folgenden Punkte:

  • Je weniger behandelte Tiere und / oder Behandlungstage, desto kleiner die Kennzahl bei gleichbleibender Gesamttierzahl.
  • Die Anzahl der behandelten Tiere und der Behandlungstage steht im Verhältnis zur Gesamttierzahl.

Weitere Informationen dazu sind im Bundesanzeiger veröffentlicht.

Was ist die Kennzahl 1, die für jede Masttierart veröffentlicht wird?

Kennzahl 1 ist der Median – also der Wert unter dem 50 Prozent aller erfassten Therapiehäufigkeiten liegen.

Liegt die betriebsindividuelle Therapiehäufigkeit zwischen dem Median und dem dritten Quartil, muss der Tierhalter mit dem behandelnden Tierarzt die Ursachen für die erhöhte Antibiotika-Anwendung ermitteln und Reduzierungsmaßnahmen ergreifen

Was ist die Kennzahl 2, die für jede Nutzungsart veröffentlicht wird?

Kennzahl 2 ist das dritte Quartil – also der Wert, unter dem 75 Prozent aller erfassten Therapiehäufigkeiten liegen.

Liegt die betriebsindividuelle Therapiehäufigkeit über dem dritten Quartil, muss der Tierhalter innerhalb von vier Monaten nach Veröffentlichung der Kennzahlen der zuständigen Überwachungsbehörde einen schriftlichen Maßnahmenplan zur Reduzierung vorlegen und die Maßnahmen umsetzen. Die Behörde prüft den Maßnahmenplan und kann bei Bedarf weitergehende Maßnahmen verlangen.

Was leisten die bundesweiten Kennzahlen zur Therapiehäufigkeit nicht?

Anhand der Kennzahlen zur Therapiehäufigkeit ist keine Aussage über die durchschnittliche Anzahl der Behandlungstage pro Tier und Halbjahr möglich. Zudem erlauben sie keinen Vergleich der Anwendungshäufigkeit zwischen den einzelnen Tier- und Nutzungsarten.

Erschienen am im Format Artikel

Fachmeldung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Entwicklung der Kennzahlen zur Therapiehäufigkeit

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