Wiederauftreten der Blauzungenkrankheit

Seit Dezember 2018 ist die Blauzungenkrankheit (bluetongue disease - BT) erstmals seit neun Jahren wieder in Deutschland präsent.

Auf Grund von Feststellungen der Seuche in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland wurde eine Restriktionszone eingerichtet, die die drei genannten Länder vollständig und darüber hinaus Teile von Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen umfasst. Aus dieser Zone dürfen lebende Wiederkäuer sowie Samen, Eizellen und Embryonen von diesen Tieren nicht oder nur unter Auflagen verbracht werden. Eine Impfung von Wiederkäuern gegen die Blauzungenkrankheit ist möglich; die Behörden raten Haltern von Rindern, Schafen und Ziegen dringend, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen. Für den Menschen und für Nicht-Wiederkäuer ist die Blauzungenkrankheit nicht gefährlich.


Deutschland galt seit dem 15.2.2012 als frei von Blauzungenkrankheit , nachdem dieseim Jahr 2006 erstmals bei Rindern und kleinen Wiederkäuern in Mitteleuropa aufgetreten war und sich in auch Deutschland sehr rasch flächendeckend ausgebreitet hatte. Durch die schnelle Einführung einer verpflichtenden Impfung mit inaktivierten Impfstoffen gelang es damals, die Seuche zu tilgen.

Ausbreitung der Seuche

Im August 2006 wurde das Blauzungen-Virus Serotyp 8 (BTV-8) erstmals in Deutschland festgestellt. Es breitete sich in den Jahren 2007 und 2008 über einen großen Teil Deutschlands aus. Das gesamte Bundesgebiet wurde als BTV-8-Restriktionszone ausgewiesen.

Die Ursache für die Einschleppung des BT-Virus aus wärmeren Regionen nach Mitteleuropa ist unklar. Entomologische (insektenkundliche) Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass als Überträger des BT-Virus bekannte Gnitzenarten auch in Deutschland vorkommen und ganzjährig nachgewiesen werden können.

Behördliche Maßnahmen

In den Jahren 2008 und 2009 wurde in Deutschland mit inaktivierten Impfstoffen gegen BTV-8 geimpft. Die Impfpflicht betraf Rinder, Schafe und Ziegen. Wildwiederkäuer im Gatter konnten auf freiwilliger Basis geimpft werden. Zum 1.1.2010 wurde die Impfverpflichtung aufgehoben; es bestand die Möglichkeit zu einer freiwilligen Impfung der genannten Tierarten.

Im Rahmen eines bereits im Jahr 2007 etablierten Monitoring-Programms wurden umfangreiche Untersuchungen bei Rindern, Schafen und Ziegen sowie in geringerem Maße bei Wildwiederkäuern durchgeführt. Im Rahmen des seit 2010 durchgeführten Monitorings mit insgesamt rund 110.000 Proben wurden keine Hinweise auf eine Zirkulation des BT-Virus in Deutschland gefunden.

Impfstrategie erfolgreich

Das Auftreten einer bisher nur aus wärmeren Regionen als Deutschland bekannten Tierseuche hat die Aufmerksamkeit aller Beteiligten wie z.B. der Tierhalter und zuständigen Behörden für außergewöhnliche Krankheitserscheinungen erhöht. Unter Umständen ist in Deutschland auch mit weiteren bisher als "exotisch" bezeichneten Krankheiten zu rechnen.

Eine konsequente Anwendung einer nationalen Impfstrategie hat zum raschen Verschwinden der Blauzungenkranheit in Deutschland geführt. Es werden auch in Zukunft Monitoring-Untersuchungen bei empfänglichen Tieren durchgeführt, um die BT-Freiheit Deutschlands zu kontrollieren und im Falle eines erneuten Auftretens der Seuche schnell reagieren zu können.

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