Alternativen zum Töten männlicher Küken

Jedes Jahr werden allein in Deutschland etwa 45 Millionen Hühnerküken kurz nach dem Schlüpfen getötet. Dabei handelt es sich um die männlichen Geschwister der modernen Legehennen. Von den Legehennen stammen unsere Konsumeier.

Erläuterung zum Tierschutzgesetz

Warum ist durch die Geschlechtsbestimmung im Ei kein Verbot des Kükentötens notwendig?

§ 1 des Tierschutzgesetzes regelt: Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Sobald praxistaugliche Alternativen zum Töten der Küken vorhanden sind, greift das Tierschutzgesetz automatisch und das Töten männlicher Eintagsküken ist verboten.

Da für die Erzeugung von Fleisch andere Hühnerrassen besser geeignet sind, werden die Brüder der Legehennen in den meisten Fällen nicht aufgezogen.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat zum Ziel, das routinemäßige Töten dieser so genannten Eintagsküken zu beenden. Neben der Förderung der Weiterentwicklung von Zweinutzungshühnern sind Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Brutei ein Weg. Dafür fördert das BMEL die Entwicklung praxistauglicher Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Brutei mit rund 6,5 Millionen Euro gefördert. Mit der Geschlechtsbestimmung kann bevor die Küken schlüpfen überprüft werden, ob aus dem Ei ein weibliches oder männliches Huhn schlüpfen würde. Die Legehennen werden dann ausgebrütet, wohingegen auf das Ausbrüten der Hähne verzichtet wird. Die aussortierten Eier kommen beispielsweise als Futtermittel in Frage.

Sobald den Brütereien das praxistaugliche Verfahren für die Geschlechtsbestimmung zur Verfügung steht, derzeit geplant für 2020, gibt es für das Töten der männlichen Küken keine gesetzliche Rechtfertigung mehr (vgl. Kasten oben).

Wie funktioniert die Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei?

Die vom BMEL geförderten Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei ("In-ovo-Geschlechtsbestimmung") verfolgen zwei völlig unterschiedliche Ansätze:

Beim endokrinologischen Verfahren werden die Eier etwa neun Tage lang bebrütet. Dann wird von jedem Ei etwas Flüssigkeit gewonnen, ohne dass das Ei-Innere berührt wird. An diesen Proben wird das Geschlecht mit einem biotechnologischen Nachweisverfahren innerhalb kurzer Zeit bestimmt.

Beim spektroskopischen Verfahren werden die Eier etwa vier Tage lang bebrütet. Dann wird ein spezieller Lichtstrahl in das Ei-Innere geschickt. Das Geschlecht wird durch eine Analyse des reflektierten Lichts bestimmt

Nach insgesamt 21 Tagen Bebrütung schlüpfen die kleinen Legehennen. Von der Geschlechtsbestimmung bekommen die sich entwickelnden Küken nichts mit.

Wo stehen wir bei der Entwicklung von Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei?

Mit einem Klick auf das Bild gelangen Sie zum Video „Alternativen zum Kükentöten“
Alternativen zum Töten männlicher Küken

Die mit BMEL-Mitteln entwickelten Grundlagen wurden von der Wirtschaft aufgegriffen, um sie in praxistaugliche Lösungen für die Brütereien zu überführen. Seit November 2018 sind regional erste Schaleneier erhältlich, die mit Hilfe der Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei ohne Kükentöten erzeugt wurden. Nun geht es darum, die Geschlechtsbestimmung in der Breite anwendbar zu machen. Das BMEL unterstützt die Branche dabei, indem es für die Optimierung der Geschlechtsbestimmung weitere Fördermittel bereitstellt.

Das Zweinutzungshuhn: Eier- und Fleischlieferant

Neben der Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei fördert das BMEL auch den Einsatz von Zweinutzungshühnern. Damit sind Rassen gemeint, die sowohl zur Eier- als auch zur Fleischproduktion genutzt werden können.

Erschienen am im Format Basistext

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