MEAL-Studie: erste Total-Diet-Studie in Deutschland

Die BfR-MEAL-Studie (Mahlzeiten für die Expositionsschätzung und Analytik von Lebensmitteln) untersucht zum ersten Mal in Deutschland großflächig, in welchen Konzentrationen Stoffe durchschnittlich in Lebensmitteln enthalten sind und welche gesundheitlichen Risiken bei der Verarbeitung und Zubereitung von Lebensmitteln entstehen können.

Die Studie berücksichtigt mehr als 90 Prozent der gesamten deutschen Lebensmittelpalette und analysiert die Speisen jeweils so wie sie als fertige Gerichte typischerweise verzehrt werden. Es wurde eigens für dieses Forschungsprojekt eine Küche beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eingerichtet.

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Einblicke in die Arbeit des BfR

Total-Diet-Studie liefert Daten zur durchschnittlichen Ernährung in Deutschland

Bei der Einschätzung von Risiken durch Lebensmittel greifen die Behörden zum Teil auf Daten aus der Lebensmittelüberwachung zurück. Aus ihnen geht zum Beispiel hervor, welche Mengen eines Stoffes in einem Lebensmittel enthalten sein können. Kombiniert mit Daten über den durchschnittlichen Verzehr dieser Lebensmittel in der Bevölkerung lässt sich abschätzen, ob durch den Verzehr eines Lebensmittels ein gesundheitliches Risiko entsteht und wenn ja, wie gravierend dies ist. Eine Total-Diet-Studie (TDS) geht darüber hinaus:

  • Lebensmittel werden gezielt ausgewählt, um die durchschnittliche Ernährung so gut wie möglich abzubilden.
  • Sie werden in einer Studienküche so zubereitet, wie sie üblicherweise verzehrt werden, und dann untersucht.
  • So können auch Stoffe analysiert werden, die nicht von vornherein im Lebensmittel enthalten sind, sondern bei der Zubereitung entstehen.
  • Auch bei der Zubereitung auftretende Verluste oder Veränderungen von Stoffen können berücksichtigt werden.
  • Eine Total-Diet-Studie bildet also ab, was die allermeisten Menschen tatsächlich täglich essen und Stoffe werden in dem Zustand analysiert, in dem sie auch tatsächlich verzehrt werden.

Was ist eine Total-Diet-Studie (TDS)?

TDS bezeichnet eine Methode, die von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfohlen wird, um mittlere Konzentrationen von Stoffen in der durchschnittlichen Ernährung des Menschen zu ermitteln. Folgende Kriterien zeichnen die TDS aus:

  • Repräsentiert das Verzehrverhalten der deutschen Bevölkerung
  • Deckt 90 Prozent der in Deutschland verzehrten Lebensmittel ab
  • Berücksichtigt hoch belastete Lebensmittel, auch wenn diese selten verzehrt werden
  • Lebensmittel werden so zubereitet, wie sie üblicherweise verzehrt werden
  • Ähnliche Lebensmittel werden zu Pools zusammengefasst, um die Probenzahl übersichtlich zu halten

Diese wertvollen Daten werden für Deutschland mit der Total-Diet-Studie "MEAL" des BfR zum ersten Mal erzielt. Damit können künftig lebensmittelbedingte Risiken präziser bewertet und minimiert werden. Die MEAL-Studie ist die derzeit weltweit umfangreichste Studie dieser Art und hat internationale Leuchtturmwirkung.

Hintergründe zur MEAL-Studie

MEAL steht für Mahlzeiten für die Expositionsschätzung und Analytik von Lebensmitteln. Die MEAL-Studie eröffnet mit bereits vorhandenen Verzehrsdaten (zum Beispiel aus der Nationalen Verzehrsstudie II des Max Rubner-Instituts (MRI) und verschiedener Kinder-Ernährungsstudien von Robert-Koch-Institut, BfR und der Universität Paderborn) neue Möglichkeiten der Expositionsabschätzung. Die Studienergebnisse lassen sich zudem mit bereits vorhandenen Daten der Lebensmittelüberwachung und aus dem Bundeslebensmittelschlüssel des MRI kombinieren.

Lebensmittel sind in Deutschland und anderen EU-Staaten bereits sehr sicher. Ziel der Politik der Bundesregierung ist es, das hohe Niveau der Sicherheit der Lebensmittel sowie deren gute Qualität in Deutschland und in der Europäischen Union nicht nur dauerhaft zu gewährleisten, sondern auch stetig zu verbessern. Die BfR-MEAL-Studie trägt dazu bei, bestehende wissenschaftliche Unsicherheiten weiter zu minimieren und den Risikomanagern damit eine noch präzisere Grundlage für ihre Entscheidungen zu bereiten. Das Fundament, auf dem die Lebensmittelsicherheit steht, soll mit der Studie weiter gestärkt werden.

Die Vorbereitungen für die Studie haben bereits im vergangenen Jahr begonnen, die Laufzeit ist insgesamt auf sieben Jahre angelegt. Mit Ergebnissen für die ersten Stoffgruppen rechnen die BfR-Expertinnen und –Experten ab 2018.

Die MEAL-Studie ist auch ein gewichtiger deutscher Beitrag für das gemeinsame europäische Ziels, die Lebensmittelsicherheit durch präzisere Daten weltweit zu verbessern. So haben EFSA, FAO und WHO den Harmonisierungsbedarf im Bereich TDS erkannt und im Jahr 2011 einen gemeinsamen Leitfaden ("Towards a harmonised Total Diet Study approach: a guidance document") veröffentlicht. Im Vorfeld der MEAL-Studie hat sich das BfR am Projekt "TDS-Exposure" beteiligt, welches durch Mittel des 7. Forschungsrahmenprogramms der EU gefördert wurde und an dem 26 Partner aus 19 Ländern beteiligt waren.

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