Entwaldungsfreie Lieferketten: Agrarproduktion ohne Waldzerstörung

Einer der größten Treiber von Waldzerstörungen weltweit ist die legale und illegale Umwandlung von Naturwäldern zu Agrarflächen. Betroffen sind vor allem Wälder in den Tropen. Für einen erfolgreichen internationalen Waldschutz müssen Agrarrohstoffe möglichst nachhaltig produziert werden. Das heißt auch: ohne Waldflächen zu zerstören.

Die Nachfrage in wichtigen Konsumentenländern wie den USA und China aber auch der EU, insbesondere nach Palmöl, Soja und Kakao, gilt neben dem Eigenkonsum in den Erzeugerländern und -regionen als wichtiger Antriebsfaktor. Aus diesem Grund engagieren sich immer mehr Unternehmen für den Waldschutz, indem sie sich verpflichten, ausschließlich "entwaldungsfreie", zertifizierte Agrarrohstoffe zu kaufen. Eine Zertifizierung erfolgt meist nach anerkannten Nachhaltigkeitsstandards.

Das BMEL fördert solche privatwirtschaftlichen Initiativen auch innerhalb Deutschlands. Erfolgreiche Ansätze zeigen vor allem

Ziel ist es, dem landwirtschaftlichen Sektor in Erzeugerländern mehr Anreize zum Walderhalt zu setzen und eine walderhaltende, nachhaltigere Flächennutzung zu fördern. Ähnliche Maßnahmen werden aktuell auf Initiative des BMEL auch für Soja im nationalen Eiweißforum diskutiert, denn der hohe Bedarf an eiweißhaltigen Futtermitteln bedingt eine hohe Importrate Deutschlands für diesen Agrarrohstoff. Internationale Zertifikate sind auch hierfür grundsätzlich vorhanden. Bei allen Initiativen gilt es vor dem Hintergrund des weltweiten Waldrückgangs als wichtiges Ziel, nicht nur die illegalen, sondern möglichst auch die bisher ganz legalen Waldumwandlungen zu verhindern und Agrarrohstoffe auf waldfreien Standorten anzubauen.

Die BMEL-Initiativen werden ergänzt durch Maßnahmen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zur Unterstützung der Erzeugerländer bei der Entwicklung entwaldungsfreier Lieferketten und Vernetzung mit Nachfragern aus Deutschland und anderen Konsumentenländern.

New Yorker Walderklärung; Amsterdam-Erklärung

Internationale Walderklärungen

Die New Yorker Walderklärung vom September 2014: Deutschland hat sich gemeinsam mit knapp 180 weiteren Regierungen, Unternehmen und Vertretern der Zivilgesellschaft unter anderem verpflichtet, bis 2020 Entwaldung aus den Lieferketten globaler Agrarrohstoffe zu eliminieren.

Die "Amsterdam-Erklärungen" vom Dezember 2015 zur Förderung nachhaltiger Lieferketten von Agrarrohstoffen und von Nachhaltigkeit bei Palmöl: In der "Amsterdam-Partnerschaft" haben sich Deutschland, die Niederlande, Großbritannien, Dänemark, Norwegen, Frankreich und Italien als Vordenker zum Thema "entwaldungsfreie Lieferketten" zusammengeschlossen und fördern grenzüberschreitende Initiativen zu Palmöl, Kakao und Soja sowie den Wissensaustausch zwischen ihnen.

Die Maßnahmen Deutschlands sind zudem eingebettet in politische Zielsetzungen auf internationaler und EU-Ebene (s.Kasten)

Auch die EU wird tätig

Nach mehrfachem Drängen der Mitglieder der Amsterdam-Partnerschaft hat die EU Kommission am 23. Juli 2019 die Mitteilung "Intensivierung der EU Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederherstellung der Wälder in der Welt" vorgelegt. Die EU-Kommission folgt darin im Wesentlichen der Vorarbeit der Amsterdam-Partnerschaft und schlägt konkrete Maßnahmen sowohl der Mitgliedstaaten wie auch der Kommission selbst vor.

Damit soll künftig auch die gesamte EU ihrer Verantwortung gerecht werden, Wege zur Vermeidung so genannter "importierter" Waldzerstörungen zu beschreiten. Die Verhandlungen zu den vorgeschlagenen Maßnahmen werden in der zweiten Jahreshälfte 2019, unter anderem mit dem Ziel politischer Vorgaben für die neue EU Kommission, aufgenommen.

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