Gesündere Waldböden: Ergebnisse der zweiten Bodenzustandserhebung im Wald

Der Zustand der Waldböden in Deutschland hat sich leicht verbessert - das zeigt die zweite Bodenzustandserhebung (BZE) im Vergleich zu den Ergebnissen der ersten Bodenzustandserhebung vor fast 30 Jahren. Die nachhaltige Waldbewirtschaftung der Waldbesitzerinnen, Waldbesitzer, Försterinnen und Förster wirkt. Die aktuelle BZE belegt den Erfolg der deutschen Forst- und Umweltpolitik.

Bodenzustand: Erfolge und Herausforderungen

Profilgrube mit verschiedenen Bodenschichten und Meterstab Bodenprofil BZE
1500 Profilgruben wurden deutschlandweit gegraben und analysiert © Jürgen Gauer

Dank verbesserter Luftreinhaltung, Waldumbau und Bodenschutzkalkungen haben die Waldböden begonnen, sich zu erholen:

  • Die Böden enthalten weniger Säure. Das zeigen die gestiegenen pH-Werte.
  • Der Humuszustand und die Basensättigung der Böden haben sich verbessert.
  • Die Bodenschutzkalkung wirkt: noch viele Jahre nach einer Kalkung von durch Luftschadstoffe stark versauerten Böden sind dort der pH-Wert, die Basensättigung und die Nährstoffversorgung der Bäume besser als auf vergleichbaren ungekalkten Waldstandorten.
  • Der Waldboden bis in 90 cm Tiefe inklusive Humusschicht enthält mehr als die Hälfte des gesamten in Wäldern gespeicherten Kohlenstoffs: 1.321 Millionen Tonnen (119 Tonnen Kohlenstoff je Hektar). Für die Berichterstattung nach dem Kyotoprotokoll werden nur die Humusauflage und die oberen 30 cm des darunterliegenden Mineralbodens berücksichtigt. Sie speichern jährlich rund 15 Millionen Tonnen Kohlendioxid und entlasten so die Atmosphäre. Damit leisten Waldböden aktiven Klimaschutz. Rund ein Viertel der bei der Kohlenstoffinventur 2017 festgestellten Netto-Kohlenstoffbindung der Wälder wird somit von den Waldböden geleistet.
  • Die Schwermetalleinträge in den Wald und der Gehalt an Schwermetall in der Humusauflage haben abgenommen.
  • Fichten, Kiefern, Buchen und Eichen sind überwiegend gut ernährt.
  • Der Anteil der BZE-Punkte, auf denen die kritischen Eintragsraten (Critical Loads) für eutrophierenden Stickstoff überschritten werden, ist von 77 Prozent in 1990 auf 52 Prozent in 2015 gesunken.

Weitere Maßnahmen sind erforderlich, um die Luft reinzuhalten und Stickstoffemissionen - u.a. verursacht durch Verbrennungsprozesse der Industrie und des Verkehrs sowie durch Ammoniak aus der Landwirtschaft – weiter zu verringern. Um Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft zu reduzieren, hat das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) verschiedene Maßnahmen vorgesehen. Im Nationalen Luftreinhalteprogramm sind bereits beschlossene Maßnahmen der aktualisierten Düngeverordnung sowie mögliche zusätzliche Maßnahmen aufgelistet.

Darüber hinaus gilt es, die nachhaltige und bodenschonende Waldwirtschaft fortzuführen - zugunsten lebendiger Waldböden und gesunder und leistungsfähiger Wälder. BMEL setzt sich dafür ein, dass im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küsten-schutzes" sowie in den EU-Programmen zur Förderung des ländlichen Raums auch weiterhin Maßnahmen zur nachhaltigen, naturnahen Waldbewirtschaftung und die Bodenschutzkalkung gefördert werden können.

Bundesweite BZE: über 1.500 Bodenprofilgruben, Baumkronen erklettert und 50.000 Proben ausgewertet

Die BZE ist ein Gemeinschaftswerk von Bund und Ländern. Sie ist ein wertvolles Instrument des forstlichen Umweltmonitorings. Ziel der BZE ist, flächenrepräsentative und bundesweit vergleichbare Aussagen zum Zustand und der Veränderung von Waldböden, Vegetation, Kronenzustand und der Waldernährung zu liefern.

Rund 1.900 Wald-Stichprobenpunkten wurden auf einem 8x8 km Raster über ganz Deutschland verteilt. Auf ihnen wurden zwischen 2006 und 2008 möglichst 90 cm tiefe, rechteckige "Löcher" (Bodenprofilgruben) gegraben oder mit der Rammkernsonde Bohrkerne gewonnen. Wissenschaftler nahmen Humusproben sowie Bodenproben aus unterschiedlichen Tiefen. Hoch oben in den Baumkronen wurden Blatt- und Nadelproben gesammelt. Hierbei kamen über 50.000 Humus-, Boden- und Nadel-/Blatt-Proben zusammen, die anschließend in den Laboren auf ihre chemischen und z.T. auch physikalischen Eigenschaften untersucht wurden.

Die Außenaufnahmen der ersten BZE fanden von 1987 bis 1993 statt. Die Außenaufnahmen der zweiten BZE erfolgten in den Jahren 2006 bis 2008. Daran schlossen sich Probeanalysen, Datenprüfung und Auswertungen auf Länderebene an. Die von den Ländern erhoben Daten wurden an das Thünen-Institut übermittelt, dort geprüft, harmonisiert und zum bundesweiten Datensatz zusammengeführt. Rund 35 Wissenschaftler aus Einrichtungen des Bundes (Thünen-Institut, Umweltbundesamt, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe), aus forstlichen Forschungs- und Versuchsanstalten der Länder, von Universitäten, des Max-Planck-Instituts und anderen waren an der bundesweiten Auswertung beteiligt. Das Thünen-Institut koordinierte die Erhebung. Die nächste BZE wird in den Jahren 2022 bis 2024 stattfinden.

Lebensraum, Schutzfunktion und Produktionsfaktor: Bedeutung der Waldböden

Sicht in einen nebligen Wald Wald im Nebel
© andiz275 - stock.adobe.com

Waldböden sind einzigartig. Sie lassen sich nicht gleichsam "als Kultur" anlegen und sind nur sehr bedingt regenerierbar. Die Leistungsfähigkeit von Waldböden zu erhalten, ist von zentraler Bedeutung für Mensch und Natur.

Die Waldböden erfüllen wichtige Funktionen:

  • Sie sind nicht nur Produktionsgrundlage der Forstwirtschaft, sondern spielen auch im Naturhaushalt eine wesentliche Rolle und erfüllen zahlreiche Schutzfunktionen.
  • Sie filtern und speichern Wasser, sind Lebensraum für eine vielfältige Bodenlebewelt sowie Standort wie Nährstoffquelle für die Vegetation.
  • Sie puffern eingetragene und im Ökosystem gebildete Säuren ab und sind gleichzeitig Reaktionsraum für bodenchemische Prozesse.
  • Sie speichern erhebliche Mengen an Kohlenstoff und Stickstoff und sind damit ein wichtiges Element im Kreislauf klimarelevanter Spurengase (vor allem Kohlendioxid, Distickstoffoxid (Lachgas), Methan).
  • Funktionsfähige Böden sind eine wesentliche Voraussetzung für stabile Waldökosysteme und für eine nachhaltige, naturnahe Waldbewirtschaftung.

In Deutschland bedecken Wälder etwa ein Drittel der Landesfläche. Die Waldböden sind daher schon allein aufgrund ihres Flächenanteils von zentraler Bedeutung für den Naturhaushalt.

Außerdem werden die Wälder in Deutschland – im Vergleich zu anderen Ökosystemen – nur sehr extensiv bewirtschaftet. Im Ergebnis sind die Wälder vergleichsweise naturnahe und ungestörte Ökosysteme. Aufgrund dieser Tatsache stellen sie ein wichtiges Refugium für viele Tier- und Pflanzenarten dar. Gleichzeitig unterliegen die Waldökosysteme jedoch einer erheblichen Belastung durch Luftverunreinigungen. In der Folge sind vielfach die Stabilität und Vitalität der Wälder eingeschränkt.

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