Trockenheit im Wald: Maßnahmen bei außergewöhnlichen Naturereignissen

Neben den landwirtschaftlichen Betrieben sind Waldbesitzer und Forstleute von der anhaltenden Trockenheit betroffen. Grundsätzlich sind Hilfsmaßnahmen auch für die Forstwirtschaft wegen der derzeitigen Hitzewelle möglich.

Einzelne Schäden, wie zum Beispiel vertrocknete Aufforstungen von diesem Frühjahr oder vertrocknete Bäume, sind bereits jetzt erkennbar. Das gesamte Ausmaß der Schäden in der Forstwirtschaft wird jedoch erst mit deutlicher Zeitverzögerung bezifferbar sein. Dies ist abhängig vom weiteren Witterungsverlauf und Einflussfaktoren, wodurch sich die Schäden weiter verschärfen könnten (zum Beispiel durch Sekundärschäden wie Insektenbefall).

Erhebung von Schadensmeldungen

Das Statistische Bundesamt fasst jährlich die in Deutschland von den Ländern gemeldeten außerordentlichen Holzeinschläge getrennt nach Schadensursache (Sturm, Schneebruch, neuartige Waldschäden, Insektenschäden und sonstige Schäden) zusammen. Waldbrände, deren Ursachen sowie die damit verbundenen wirtschaftlichen Schäden erfasst die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Die jeweiligen Daten werden für das vergangene Jahr erhoben und veröffentlicht. Für das Jahr 2018 liegen der Bundesregierung demnach noch keine Informationen vor.

Hilfen aus dem EU-Solidaritätsfonds

Hilfen aus dem EU-Solidaritätsfonds, wie sie im Jahr 2007 bei dem Orkantief "Kyrill" gewährt wurden, kommen dann in Betracht, wenn ein Schaden von über 3 Milliarden Euro oder von mehr als 0,6 Prozent des Bruttoinlandproduktes entstanden ist.

Weitere Hilfsmöglichkeiten bei außergewöhnlichen Naturereignissen

  • Die Fördergrundsätze für forstwirtschaftliche Maßnahmen der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK) bieten Möglichkeiten, die von Wurf, Bruch, Waldbrand oder sonstigen Schadereignissen betroffenen Betriebe beispielsweise durch Förderung des Wegebaus, der Anlage von Holzlagerplätzen sowie der Wiederaufforstung geschädigter Flächen, zu unterstützen. Voraussetzung ist, dass die Länder diese Maßnahmen in ihren Förderrichtlinien umgesetzt haben.
  • Im Rahmen des zwischen Bund und Ländern abgestimmten "Katalogs steuerlicher Erleichterungen" können zudem Maßnahmen auf Landesebene in Kraft gesetzt werden, zu denen die steuerfreie Rücklage und eine Regelung zählen, wonach für die Nutzung von Holz, das durch Naturereignisse beschädigt ist (Kalamitätshölzern), vergünstigte Einkommensteuersätze gelten. Als Billigkeitsmaßnahmen können die Länder die Anpassung der Einkommensteuervorauszahlungen, die Stundung der Einkommensteuer oder in Ausnahmefällen den Erlass der Einkommensteuer anordnen.
  • Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau kann auf Antrag fällige Sozialversicherungsbeiträge stunden, wenn die sofortige Einziehung mit erheblichen Härten für die beitragspflichtigen Land- und Forstwirte verbunden wäre und der Anspruch durch die Stundung nicht gefährdet wird.
  • Die Länder können gemeinsam mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank ein durch Landesmittel bezuschusstes Darlehensprogramm für die betroffenen Betriebe auflegen.
  • Wenn durch außergewöhnliche Naturereignisse große Mengen an Holz anfallen, die zu erheblichen und überregionalen Marktstörungen führen, kann der Bund mit Zustimmung des Bundesrates das Forstschäden-Ausgleichsgesetz anzuwenden. Es sieht den Erlass einer Einschlagsbeschränkung für Waldbesitzer in nicht vom Sturm betroffenen Regionen vor.
  • Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) bietet bei Engpässe beim Abtransport von Holz, das durch Naturereignisse beschädigt ist, die Möglichkeit, eine Ausnahme vom Kabotageverbot zu erlassen: Ausländische Spediteure können hierdurch für einen befristeten Zeitraum Transportleistungen in Deutschland durchführen. Die Länder können zudem zeitlich befristete Ausnahmegenehmigungen erlassen und die zulässigen Gesamtgewichte für die Holztransporte von 40 auf 44 Tonnen erhöhen.

Präventionsmaßnahmen gegen Naturereignisse

Um die Wälder an den Klimawandel anzupassen und entsprechende Klimaschutzmaßnahmen im Bereich Forst und Holz zu ermöglichen, fördern Bund und Ländern bereits verschiedene Maßnahmen. Diese werden kontinuierlich fortentwickelt:

  • Seit mehr als drei Jahrzehnten arbeitet die Forstwirtschaft verstärkt nach den Grundsätzen einer naturnahen Waldwirtschaft. Ein Kernelement ist dabei der Umbau von Nadelwaldreinbeständen, die in großem Umfang nach dem zweiten Weltkrieg entstanden sind, in standortgerechte Laub- bzw. Mischwaldbestände. Im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK) werden mit Bundesmitteln Maßnahmen gefördert, die insbesondere auf die Anpassung der Wälder durch den Anbau von klimatoleranten Baumarten sowie auf die Herstellung einer klimaangepassten Baumartenmischung abzielen.
  • Mit dem Waldklimafonds (WKF) werden gezielt Pilotprojekte, Forschungs- und Kommunikationsmaßnahmen gefördert, die zum Erhalt und Ausbau des CO2-Minderungspotenzials von Wald und Holz sowie zur Anpassung der deutschen Wälder an den Klimawandel beitragen.

Erschienen am im Format Artikel

Schlagworte

Das könnte Sie auch interessieren

Ge­ne­ra­tio­nen­dia­log Wald – Er­geb­nis­se vor­ge­legt (Thema:Wald)

 Am 7. Mai 2019 hat in Berlin im Beisein von Bundesministerin Julia Klöckner der Auftakt des "Generationendialogs Wald" stattgefunden. Knapp ein Jahr lang diskutierten im Rahmen der Gesprächsreihe junge Akteure und erfahrene Vertretern der Forst- und Holzwirtschaft die Frage: Wie sieht eine nachhaltige und zukunftsorientierte Forstwirtschaft aus?

Mehr

Mas­si­ve Schä­den - Ein­satz für die Wäl­der (Thema:Wald)

Stürme, die extreme Dürre, überdurchschnittlich viele Waldbrände und Borkenkäferbefall – das hat den Wäldern in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren immens zugesetzt. Setzt sich die trockene Wetterlage fort, stehen die Wälder auch 2020 vor enormen Herausforderungen.

Mehr

Verwandte Themen

Hinweis zur Verwendung von Cookies

Diese Seite verwendet Cookies, damit Sie Funktionalitäten in vollem Umfang nutzen können, wie z.B. die Bestellung von Publikationen im Warenkorb. Nähere Informationen dazu finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.