Anwendung und Abgabe von Tierarzneimitteln durch Tierheilpraktiker

Antworten auf die Fragen des Fachverbandes niedergelassener Tierheilpraktiker

Immer wieder werden Fragen gestellt, die die Anwendung und Abgabe von Tierarzneimitteln auch durch Tierheilpraktiker oder andere Personen betreffen, die sich als "Nicht-Tierärzte" um die Gesundheit von Tieren kümmern. Die arzneimittelrechtlichen Vorgaben des Gesetzes über den Verkehr mit Arzneimitteln (Arzneimittelgesetz, AMG) richten sich in bestimmten Fällen auch an diesen Personenkreis.

Gibt es für die Anwendung von apothekenpflichtigen Arzneimitteln Einschränkungen bei Kleintieren aus der Sicht des Tierheilpraktikers oder des Tierhalters?

Apothekenpflichtige Arzneimittel dürfen vom Tierhalter oder Tierheilpraktiker erworben und bei Tieren angewendet werden. Dabei gelten die Einschränkungen des § 58 AMG hinsichtlich Tierarten, Anwendungsgebieten und Dosierung für die Anwendung bei Tieren, die nicht der Gewinnung von Lebensmitteln dienen, nicht.

Dürfen frei verkäufliche Tierarzneimittel im Zuge der Therapie abgegeben werden?

Frei verkäufliche Arzneimittel dürfen abgegeben werden, sofern eine Person mit der erforderlichen Sachkenntnis nach § 50 AMG vorhanden ist. Ein Sachkundenachweis ist gemäß § 60 Abs. 1 AMG nicht erforderlich bei Abgabe frei verkäuflicher Arzneimittel, die ausschließlich zur Anwendung bei den dort genannten Heimtieren bestimmt sind.

Dürfen einzelne Pflanzen, die der Apothekenpflicht nicht unterliegen, an Tiere als Arzneimittel abgegeben werden?

Werden Pflanzen zu therapeutischen Zwecken eingesetzt, handelt es sich um Arzneimittel, die den arzneimittelrechtlichen Vorschriften – unter anderem der Zulassungspflicht – unterliegen. Die Abgabe solcher Pflanzen ohne entsprechende Zulassung und außerhalb der zulässigen Vertriebswege (Apotheke, eventuell Einzelhandel mit freiverkäuflichen Arzneimitteln) ist nicht erlaubt.

Dürfen Bachblüten, welche frei verkäuflich erworben werden, bei Tieren, die der Lebensmittelgewinnung dienen, angewendet werden?

Für Bachblüten sieht das Arzneimittelrecht keine speziellen Regelungen vor. Soweit Bachblüten unter den Arzneimittelbegriff fallen, sind die für andere Arzneimittel geltenden Regelungen des Arzneimittelgesetzes anzuwenden.

Dürfen homöopathische Einzelmittel ab einer Potenz von D6 bei Tieren, die der Lebensmittelgewinnung dienen, angewendet werden? Ist eine solche Anwendung erlaubt, wenn Sie entsprechend im Bestandsbuch dokumentiert wird?

Die Anwendung von apothekenpflichtigen Homöopathika bei Lebensmittel liefernden Tieren unterliegt ebenfalls den Regelungen des § 58 AMG, das heißt Tierhalter oder Tierheilpraktiker dürfen solche Homöopathika nur gemäß einer tierärztlichen Behandlungsanweisung oder für die in der Kennzeichnung oder Packungsbeilage bezeichneten Tierarten und entsprechend der angegebenen Dosierung und Anwendungsdauer anwenden. Zu frei verkäuflichen Homöopathika siehe die nächste Antwort.

Dürfen frei verkäufliche ätherische Öle im Zuge der Behandlung zur Inhalation auch bei Tieren angewendet werden, die der Lebensmittelgewinnung dienen?

Frei verkäufliche Arzneimittel dürfen bei Lebensmittel liefernden Tieren angewendet werden, sie unterliegen nicht den einschränkenden Vorschriften des § 58 AMG. Zu beachten sind allerdings die Vorschriften der unmittelbar geltenden EU-Verordnung (EU) Nr. 37/2010, nach der bei Lebensmittel liefernden Tieren nur pharmakologisch wirksame Stoffe angewendet werden dürfen, die im Anhang Tabelle I der Verordnung aufgeführt sind.

Gilt der § 56a im Arzneimittelgesetz nur für Tierärzte?

Ja, die Regelungen des § 56a AMG gelten nur für Tierärzte.

Fällt die Regelung für den Tierheilpraktiker unter § 57 AMG?

Tierheilpraktiker fallen unter § 57 Abs. 1 Satz 2 AMG ("andere Personen, die in § 47 Abs. 1 nicht genannt sind").

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