Fragen und Antworten zu Erntedaten und dem BMEL-Erntebericht

Hier finden Sie Fragen und Antworten dazu, wie die Ernteergebnisse für wichtige Ackerfrüchte festgestellt werden sowie zu den Zuständigkeiten von Bund und Bundesländern.

Wann liegen verlässliche bundesweite Zahlen zur Ernte 2019 vor?

Das erste vorläufige, amtlich festgestellte Ernteergebnis für Getreide und Raps wurde am 29. August 2019 von Bundesministerin Julia Klöckner vorgestellt und mit dem BMEL-Erntebericht dokumentiert. Einen Überblick über die Ergebnisse finden Sie hier. Den kompletten Bericht können Sie hier herunterladen. Das vorläufige Ergebnis der Kartoffelernte wird Ende September vorliegen.

Wer ist für die amtliche Ernteermittlung zuständig?

Es ist Aufgabe der statistischen Ämter in Deutschland die Erntemengen bei wichtigen landwirtschaftlichen Erzeugnissen festzustellen. Ziel der Erntestatistik ist, die Versorgungslage mit Grundnahrungsmitteln verlässlich einzuschätzen. Zudem spielen die Erntedaten für die Marktbeobachtung auf EU-Ebene, zunehmend aber auch im globalen Maßstab, eine wichtige Rolle.

Wie genau kommen die Erntezahlen des BMEL zustande?

Um die Erntemenge einer Fruchtart zu berechnen, werden die Erntefläche und der durchschnittliche Hektarertrag in der betrachteten Region benötigt. Diese Eckdaten werden in Deutschland aus drei dezentralen agrarstatistischen Erhebungen gewonnen:

  • der Bodennutzungshaupterhebung,
  • der Ernte- und Betriebsberichterstattung (EBE) und
  • der Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung (BEE).

Hierbei arbeiten die statistischen Ämter der Länder und des Bundes eng zusammen.

  • Die Arbeiten vor Ort führen die Landesämter durch. Sie stellen auch ihre jeweiligen Landesergebnisse zusammen und veröffentlichen diese in eigener Regie. Die Daten der Länder werden nach einem gemeinsam vereinbarten Zeitplan an das Statistische Bundesamt übermittelt und dort überprüft.
  • Aus den Länderergebnissen wird anschließend das Bundesergebnis berechnet. Eine Veröffentlichung von Bundesergebnissen ist grundsätzlich erst möglich, wenn alle Länderdaten vorliegen.

Erntebericht: Welche Rolle spielt die Bodennutzungshaupterhebung?

Die jährlich stattfindende Bodennutzungshaupterhebung liefert flächendeckende Daten über die Anbauflächen aller Ackerfrüchte und des Grünlandes. Diese Flächen werden als Ernteflächen zur Berechnung der Erntemengen zu Grunde gelegt.
Die vorläufigen Ergebnisse der Bodennutzungshaupterhebung 2019 wurden Anfang August vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht. Das endgültige Bundesergebnis folgt im November. Über die aktuell vorliegenden Anbauschätzungen aus der Ernte- und Betriebsberichterstattung (EBE) kann man sich hier informieren.

Erntebericht: Welche Rolle spielt die Ernte- und Betriebsberichterstattung (EBE)?

Die EBE wird für Feldfrüchte und Grünland, Reben und Weinmost sowie Obst durchgeführt. Für Feldfrüchte und Grünland findet sie im Zeitraum April bis Dezember statt.

Auf freiwilliger Basis berichten sachkundige Experten – in der Regel erfahrene Landwirtinnen und Landwirte – über die in ihrem Berichtsbezirk zu erwartenden durchschnittlichen Erträge. Das Merkmalsprogramm der Berichte variiert entsprechend dem Vegetationsverlauf.

  • Zum 30. Juni nehmen die Berichterstatter und -erstatterinnen eine erste Vorschätzung der Hektarerträge von Getreide und Ölfrüchten vor.
  • Zum 31. Juli wird die Vorschätzung aktualisiert.
  • Für die später erntereifen Ackerkulturen wie Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben stehen die Ertragsschätzungen in den Monaten August bis Oktober an.

Aus den Angaben der Berichterstatter und -erstatterinnen errechnet das jeweilige Statistische Landesamt die durchschnittlich gewogenen Hektarerträge. Anschließend wird für jede Fruchtart der Hektarertrag mit der Anbaufläche multipliziert und so die jeweilige Erntemenge errechnet.

Die Länderergebnisse werden entsprechend dem vereinbarten Terminplan an das Statistische Bundesamt übermittelt und dort zum Bundesergebnis weiterverarbeitet. Die EBE-Ergebnisse zum Stand 30. Juni wurden Anfang August veröffentlicht. Die Ergebnisse der weiteren EBE-Berichtsmonate werden sukzessive auf der Webseite des Statistischen Bundesamtes (StBA) veröffentlicht.

Welche Rolle spielt die Besondere Ernte- und Qualitätsermittlung (BEE)?

Durch die BEE werden die Ergebnisse der EBE für ausgewählte Fruchtarten (die wichtigsten Getreidearten, Raps und Kartoffeln) durch objektive Ertragsmessungen abgesichert. Diese Erhebung wurde 1948 eingeführt, um Kritik bezüglich mangelnder Objektivität der Ernteberichterstattung zu begegnen.

Durch das Agrarstatistikgesetz ist derzeit festgelegt, dass für die BEE bundesweit maximal 10.000 Felder herangezogen werden. Diese werden in einem Stichprobenplan des Statistischen Bundesamtes auf die Länder verteilt. Bei Getreide wird der Ertrag überwiegend, beim Raps ausschließlich, im sog. Volldruschverfahren ermittelt, d.h. die gesamte Erntemenge eines Probefeldes wird verwogen und anhand der Feldgröße der Hektarertrag ermittelt. Aus dem Erntegut werden zudem Proben gezogen.

Eine Teilmenge der Einzelproben geht an eine Untersuchungsanstalt im jeweiligen Bundesland. Dort werden der Feuchtegehalt, der Schwarzbesatz und der Auswuchs ermittelt. Der andere Teil wird an das Max Rubner-Institut in Detmold geliefert, wo weitergehende Qualitätsuntersuchungen (z. B. Rohproteingehalt und Backqualität bei Getreide, Ölgehalt bei Raps) durchgeführt werden.

Wann sind die Ergebnisse der Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung (BEE) verfügbar?

Auch bei der Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung (BEE) erfolgt die Datenaufbereitung zunächst auf der Länderebene. Die Daten werden ebenfalls nach einem vereinbarten Terminplan an das Statistische Bundesamt weitergeleitet. Dieser Terminplan berücksichtigt, dass es in Deutschland Früh- und Späterntegebiete gibt.

In einem normalen Erntejahr beginnt die Getreideernte – mit großen regionalen Unterschieden – meist im Juli und zieht sich bis in den September hin. In einigen Regionen begann die Wintergerstenernte 2019 bereits um den 20. Juni herum. In den Frühdruschregionen waren mancherorts die Erntearbeiten bereits Ende Juli abgeschlossen. Im August ist es jedoch aufgrund der wechselhaften Witterung immer wieder zu Unterbrechungen der Erntearbeiten gekommen.

Wie beziehungsweise wo werden die Ernteergebnisse veröffentlicht?

Das vorläufige erste Ernteergebnis für Getreide und Raps hat das BMEL am 29. August 2019 mit dem BMEL-Erntebericht veröffentlicht. Die endgültigen Ernteergebnisse werden in der Publikation "Wachstum und Ernte – Feldfrüchte" des StBA bereitgestellt.

Zudem gibt es einen Abschlussbericht zur Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung (BEE), der neben den rein mengenmäßigen Ergebnissen auch Informationen zur Erntequalität enthält. Der Abschlussbericht zur BEE 2018 ist hier verfügbar, der Bericht für das Erntejahr 2019 wird erst 2020 erscheinen.

Erntebericht: Wie unterscheiden sich die Zahlen des BMEL von Schätzungen?

Die amtlich festgestellten Ergebnisse basieren für die wichtigsten Feldfrüchte auf tatsächlich ermittelten Ernteergebnissen von bis zu 10.000 Probeflächen (Feldern), die über das gesamte Bundesgebiet verteilt sind. Dadurch ergibt sich ein repräsentatives Bild über die Ernte in den Bundesländern und für Deutschland insgesamt.

Daneben gibt es Schätzungen von Wirtschaftsbeteiligten, z. B. vom Deutschen Raiffeisenverband und vom Deutschen Bauernverband, die sich im Wesentlichen auf Umfragen unter ihren Mitgliedern stützen. Die daraus entstehenden Prognosen tragen zur Lageeinschätzung bei, liefern aber keine repräsentativen Ergebnisse.

Warum sind die Erntedaten bei Extremwetterereignissen besonders relevant?

Die Erntedaten stellen eine wichtige Grundlage dar, um das Ausmaß von Schäden in der Landwirtschaft durch Extremwetterereignisse einzuschätzen.

Lediglich wenn das Schadensereignis als "Ereignis von nationalem Ausmaß" eingestuft wird, kann der Bund finanzielle Hilfe für Forst- und Landwirtschaft leisten - ausnahmsweise im Rahmen der "gesamtstaatlichen Repräsentation". Dazu müssen die Gesamtumstände bewertet werden.

Bundesministerin Klöckner hat aufgrund des Ernteberichts und der Schadensmeldungen der Länder die extreme Trockenheit 2018 als ein solches außergewöhnliches Witterungsereignis nationalen Ausmaßes eingestuft.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier: Fragen und Antworten zu Extremwetter, Hilfen, Risikomanagement und Prävention

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