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Das Tierwohl-Label soll einen möglichst hohen Marktanteil erreichen

Datum:
05.05.17

Bundesminister Christian Schmidt spricht im Interview mit der "Passauer Neuen Presse" über das Tierwohllabel, Tierschutz, Umweltpolitik und die EU-Agrarpolitik.

Frage: Herr Schmidt, das Tierwohl-Label war eines ihrer wichtigen Ziele. Jetzt entzieht Ihnen der Tierschutzbund die Unterstützung, auch dem Koalitionspartner SPD sind die Anforderungen zu weich. Werden Sie noch nachbessern?

Christian Schmidt: Ich habe ein klares Ziel: Das Label soll einen möglichst hohen Marktanteil erreichen. Ich schätze auch die Arbeit des Tierschutzbundes. Und ich lade weiterhin alle Interessenvertreter ein, sich am weiteren Prozess zu beteiligen, um ein gutes Label zum Wohl der Tiere zu erreichen. Aber damit sich keiner täuscht: Das wird ein staatliches Tierwohl-Label.

Frage: 55 Prozent mehr Platz für Schweine: Greenpeace sieht darin Augenwischerei...

Christian Schmidt: Ein Tierwohl-Label ist nur dann erfolgreich, wenn es vom Verbraucher angenommen wird, wenn die Menschen das teurere Fleisch auch kaufen. Ein Wettbewerb "höher, schneller, weiter" wird beim Tierwohl nicht funktionieren, weil das Pfund Schweinefleisch dann ein Vielfaches mehr kostet. Das zahlt kaum jemand. Ich will aber, dass möglichst viele Landwirte mitmachen und sich Haltungsbedingungen auf breiter Front verbessern. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich meine Position durchsetzen wird.

Frage: Wird Verbrauchern nicht suggeriert, sie kauften Fleisch glücklicher Schweine und Kühe, obwohl die Anforderungen weit von ökologischer Tierhaltung entfernt sind?

Christian Schmidt: Wir wollen kein Öko-Label kopieren. Mir geht es darum, auch den Verbrauchern, die auf erschwingliche Lebensmittel angewiesen sind, ein verlässliches und transparentes Angebot zu machen.

Frage: Wann legen Sie den Gesetzentwurf vor?

Christian Schmidt: Die Legislaturperiode neigt sich dem Ende zu, realistischer Weise wird ein Gesetz nicht mehr zu schaffen sein. Die Eckpunkte werde ich aber noch vor der Wahl vorlegen. Die Gesetzgebung wird zur Aufgabe für den neuen Bundestag, der im September gewählt wird.

Frage: Sie blockieren Pläne von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) gegen Megatierställe, auch bei der zu hohen Nitratbelastung durch Düngemittel geht es nicht voran. Hat für Sie die Agrarwirtschaft Vorrang vor dem Umweltschutz, wie es Ihnen Ihre Kritiker vorwerfen?

Christian Schmidt: A saudumm's G'red. Ich stelle fest, dass die Umweltpolitiker immer eindimensionaler denken und nicht mehr über ihren Tellerrand hinausschauen. Landwirtschaftspolitik und Umweltpolitik müssen ineinander übergehen. Nur, wenn wir gemeinsam über Genehmigungsverfahren und Nutztierställe reden, werden wir Umweltschutz und die Anliegen der Landwirtschaft zusammenbekommen. Leider hat die Umweltministerin mit ihrer schäbigen "Bauernregel"-Kampagne das Klima sehr belastet.

Frage: Wann ist Schluss mit dem Kükenschreddern?

Christian Schmidt: Die Wissenschaft hat funktionierende Technologien zur Geschlechtsbestimmung im Ei entwickelt. Ich werde jetzt den nächsten Schritt - den Praxistest - in diesem Sommer präsentieren. Der Einstieg in den Ausstieg wird also fristgerecht geschafft. Eine andere Politik als mein Weg der technischen Lösung, also etwa ein Verbot per Gesetz, würde Brütereien lediglich ins Ausland verlagern, wo das Schreddern weitergeht. Das will ich verhindern.

Frage: Die Landwirte machen sich Sorgen, nach dem Brexit würden die Agrarbeihilfen gekürzt werden, weil es weniger EU-Mittel zu verteilen gibt. Eine berechtigte Sorge?

Christian Schmidt: Ich verstehe die Sorge. Wir arbeiten hart daran, dass sie nicht Realität wird. Aber faktisch werden wir nach dem Brexit weniger Geld in der EU-Kasse haben. Deshalb werden wir die Agrarförderung stärker fokussieren

Quelle: Passauer Neue Presse vom 05. Mai 2017

Fragen von:
Tobias Schmidt

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