BMEL

Service

Logo des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz - zur Startseite

Wir bevormunden niemanden.

Datum:
14.06.17

Bundesminister Christian Schmidt spricht im Interview mit der "Saarbrücker Zeitung" über Ernährung und die Nationale Strategie für die Reduzierung von Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten

Frage: Herr Minister, wollen Sie den Deutschen das Essen vermiesen?

Christian Schmidt: Natürlich nicht! Essen ist Genuss und Lebensfreude. Aber ich muss als Bundesernährungsminister auch die Gesundheit der Verbraucher im Blick haben. Jeder soll essen, was er will und viele Menschen mögen Fertigprodukte. Diese enthalten aber viel Zucker, Salz und Fett. Das wollen wir ändern – ohne den Geschmack zu beeinflussen. Deshalb habe ich eine Reduktionsstrategie für Fertigprodukte vorgelegt.

Frage: Aber ist Aufklärung nicht besser als gesetzliche Bevormundung?

Christian Schmidt: Wir bevormunden niemanden. Eine gesunde Ernährung ist nur durch umfangreiche Informationen, Transparenz bei der Zusammensetzung der Lebensmittel und durch Ernährungsbildung, möglichst als Schulfach, möglich. Ich verfolge einen ganzheitlichen Ansatz. Wir wollen keine Kühlschrank-Polizei einführen. Die Nationale Strategie für die Reduzierung von Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten ist ein Baustein in unserer ernährungspolitischen Gesamtstrategie.

Frage: Was planen Sie konkret?

Christian Schmidt: Unser Ziel ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Dabei setzen wir vielfältig an. Ernährungsbildung ist ein Baustein. Die Reformulierung, also die Änderung von Rezepturen, ist ein anderer. Übrigens hat auch der Deutsche Bundestag die Bundesregierung im Juni 2015 aufgefordert, eine nationale Strategie zur Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in Fertigprodukten vorzulegen. Zudem wurden die EU-Mitgliedstaaten im vergangenen Jahr aufgefordert, bis Ende 2017 einen entsprechenden nationalen Plan zu erarbeiten. Übrigens sagen auch viele Wissenschaftler, dass die Reduzierung des Zucker-, Salz- und Fettgehalts in Fertigprodukten dazu beiträgt, das Risiko für ernährungsmitbedingte Krankheiten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes Typ 2, zu senken.

Frage: Welche Produkte werden davon betroffen sein?

Christian Schmidt: Mit unserer Reduktionsstrategie konzentrieren wir uns zunächst auf zuckergesüßte Erfrischungsgetränke, Brot und Brötchen, Frühstückscerealien, Joghurt- und Quarkzubereitungen sowie Tiefkühl-Pizzen. Mit Blick auf diese Produktgruppen werden wir jetzt den Dialog mit den Herstellern intensivieren.

Frage: Wie sind in der Lebensmittelwirtschaft die Reaktionen?

Christian Schmidt: Wir setzen darauf, dass die Hersteller freiwillig Zielvereinbarungen für die genannten Produktgruppen abschließen, um den Gehalt an Zucker, Fett und Salz zu reduzieren. Übrigens: Nestlé hat gerade angekündigt, Salz im Maggi zu reduzieren. Und auch Coca Cola bastelt regelmäßig an Rezepten, um ohne Geschmackseinbußen möglichst viel Zucker weglassen zu können. Ich denke, die ersten Unternehmen erkennen gesündere Lebensmittel als Wettbewerbsvorteil.

Quelle: Saarbrücker Zeitung vom 14. Juni 2017

Fragen von:
Hagen Strauß

Unternavigation aller Website-Bereiche