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Schweinepest - Virus ist keine Gefahr für Menschen

Datum:
09.01.18

Bundesminister Christian Schmidt spricht im Interview mit der "Passauer Neuen Presse" über die Afrikanische Schweinepest

Frage: Herr Schmidt, die Afrikanische Schweinepest breitet sich in Osteuropa aus und nimmt Kurs auf Deutschland. Die Bauern fürchten Schäden in Milliardenhöhe. Was kommt auf Deutschland zu?

Christian Schmidt: Die Lage ist durchaus ernst. Wir versuchen, uns bestmöglich vorzubereiten. Trotzdem kann und muss vom Schweinehalter über den Händler bis zum Reisenden jeder helfen, die Ausbreitung zu verhindern: Wer aus Osteuropa nach Deutschland kommt, darf mitgebrachte Wurstwaren nicht unachtsam am Straßenrand wegwerfen. In ihnen kann der Erreger stecken, der dann wiederum Wildschweine infiziert, die sich über solche Abfälle hermachen. Auf diese Weise wird der Erreger oft über Hunderte Kilometer transportiert. Für Schweinehalter ist entscheidend, die Bestände gegenüber Wildschweinen abzuschotten. Wichtig ist auch, Transportfahrzeuge konsequent zu reinigen und zu desinfizieren. Für den Menschen besteht durch das Virus aber keine Gefahr.

Frage: Was muss getan werden, um die Pest einzudämmen und von Deutschland fernzuhalten? Braucht es Prämien für den Abschuss von Wildschweinen?

Christian Schmidt: Zuallererst gilt es, strikte Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen in den schweinehaltenden Betrieben und beim Transport sicherzustellen. Das Virus kann direkt von Schwein zu Schwein oder über kontaminierte Gegenstände und über vom Schwein stammende Lebensmittel übertragen werden. Wir stehen mit den Ländern in intensivem Austausch, um im Ernstfall zu einem möglichst einheitlichen Vorgehen zu kommen. Es ist Aufgabe der Länder, Kontrollen durchzuführen und im Ernstfall unmittelbare Maßnahmen vor Ort einzuleiten. Ich werde das Thema daher auch nächste Woche bei der Agrarministerkonferenz in Berlin mit meinen Länderkollegenbesprechen. Außerdem haben wir in Vorbereitung eines möglichen Ausbruchs in Deutschland einen Monitoring-Plan für Schwarzwild bei der Kommission eingereicht. Dazu sind wir auch mit den Jägern im Gespräch. Die Schwarzwilddichte zu verringern ist übrigens entscheidend, um das Risiko der Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland zu minimieren.

Frage: In den Bundesländern wächst der Ärger, der Bund habe nicht ausreichend vorgebeugt. Ein berechtigter Vorwurf?

Christian Schmidt: Nein - ich sehe keine Grundlage für diese Anwürfe. Wir haben bereits unmittelbar nach Bekanntwerden der Fälle in der Tschechischen Republik die gefährdeten Betriebszweige sensibilisiert. Seit Anfang August läuft eine Aufklärungskampagne an Autobahnraststätten, Parkplätzen und Autohöfen. In insgesamt elf Bundesländern wird hierbei auf Warnplakaten über die Afrikanische Schweinepest informiert. Außerdem werden an der Grenze Handzettel mit denselben Warnhinweisen an Lkw-Fahrer ausgehändigt. Im September habe ich mich in Prag mit meinem tschechischen Amtskollegen getroffen und die Etablierung einer Arbeitsgruppe vereinbart. Dort können wir die Erfahrungen aus Tschechien auch für uns nutzbar machen. Zusätzlich wurde im November mit den Ländern eine Krisenübung durchgeführt, um uns auf einen möglichen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest vorzubereiten.

Quelle: Passauer Neue Presse vom 09. Januar 2018

Fragen von:
Tobias Schmidt

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