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BILD-Interview mit der designierten Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner

Datum:
06.03.18

Julia Klöckner (45, CDU) ist die designierte Landwirtschaftsministerin in der neuen Großen Koalition. BILD sprach mit ihr über Fleisch, Heimat und Kanzlerin Angela Merkel.

Frage: Frau Klöckner, bei Bauern und Feldern denken viele an Heimat. Aber jetzt heißt das Innenministerium Heimat-Ministerium ...

Julia Klöckner: Wir wollen an einem Strang ziehen. Es ist gut so, dass die Stärkung des ländlichen Raumes Aufgabe des Landwirtschaftsministeriums ist, mit den dazugehörigen Geldern. Das ist mir sehr wichtig.

Frage: Wie macht man aus Geld Heimat oder Heimatgefühl?

Julia Klöckner: Heimat ist sicher für jeden etwas anderes. Die kann man nicht kaufen. Aber wir können Bedingungen schaffen, dass die Bürger sich auch im ländlichen Raum wohl und nicht abgehängt fühlen.

Frage: Was ist Heimat?

Julia Klöckner: Meine Heimat ist Guldental, das Weingut meiner Familie, wo ich aufgewachsen bin. Heimat ist sozusagen auch ein Stück Scholle. Daheim zu sein, ist natürlich viel mehr, als eine Adresse zu haben: Heimat sind vor allem auch Menschen und manchmal sogar ein vertrauter Geruch.

Frage: Welcher?

Julia Klöckner: Bei mir ist es der Geruch einer frisch gemähten Wiese und von Heu. Ich habe als Kind geholfen, Heu für unsere Tiere und mein Pferd zu machen. Und im Herbst ist es der Geruch von Hefe, der über unserem Ort liegt, wenn der Traubenmost zu gären beginnt.

Frage: Passt ein umstrittener Unkrautvernichter wie Glyphosat zu dieser Idylle?

Julia Klöckner: Wir haben den Glyphosat-Einsatz bereits deutlich reduziert, werden es weiter tun und ihn am Ende ganz überflüssig machen.

Frage: Ist die industrialisierte, hoch technisierte deutsche Landwirtschaft noch die richtige?

Julia Klöckner: Die deutsche Landwirtschaft ist vielfältig. Wir brauchen die konventionelle und ökologische Bewirtschaftung, keine ideologischen Grabenkämpfe. Wichtig für die Agrarstruktur und die ländlichen Regionen ist es, flächendeckend familiengeführte Betriebe zu haben. Sie leisten einen wichtigen Beitrag dazu, die ländlichen Regionen attraktiv und lebenswert zu halten, weil Landwirtschaft auch Landschaftspflege ist. Man muss vor allem auch von der Landwirtschaft leben können, sonst übernimmt nämlich niemand mehr die Höfe.

Frage: Was halten Sie für zukunftsfähiger: konventionelle oder ökologische Landwirtschaft?

Julia Klöckner: Wir sollten das nicht gegeneinander ausspielen, ich will eine Politik ohne Ideologie.

Frage: Wovor haben Sie am meisten Angst im neuen Amt? Einem Lebensmittelskandal oder der Schweinepest?

Julia Klöckner: Angst ist kein guter Ratgeber. Vorausschau und Prävention sind wichtig. Die Schweinepest müssen wir von Deutschland fernhalten, damit nicht die Ställe infiziert und Tiere getötet werden müssen. Das geht auch an die wirtschaftliche Existenz der Bauern. Für die Verbraucher besteht keine Gefahr, aber für die meisten Übertragungen dieser Schweinepest ist leider der Mensch verantwortlich.

Frage: Das Landwirtschaftsministerium gilt als ein weniger wichtiges Ministerium. Stört Sie das?

Julia Klöckner: Wenn Lebensmittelskandale oder Tierseuchen die Schlagzeilen bestimmen, ist es sehr schnell ein sehr gefragtes Ministerium. Für mich ist das Landwirtschaftsministerium aber das 'Lebensministerium'. Hier geht es um die Lebens- und Alltagsthemen der Menschen, um Essen und Trinken, um Natur und Schöpfung, um das Tierwohl und die Versorgung der Bevölkerung. Die Themen, die wir dort beackern, betreffen jeden. Und es geht um die Zukunft eines modernen Berufsstandes. All das hat noch dazu viel mit den Regionen zu tun, mit Heimat.

Frage: Muss man heute Vegetarier sein, um ein moderner Landwirtschaftsminister zu sein?

Julia Klöckner: Muss man nicht. Ich esse auch Fleisch und Wurst.

Frage: Und wie oft?

Julia Klöckner: Ab und zu, nicht jeden Tag – früher hieß es ja auch 'Sonntagsbraten', das hatte seinen guten Grund. Eine ausgewogene Ernährung ist gut für das eigene Wohlbefinden, sie hilft auch der Landwirtschaft und der Umwelt. Denn viel liegt an uns, den Verbrauchern und unserem Nachfrageverhalten.

Frage: Frau Klöckner, Sie sind nicht nur bald Ministerin, sondern auch CDU-Vizevorsitzende und müssen es ja wissen: Wie lange regiert Angela Merkel noch?

Julia Klöckner: Die Kanzlerin ist für vier Jahre gewählt und will vier Jahre ihr Amt ausüben. Haben Sie Zweifel?

Frage: Sie?

Julia Klöckner: Nein

Frage: Aber eines ist doch sicher: Es ist die letzte Amtszeit der Kanzlerin. Was macht das aus?

Julia Klöckner: Alles zu seiner Zeit. Jetzt lassen Sie uns doch erst mal loslegen – das erwarten die Bürger zu Recht von uns. In dieser Wahlperiode wird es noch viel stärker darauf ankommen, neben den Problemen auch die Gefühle und Ängste der Menschen aufzugreifen.

Frage: Ein Beispiel?

Julia Klöckner: Bei uns in Rheinland-Pfalz hat sich die rot-gelb-grüne Landesregierung geweigert, die rechtlich mögliche Wohnsitzpflicht für anerkannte Asylbewerber zu verhängen. Ergebnis: In Pirmasens ist der Zuzug von Asylbewerbern mittlerweile so groß, dass der Oberbürgermeister jetzt die Notbremse gezogen hat. Für die Kindergärten und Schulen und die Einwohner ist das eine enorme Herausforderung. Integration passiert ja nicht von selbst.

Frage: Warum kann der Bund nicht eingreifen?

Julia Klöckner: Weil die Länder die Zuständigkeit haben.

Frage: Das wird keinen Bürger wirklich überzeugen. Was entscheidet über die Integration der Zugewanderten?

Julia Klöckner: Die Rolle der Frau ist entscheidend für den Integrationserfolg. Wir müssen die Frauen unter den Zuwanderern und Flüchtlingen stärken. Wir reden in Deutschland viel über ‚equal pay‘, gleiche Bezahlung von Mann und Frau. Aber in vielen arabisch-patriarchalisch geprägten Familien müssen die Frauen erst ihre Väter und Brüder fragen, ob sie überhaupt arbeiten gehen dürfen. Nur wenn wir die Selbstbestimmung dieser Frauen fördern und wenn wir Macho-Männern deutlich machen, dass ihre Frauen und die Frauen, die hier geboren sind, gleich viel wert sind wie Männer, nur dann werden sie auch in unserer Gesellschaft richtig ankommen können.

Quelle: BILD-Zeitung vom 06. März 2018

Fragen von:
BILD-Politik-Chef Nikolaus Blome und BILD-Redakteur Ralf Schuler

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