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Es geht nicht nur um Bio.

Datum:
28.06.18

Bundesministerin Julia Klöckner im Interview mit der "Passauer Neue Presse" über Ökologischen Landbau, EU-Agrarpolitik, Bienen und Wolfsmanagment

Frage: "Zukunft wächst auf dem Land” lautet das Motto des Bauerntages des Bauernverbandes. Wie soll diese Zukunft aussehen? Ist es Zeit für eine Agrarwende?

Julia Klöckner: Der Bauernverband und ich als Ministerin sind in einem konstruktiven Miteinander. Agrarwende - das ist eine große Überschrift. Die Landwirtschaft in der heutigen Zeit hat mit dem, was wir in der Kindheit erlebt haben, nichts mehr zu tun. Das liegt am technischen Fortschritt, am internationalen Handel, an den Verbraucherwünschen und an der Modernisierung in der Landwirtschaft. Der Präzisionsackerbau etwa wird die Landwirtschaft spürbar verändern.

Frage: Die Bio-Landwirtschaft wächst. Müsste hier nicht stärker gefördert werden?

Julia Klöckner: Wir sind bei einem Anteil von rund acht Prozent. Der Markt wächst, Boom würde anders aussehen. Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland wollen genau wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen. Ihnen ist Regionales wichtig, und sie wollen den Produzenten kennen. Da geht es nicht nur um Bio, es geht beispielsweise auch um Fragen des Tierwohls. Wir werden jetzt die Öko-Landwirtschaft noch einmal mit zehn Millionen zusätzlich fördern und kommen auf 30 Millionen. Am Ende entscheidet jeder Bauer als Unternehmer selbst, ob er konventionell oder biologisch erzeugt. Für den ökologischen Fußabdruck frage ich mich schon, ob die Bio-Kartoffeln aus Ägypten immer besser sind als die konventionellen aus der Region um die Ecke.

Frage: Ab 2020 werden deutsche Bauern rund 3,1Milliarden weniger Agrarsubventionen erhalten. Wie kann dies ausgeglichen werden?

Julia Klöckner: Uns liegt zum einen der Vorschlag von EU-Agrarkommissar Hogan für den künftigen Kurs der Landwirtschaft in der Europäischen Union vor. Zusätzlich gibt es den Vorschlag für den mehrjährigen Finanzrahmen von Kommissar Oettinger. Und wir haben den Koalitionsvertrag: Darin haben sich Union und SPD darauf verständigt, dass wir für die Gemeinsame Agrarpolitik eine Haushaltsausstattung im bisherigen Volumen anstreben. Vor allem brauchen wir eine deutliche Vereinfachung der GAP, also spürbar weniger Bürokratie. Gute Lebensmittel werden nun einmal nicht am Schreibtisch gemacht. Wir wollen eine flächendeckende, bäuerliche Landwirtschaft in Deutschland und Europa erhalten. Mein Ziel ist, dass die Fördermittel bei den Landwirten ankommen und nicht bei irgendwelchen Hedgefonds.

Frage: Aber der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln führt zu einemverstärkten Insektensterben. Besonders betroffen sind offenbar die Bienen. Wie lässt sich dies verhindern?

Julia Klöckner: Die Landwirtschaft verdient den Schwarzen Peter nicht allein für alles. Auch die enorme Lichtverschmutzung ist beispielsweise ein Problem. Wenn nachts große Flächen beleuchtet werden, kommen die Insekten dort nicht zur Ruhe und finden keinen Rückzugsraum. Um künftig auf wissenschaftlicher Basis zu handeln, werden wir ein Insekten-Monitoring einführen. Mit unseren slowenischen Kollegen haben wir bereits eine Bienenallianz geschlossen. Gemeinsam werden wir sogenannte Bienenbüffets fördern. Die brauchen wir in der Landwirtschaft, aber auch auf Wiesen oder heimischen Balkonen. Es muss ein Ziel unserer zukünftigen Anbaustrategien sein, die Biodiversität zu fördern. Einige Neonikotinoide zum Beispiel, die nachweislich schädlich für Bienen sein können, haben wir bereits verboten.

Frage: Wie sollte man mit der steigenden Zahl von Wölfen umgehen

Julia Klöckner: Dort, wo der Wolf keine natürlichen Feinde und auch keine Scheu mehr vor Menschen hat, müssen wir natürlich reagieren. Wir haben mit dem Wolf enorme Probleme in dicht besiedelten und tierhaltenden Regionen. Wenn massenweise Schafe gerissen werden, ist das ein wirtschaftlicher Schaden für den Tierhalter und bedeutet auch Unruhe und Stress für die ganze Herde. Wir brauchen ein effektives Wolfsmanagement. Basis dafür ist das Wissen um die Entwicklung der Bestände. Wo der gewünschte
Erhaltungszustand des Wolfes erreicht ist, kann entsprechend reagiert werden. Es geht hier auch um Prävention und Entnahme.

Quelle: Passauer Neue Presse vom 26. Juni 2018

Fragen von:
Andreas Herholz

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