Plastikmüll bekämpfen – Deutschland tritt internationaler Initiative gegen "Geisternetze" bei

Um das Problem sogenannter Geisternetze im Meer zu bekämpfen, ist Deutschland der "Global Ghost Gear Initiative" (GGGI) beigetreten. Zum Auftakt der dritten und richtungsweisenden Verhandlungsrunde für ein weltweites Abkommen gegen Plastikmüll in Nairobi am heutigen Montag, verkündeten das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) den Beitritt nun auch offiziell.

In der Initiative arbeiten viele internationale Partner aus Regierungen, Wissenschaft und dem Fischereisektor gemeinsam daran, Geisternetze aus dem Meer zu entfernen, das Abhandenkommen weiteren Fischereigeräts zu verhindern – und somit die Vermüllung der Meere zu bekämpfen. Mit dem Beitritt zur Initiative übernimmt Deutschland international weiter eine aktive Rolle im Kampf gegen Plastikverschmutzung auf See und baut auf den eigenen Arbeiten bei G7 und G20 auf.

Die Verschmutzung durch Plastikmüll ist nach wie vor ein enormes Umweltproblem. Geisternetze und andere Hinterlassenschaften der Fischerei machen weltweit mittlerweile bis zu 50 Prozent des Plastikmülls im Meer aus. Die Folgen für das Leben im Meer sind fatal: Fische, Wale, Vögel und viele andere Lebewesen verfangen sich in den umhertreibenden Netzen und verenden qualvoll darin. Zudem haben sich alte Netze über die Jahrzehnte am Meeresboden gesammelt und verstärken das Problem. Darüber hinaus zerfallen die Netze zu Mikroplastik und gefährden dadurch auch die Gesundheit der Menschen. Meereslebewesen nehmen die mikroskopisch kleinen Partikel über die Nahrung auf. So reichert es sich in der Nahrungskette an.

Bei den aktuellen Verhandlungen des globalen Plastikabkommens in Nairobi leitet Deutschland, zusammen mit Palau als Vertreter der oftmals besonders betroffenen Inselstaaten, die zentrale Verhandlungsgruppe zu den materiellen Inhalten des Abkommens. Im Vordergrund der Verhandlungen stehen zentrale Themen wie die Regulierung der Plastikproduktion und –nachfrage, die Reduktion des Einsatzes von fossilen Rohstoffen und die Gestaltung von Plastikprodukten, um nicht toxische und möglichst geschlossene Kreisläufe zu realisieren. Das Ziel ist, dass unnötiges und schädliches Plastik und derartige Produkte vom Markt verschwinden oder gar nicht erst dorthin gelangen. Zudem geht es darum, wie die Weltgemeinschaft der gemeinsamen Verantwortung verursachergerecht, auch finanziell, genügen kann.

Hintergrund:

Die "Global Ghost Gear Initiative" (GGGI) bringt unterschiedliche Stakeholder zusammen, einschließlich Vertreter*innen aus dem Fischereisektor, der Verarbeitungsindustrie sowie den Produzenten von Fischereigerät, NGOs, Wissenschaft, nationale Regierungen, UN-Behörden und viele mehr.

Mit dem Beitritt zur GGGI wird ein Staat Mitglied des politischen Beratungsgremiums "Government member roundtable", zu dem nur Mitglieder Zugang haben. Derzeit sind dort 20 Staaten Mitglied u.a. vier EU-Mitgliedsstaaten (Spanien, Schweden, Belgien, Niederlande). Über die EU-Mitgliedstaaten hinaus sind weitere unmittelbar benachbarte Fischereinationen wie Großbritannien, Norwegen und Island Mitglieder der GGGI.
Eine neue niederländische Studie. aus diesem Jahr, veröffentlicht im Fachblatt Nature Geoscience, kommt zu folgenden Berechnungen: Demnach gelangen jährlich weltweit etwa 500 000 Tonnen Plastikmüll in die Meere. Knapp die Hälfte (45 bis 48 Prozent) davon stammt aus der Fischerei, rund 40 Prozent (39 bis 42 Prozent) gelangen von Küsten in die Meere und der Rest (12 bis 13 Prozent) über Flüsse. Auch in Europa besteht das Problem, wenn auch in geringerem Ausmaß.

Laut eher konservativer Schätzungen der Welternährungsorganisation (FAO) landen jährlich weltweit rund 25.000 Fischernetze bzw. Teile davon in den Meeren. Sie bleiben teilweise "fängig", d.h. Fische, aber auch Meeressäuger und Meeresvögel, können sich verheddern und verstricken sich in ihnen und kommen - zumeist qualvoll - zu Tode.

Die ökonomischen Schäden können signifikant sein, wie eine Kanadische Studie zeigt.

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