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Bundeslandwirtschaftsministerium legt Erntebericht 2015 vor

Schmidt: “Die deutschen Landwirte haben insgesamt durchschnittliche Erträge eingefahren”

Die deutsche Getreide- und Rapsernte hat in diesem Jahr durchschnittliche Erträge gebracht. Das zeigt die aktuelle Erntebilanz des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

Dahinter steht allerdings eine ungewöhnlich große Spannweite von Ernteergebnissen, die je nach Standort sehr unterschiedlich ausfallen. Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt bewertet die durchschnittlichen Zahlen differenziert. "Fest steht, dass im Vergleich mit den Rekordergebnissen des Vorjahres meist deutlich geringere Erträge zu verzeichnen sind. Dennoch wurde der mehrjährige Durchschnitt der Jahre 2009 bis 2014 sogar noch etwas übertroffen. Gerade bei den wichtigsten Kulturen, Winterweizen und Wintergerste, liegen die Ergebnisse deutlich über den bisherigen Schätzungen." Bundesminister Schmidt hat aber auch diejenigen Betriebe im Blick, die unter den Ernteeinbußen leiden. "Trotz der durchschnittlichen Zahlen gibt es Betriebe, die als Folge der zum Teil bis in den Sommer hinein andauernden Trockenheit große Ertragseinbußen erlitten haben", sagte Schmidt.

Im Folgenden die wichtigsten Details zur Ernte:

Die deutsche Getreideernte wird einschließlich Körnermais insgesamt rund 48,2 Millionen Tonnen erreichen. Das mehrjährige Mittel (2009 - 2014: 46,8 Millionen Tonnen) wird damit leicht übertroffen (+ 3,0 Prozent). Dies ist das vorläufige Ergebnis der "Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung (BEE)" auf der Basis von repräsentativen Ertragsmessungen. Insgesamt wurde auf etwa 6,54 Millionen Hektar Getreide zur Körnergewinnung angebaut, eine etwas größere Fläche als im Vorjahr. Die Hektarerträge sind bei Getreide im Erntejahr 2015 durchschnittlich ausgefallen. Nimmt man alle Getreidearten zusammen, so erreicht der Hektarertrag nach den bisher vorliegenden Messungen 73,7 Dezitonnen und liegt damit um 8,4 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Das mehrjährige Mittel (71,2 Dezitonnen je Hektar) wird um 3,6 Prozent überschritten.

Die Vegetationsperiode 2014/15 war in weiten Teilen Deutschlands zunächst geprägt durch einen zu warmen und trockenen Herbst und einen milden Winter mit spätem Einsetzen der Winterruhe. Das Frühjahr 2015 war, wie schon im Vorjahr, zu warm, sonnenscheinreich und vor allem zu trocken. Allerdings traten im April und Mai noch immer einige Nächte mit Bodenfrost auf. Dies führte dazu, dass die Vegetation anders als im Vorjahr keinen wesentlichen Entwicklungsvorsprung aufwies. Kennzeichnend waren darüber hinaus vermehrt auftretende Extremwetterereignisse in Form einer verbreitet lang anhaltenden Trockenheit, wiederholter Hitzeperioden mit neuen Temperaturrekorden, aber auch regionaler unwetterartiger Entwicklungen mit teils erheblichem Schadenspotenzial.

Die Ernte der Wintergerste begann in diesem Jahr früh, in einigen Regionen bereits Ende Juni. Die Ernte der anderen, später reifen Getreidearten setzte generell im Süden deutlich früher ein als in Norddeutschland, wo im Monat Juli verträglichere Temperaturen herrschten und auch höhere Niederschläge zu verzeichnen waren. Zwar wurde die Ernte in vielen Gebieten durch Regenfälle unterbrochen, konnte aber dennoch in der Regel trocken eingebracht werden.

Weizen ist in Deutschland die wichtigste Getreideart: 26,4 Millionen Tonnen wurden geerntet, 5 Prozent weniger als im Vorjahr. Mehr als 98 Prozent dieser Menge entfällt auf Winterweizen, der zugleich – abgesehen von Körnermais – das höchste Ertragspotenzial unter den Getreidearten aufweist. In diesem Jahr werden für Winterweizen im Bundesdurchschnitt Hektarerträge von 81 Dezitonnen erreicht. In Norddeutschland liegen wie in den Vorjahren die Erträge noch wesentlich höher, auf leichten Böden wie etwa in Brandenburg oder auf von Trockenheit besonders betroffenen Standorten deutlich niedriger.

Die Roggenernte fällt 2015 mit 3,35 Millionen Tonnen deutlich geringer aus als die Ernte des Vorjahres (- 13 Prozent). Die Landwirte schränkten den Anbau geringfügig ein und die sehr guten Hektarerträge des vergangenen Jahres konnten bei Weitem nicht erreicht werden. Zur Nahrungsmittelproduktion in Deutschland werden weniger als eine Million Tonnen Roggen benötigt. Daher stehen recht große Mengen für andere Verwendungen sowie für den Export zur Verfügung.

Die Ernte der Wintergerste, der am frühesten abreifenden Getreidekultur, erbrachte Hektarerträge von 76,9 Dezitonnen, fast so viel wie im Vorjahr. Bei einer leicht ausgedehnten Anbaufläche übertrifft die Erntemenge mit 9,7 Millionen Tonnen diejenigen der letzten Jahre deutlich (+ 15,2 Prozent gegenüber dem mehrjährigen Mittel). Das Ertragsniveau der Sommergerste fiel mit 55 Dezitonnen pro Hektar am erfreulichsten aus. Von einer etwas gestiegenen Anbaufläche wurden etwa 2,03 Millionen Tonnen Sommergerste eingebracht, die zum überwiegenden Teil zur Herstellung von Braumalz verwendet wird.

Beim Hafer wurde bei mäßigen Erträgen die kleinste bisher verzeichnete Haferernte von nur 582 000 Tonnen eingebracht. Für den Körnermais ist 2015 ein problematisches Jahr. Er litt in seiner Entwicklung an vielen Standorten in besonderem Maße unter der Trockenheit. Auf Grund des späteren Erntezeitpunkts ist eine Ernteschätzung derzeit nur mit Einschränkungen möglich.

Die Qualität der Getreideernte 2015 ist sehr zufriedenstellend. Weizen verzeichnet im Durchschnitt einen etwas höheren Proteingehalt als im Vorjahr. Die Roggenernte zeigt gute bis sehr gute Backqualitäten.

Für die Preisbildung sind die Entwicklungen an den internationalen Märkten von erheblicher Bedeutung. Für die EU-28 geht die Europäische Kommission von einer Erntemenge aus, die niedriger als im Vorjahr, aber knapp über dem mehrjährigen Durchschnitt liegen wird. Die globalen Getreidemärkte sind derzeit relativ gut versorgt, auch wenn die weltweiten Erntemengen an Weizen und Mais nicht ganz an die Rekordwerte des Vorjahres heranreichen. Die relativ reichliche Marktversorgung prägte auch die Preisentwicklung an den internationalen Märkten. Der FAO-Index der Getreidepreise an den internationalen Märkten erreichte im Mai 2015 den tiefsten Stand seit fünf Jahren, bevor er dann wieder etwas anstieg. Für die Konkurrenzfähigkeit des deutschen Exports und das Preisniveau am Binnenmarkt wirkte sich die Abwertung des Euro zum US Dollar im letzten Wirtschaftsjahr positiv aus. Die Erzeugerpreise in Deutschland liegen, mit einer gewissen Bandbreite, etwa auf dem vergleichbaren Vorjahresniveau, wobei Futterweizen mit + 7 Prozent im Jahresvergleich am günstigsten abschneidet.

Die Ernte an Winterraps, der in Deutschland bedeutendsten Ölfrucht, fällt wegen eines verringerten Flächenumfangs und widriger Witterungsbedingungen klein aus. Daneben könnte auch Schädlingsbefall eine Rolle gespielt haben. Mit knapp 5,0 Millionen Tonnen liegt die Erntemenge um 20,0 Prozent unter der Erzeugung von 2014 und um 8,2 Prozent unter dem mehrjährigen Mittel. Die Ölgehalte der bisher im Rahmen der BEE untersuchten Rapsproben liegen im mehrjährigen Vergleich vergleichsweise hoch.

Übrige Kulturen

Im Kartoffelanbau entwickelten sich die Bestände witterungsbedingt langsamer als 2014. Während die Pflanzen zunächst von der im Boden gespeicherten Winterfeuchtigkeit profitieren konnten, machte die weit verbreitete Trockenheit den Beständen mit fortschreitender Vegetationsentwicklung zu schaffen. Insbesondere auf leichten und sandigen Standorten wurde daher frühzeitig mit der Beregnung begonnen. Da auch die Anbauflächen deutlich reduziert wurden, ist in diesem Jahr von einer allenfalls durchschnittlichen Kartoffelernte auszugehen.

Unter dem Eindruck der guten Vorjahresernte und mit Blick auf die Einhaltung der Lieferkontingente wurde die Anbaufläche für Zuckerrüben 2015 deutlich eingeschränkt. Aufgrund der Witterungsverhältnisse wird zudem ein niedrigerer Zuckerertrag je Hektar erwartet. Insgesamt wird die Zuckererzeugung daher in diesem Jahr sehr deutlich unter dem Vorjahresniveau liegen.

Infolge der Witterungsbedingungen war der Saisonstart bei den Obst- und Gemüsekulturen nicht ganz so früh wie im Vorjahr. Wegen der weit verbreiteten und lang anhaltenden Trockenheit musste vermehrt bewässert werden, und es kam teilweise zu Beeinträchtigungen bei Menge und Qualität. Die Erträge des Baumobstes – Äpfel, Kirschen, Zwetschgen, Pflaumen – liegen durchweg unter dem Vorjahresergebnis. Besonders stark fällt der Ertragsrückgang im Vergleich zur Rekordernte 2014 wegen der Alternanz bei Äpfeln aus, sowohl im Marktobstanbau als auch auf Streuobstflächen. Auch der Erdbeeranbau hatte mit der Trockenheit zu kämpfen. Aufgrund der Witterung waren die Früchte vielfach kleiner als üblich, dafür aber sehr aromatisch. Der Ertrag für Freilanderdbeeren liegt laut Vorerhebung unter dem Vorjahresergebnis, jedoch über dem mehrjährigen Mittelwert.

Die außergewöhnlich guten Bedingungen für den Spargelanbau des Vorjahres wiederholten sich in diesem Jahr nicht. Trotz der anhaltenden Ausweitung der Anbauflächen bleibt die Erntemenge nach Schätzung des Statistischen Bundesamts unter dem Vorjahresniveau. Ursächlich hierfür waren die kürzere Ernteperiode wegen des späteren Saisonstarts und die regionale Trockenheit während der Ernte. Dennoch liegt die Erntemenge über dem mehrjährigen Durchschnitt.

Beim Wein machte sich ebenfalls zeitweise Trockenstress bemerkbar. Als Tiefwurzler kommen die Reben jedoch besser als andere Kulturen mit Wassermangel zurecht. Das Ernteergebnis wird von den weiteren Wetterbedingungen bis zum Beginn der Hauptlese in einigen Wochen abhängen. Derzeit werden die Chancen für einen qualitativ herausragenden Jahrgang als gut angesehen.

Die ungleiche Verteilung der Niederschläge wirkte sich vor allem im Futterbau gravierend aus, wobei teilweise auf engem Raum erhebliche Unterschiede auftraten. Es gibt auch in diesem Jahr Betriebe mit normaler oder sogar überdurchschnittlicher Futterernte, insbesondere im Norden und im äußersten Süden. In vielen Betrieben stellt dagegen die Sicherung der Grundfutterversorgung für den Winter eine große Herausforderung dar, da die Erträge vom Grünland und aus dem Silomaisanbau vielfach nur mäßig waren oder es sogar zu Totalausfällen kam. Um diesen Betrieben zu helfen, wurde ausnahmsweise die Nutzung des Aufwuchses der brachliegenden ökologischen Vorrangflächen zur Verfütterung gestattet.

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