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Bundesministerin Klöckner, Präsident Mertz und Herr Kientzler stehen hinter einem Tisch mit Pflanzen Bundesministerin Julia Klöckner im Gespräch mit ZVG-Präsident Jürgen Mertz und Andreas Kientzler (v.l.n.r.) beim Besuch der Gärtnerei Kientzler., Quelle: BMEL

Julia Klöckner: “Ich mache mir Sorgen über den Rückgang der Gartenbau-Wissenschaften an den Universitäten.“

Bundesagrarministerin Julia Klöckner informierte sich bei ihrem Antrittsbesuch beim Zentralverband Gartenbau e.V. (ZVG) über den Gartenbaubetrieb Kientzler in Gensingen, der rund 70 Millionen Jungpflanzen international vertreibt. Vor Ort konnte sie sich vom innovativen Stand der Produktionstechnik zur Vermehrung und Anzucht von Zierpflanzen überzeugen und die Branchenthemen von der Ausbildung bis zum Pflanzenschutz besprechen. Lob gab es aus der Branche für das Bundesprogramm Energieeffizienz.

Situation der Gartenbauwissenschaft an den Universitäten

Julia Klöckner: "Ich mache mir große Sorgen über den merklichen Rückgang der Gartenbauwissenschaften an den Universitäten. Wir brauchen auch in Zukunft in Deutschland eine starke Gartenbauwissenschaft, um die anstehenden Veränderungen, die durch Klimawandel, Globalisierung und Digitalisierung getrieben werden, in diesem wichtigen Agrarsektor bewältigen zu können. Schon heute ist bemerkbar, wie schwer es geworden ist, qualifizierte Bewerber für anspruchsvolle Aufgaben in Wirtschaft und Verwaltung zu finden, haben mir die Betroffenen berichtet. Hier, bei der Ausbildung, sind die Länder gefordert. Dass das Land Nordrhein-Westfalen die Absicht hat, das Thema auf die Tagesordnung der Agrarministerkonferenz im September setzen zu lassen, ist ein richtiger Schritt, um auf die zurückgehende Zahl der Gartenbau-Absolventen von den Universitäten hinzuweisen."

Zulassungssituation beim Pflanzenschutz/ Lückenindikation

Der ZVG-Präsident Jürgen Mertz und Volker Schmitt, Präsident Landesverband Gartenbau Rheinland-Pfalz, machten auf die Bekämpfung von Schaderregern und Schädlingen im Bereich der Sonderkulturen aufmerksam. Für die Branche ist sie zum bedeutenden Problem geworden. Da für die Industrie Sonderkulturen wirtschaftlich oft nicht interessant seien, würden für diese Kulturen häufig keine Zulassungen beantragt. Dadurch entstünden Bekämpfungslücken, für die keine ausreichend wirksamen Pflanzenschutzverfahren existieren, mit dem Risiko erheblicher Ertragseinbußen. Im Nationalen Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist festgelegt, die Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln zu verbessern, insbesondere für Anwendungen von geringfügigem Umfang, für den Vorratsschutz und für geeignete Resistenzstrategien. Zum Resistenzmanagement sollen bis 2023 in 80 Prozent der relevanten Anwendungsgebiete mindestens drei Wirkstoffgruppen zur Verfügung stehen. Diese Zielquote ist derzeit bei keiner Sparte des Gartenbaus erreicht.

Julia Klöckner: "Unser Ministerium und seine nachgeordneten Behörden beteiligen sich daher aktiv an nationalen und EU-Programmen zum Schließen von Lückenindikationen. Wir fördern auch Modell- und Demonstrationsvorhaben zur Verbesserung der Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln für kleine Kulturen in Gartenbau und Landwirtschaft. Mein Ziel ist es, modellhafte Ansätze erarbeiten zu lassen, um den Informationsaustausch und die Abstimmung zwischen nationaler und EU-Ebene und Wirtschaftsbeteiligten bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln zu unterstützen. Im Bundeshaushalt 2018 und 2019 wurden den Bewertungs- und Zulassungsbehörden zusätzliche Stellen bewilligt, um die Voraussetzung für eine schnelle Antragsbearbeitung zu schaffen. Diese Personalaufstockung wird zurzeit umgesetzt. Es müssen jedoch auch Anstrengungen unternommen werden, um nicht-chemische Pflanzenschutzverfahren zu entwickeln. Wir unterstützen beispielsweise die Entwicklung nicht-chemischer Verfahren gegen die Kirschessigfliege. Die Wissenschaft ist gefordert, gemeinsam mit der Praxis Pflanzenschutzstrategien für die Zukunft zu entwickeln."

Bundesprogramm Energieeffizienz

Lob gab es aus der Branche für das Bundesprogramm zur Steigerung der Energieeffizienz in der Landwirtschaft und im Gartenbau, das erfolgreich evaluiert worden ist. Ein erheblicher Teil der Mittel fließt in die Verbesserung von Kühltechnik für Landwirtschaft und Gartenbau und für Gewächshäuser. Der Gartenbau hat daran einen Anteil von 32 Prozent an den Fördermitteln.

Julia Klöckner: "Wir arbeiten daran, in Zukunft die Fördermaßnahmen auf die Bereiche zu konzentrieren, die besonders förderwürdig sind. Dazu gehören laut Evaluierungsbericht die Gewächshausneubauten, die wesentlich zur Energieeinsparung und damit zum Klimaschutz beitragen. Die Programmmittel der ersten Förderperiode 2016 bis 2018 in Höhe von 65 Millionen Euro waren bereits bis Mitte 2018 vollständig beantragt. Der Bundestag hat die für 2018 eingeplanten Mittel in Höhe von 25 Millionen Euro um weitere acht Millionen Euro aufgestockt. Für die im Koalitionsvertrag vorgesehene Fortsetzung des Bundesprogramms 2019 bis 2021 sind insgesamt 75 Millionen Euro eingeplant. Außerdem wollen wir klimafreundliche und praktikable Alternativen zur Torfminderung finden. Hier werden wir gemeinsam mit der Branche an Lösungen arbeiten. Darauf haben wir uns im Koalitionsvertrag auch verständigt."

Hintergrund:

Die verschiedenen Sparten des Gartenbaus erwirtschaften über 13 Milliarden Euro pro Jahr in Deutschland. Rund 700.000 Beschäftigte arbeiten in 27.000 Betrieben. Gerade in ländlichen oder strukturschwachen Regionen liefert dieser Wirtschaftszweig einen wesentlichen Beitrag zur Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen. Er erfüllt zahlreiche wichtige Funktionen für Mensch und Natur sowie für unsere Volkswirtschaft.

Sofern einzelne Unternehmen von der langanhaltenden Hitze und Trockenheit existenzgefährdend betroffen sind, können auch sie von den beschlossenen Hilfsmaßnahmen profitieren.

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