3. Konferenz der Agrarminister der Afrikanischen Union und der Europäischen Union in Rom

Julia Klöckner: "Recht auf Nahrung ist Menschenrecht. Moderne, ressourcenschonende Landwirtschaft ist der Schlüssel."

Am morgigen Freitag reist die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, nach Rom, um an der 3. Konferenz der Agrarminister der Afrikanischen Union und der Europäischen Union teilzunehmen. Sie berichtet dort über die deutschen Zukunftsstrategien zur Ernährungssicherung.

Im Vorfeld der Reise betont Bundesministerin Klöckner die Notwendigkeit des gemeinsamen Handelns im Kampf gegen Hunger, der Entwicklung einer modernen, ressourcenschonenden Landwirtschaft und der nachhaltigen Ernährungssicherung.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner: "Die Zukunft Europas ist eng mit der Afrikas verbunden. Wir müssen auch in Deutschland Afrika noch stärker als Chancenkontinent begreifen. Deshalb investiert mein Ministerium in die Zusammenarbeit und den Know-How-Transfer. Es geht um Ausbildung und Agrar-Technik, damit die Versorgung mit Lebensmitteln gesichert wird und damit die Menschen Perspektiven vor Ort haben. Das ist eine Aufgabe, die uns alle angeht. Das Recht auf Nahrung ist ein Menschenrecht. Wir alle wissen: Ein hungriger Magen findet keinen Frieden. Deshalb ist Ernährungssicherung Friedenssicherung."

Hintergrund

Afrikanische Union (AU)

Sie wurde 2002 als Nachfolgerin der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) gegründet. Sitz der AU ist Addis Abeba. Die AU orientiert sich in ihren Strukturen äußerlich an der EU, bleibt dabei bisher im Kern eine intergouvernementale internationale Organisation. Alle Staaten Afrikas sind AU-Mitglied. Exekutivorgan ist die AU-Kommission mit 8 sekoral zuständigen Kommissaren. Das Mandat der Kommission für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung besteht darin, die Entwicklung der ländlichen Wirtschaft und die landwirtschaftliche Produktivität der AU-Mitgliedstaaten zu fördern. Kommissarin ist derzeit Josefa Sacko aus Angola, die zuvor Generalsekretärin der Inter-African Coffee Organization (IACO) war.

AU-EU-Agrarministerkonferenz

Die erste AU-Agrarministerkonferenz fand im Juli 2016 in Noordwijk, Niederlande, statt. Sie stand unter dem Thema "Investing in a Food Secure Future". Die zweite Konferenz im Juli 2017 in Rom widmete sich dem Thema "Making Sustainable Agriculture a future for youth in Africa". Die dritte Konferenz findet erneut in Rom unter dem Thema "Promoting sustainable regional agricultural value chains" statt. Sie soll Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft eine Plattform für einen Austausch über eine verstärkte Zusammenarbeit im Bereich Landwirtschaft bieten. Die Agrarminister verabschieden zum Abschluss eine Gemeinsame Erklärung.

Auszüge aus der Rede von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner:

"Afrika ist ein wichtiger Partner, um unsere gemeinsame Zukunft zu gestalten. Europa hat ein starkes Interesse daran, dass die Staaten Afrikas gute wirtschaftliche Perspektiven haben. Landwirtschaft spielt ihr eine Schlüsselrolle. Wir wollen die Menschen vor Ort durch Aus- und Weiterbildung dabei unterstützen, sich selbst zu ernähren. Durch die Stärkung der Strukturen vor Ort wollen wir Rahmenbedingungen für nachhaltige Einkommens- und Beschäftigungsförderung schaffen. Die Bevölkerung Afrikas wird sich bis 2050 voraussichtlich verdoppeln. Unter-, Fehl- und Mangelernährung sind in Afrika noch immer viel zu sehr präsent. Wie können wir also in Zukunft das Menschenrecht auf Nahrung verwirklichen?

Meine These ist: Es muss uns gelingen, gleichzeitig effektiver und nachhaltiger zu wirtschaften. Wir müssen Innovationen eine Chance geben. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft wurde in Europa und auch in Deutschland vor allem durch Innovationen und Technologie gefördert. Die fortschreitende Digitalisierung eröffnet dabei neue Möglichkeiten. Die Digitalisierung war deshalb auch das zentrale Thema des diesjährigen Global Forum for Food and Agriculture – also des GFFA bei uns in Berlin. Alle 74 dort vertretenen Agrarminister waren sich einig, dass die Chancen der Digitalisierung von allen Ländern genutzt werden müssen. Wir brauchen eine Globalisierung dieser Chancen! Deshalb haben wir in dem Abschlusskommuniqué die FAO gebeten, ein Konzept für einen Internationalen Digitalrat für Ernährung und Landwirtschaft zu erarbeiten.

Das kommende 12. Global Forum for Food and Agriculture – das GFFA – im Januar 2020 wird sich deshalb mit der Rolle des Handels für die Sicherung der Welternährung befassen. Zentral wird die Frage sein, wie der Handel gestaltet werden muss, um einen Beitrag zur globalen nachhaltigen Entwicklung zu leisten. Welche Voraussetzungen, welche Rahmenbedingungen brauchen wir, damit der Handel für ausreichende und vielfältige Lebensmittel sorgen, Einkommensmöglichkeiten bieten, Arbeitsplätze schaffen, regionale Wertschöpfungsketten stärken und zugleich Umwelt und Klima schonen kann?

Wir wollen auf dem GFFA ein gemeinsames Verständnis über die wichtige Rolle des Handels entwickeln. Und wir wollen dort Einigkeit über geeignete politische Rahmenbedingungen für einen globalen Handel erzielen. Das Thema der heutigen Agrarministerkonferenz wird also dort weitergetragen!

Die Stärke Afrikas liegt auch in seinen großen Potenzialen für die landwirtschaftliche Produktion und die Ernährungssicherung aus eigener Kraft! Aber auch in einer jungen und kreativen Bevölkerung. Das sind die besten Voraussetzungen, um die Chancen der Digitalisierung auch in der Landwirtschaft auszuschöpfen! Wir möchten Sie dabei partnerschaftlich unterstützen. Als Hauptmotor für die wirtschaftliche Integration ist die Afrikanische Union ein zentraler Partner der EU und damit auch Deutschlands. Ich beglückwünsche die Afrikanische Union, dass am 30. Mai 2019 die afrikanische Freihandelszone in Kraft treten konnte. Ein Binnenmarkt braucht Zeit, er entsteht nicht über Nacht. Wenn man aber Handelshemmnisse abbaut, ist dies für die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt gut. Für die Zukunft wünsche ich mir und uns eine gleichberechtigte Zusammenarbeit, in der Afrika von unseren Erfahrungen profitieren kann, ohne seine eigenen regionalen Bedingungen dabei zu vernachlässigen."

Erschienen am im Format Interview

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