Erschienen am im Format Pressemitteilung Nr. 204/2019

Diversität der Genbanken nutzen – innovative Pflanzensorten entwickeln

Bundesministerin Klöckner besucht Kooperationsprojekte ihres Ministeriums in Äthiopien – Agrartrainingszentrum wird übergeben

Im Rahmen ihrer Äthiopienreise hat die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, das "Ethiopian Biodiversity Institute" in Addis Abeba sowie das "Agricultural Research Center" in Holeta besucht. Die Forschungseinrichtungen sind Teil des Kooperationsprojekts des Ministeriums – seit 2014 finanziert es das Programm "Förderung nachhaltiger landwirtschaftlicher Produktivität in Äthiopien".

Eine entscheidende Rolle dabei spielt der Saatgutsektor. Dabei geht es um

  • die Erhaltung und Konservierung pflanzengenetischer Ressourcen sowie deren nachhaltige Nutzung,
  • die Steigerung der Produktivität,
  • die Förderung privater Investitionen im Sektor sowie die Entwicklung eines nationalen Saatgutmarktes zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit,
  • die verbesserte Koordination der Akteure.

Äthiopien ist eines der acht Ursprungszentren der Erde für Biodiversität, es verfügt über einen großen Reichtum an Pflanzenarten. Mit dem Bau und der Finanzierung einer Kühlkammer wurde der Genbank im Biodiversitätsinstitut die Langzeiteinlagerung dieser pflanzengenetischen Ressourcen entsprechend dem internationalen Standard bei -20 Grad Celsius ermöglicht. Ein weiterer entscheidender Aspekt der Kooperation ist die Züchtung von verbessertem, klimaresistentem Saatgut sowie leistungsfähiger Getreidesorten. Im Gespräch mit dem äthiopischen Minister für Landwirtschaft und Viehzucht, Oumar Hussen, vereinbarte Julia Klöckner die Fortführung der intensiven Zusammenarbeit im Saatgutsektor. Als Unterzeichner des internationalen Saatgutvertrags hat sich Äthiopien zudem verpflichtet, die genetischen Ressourcen auch den anderen Vertragsstaaten zur Verfügung zu stellen.

Julia Klöckner: "Um weltweit Länder in die Lage zu versetzen, sich selbst zu ernähren, ist innovativer Züchtungsfortschritt unerlässlich. Die Landwirtschaft braucht widerstandsfähige Pflanzensorten, um Ernten zu sichern und hohe Verluste zu verhindern. Auch unter schwierigen Bedingungen. Die Rahmenbedingungen des Saatgutsektors in Äthiopien und Deutschland mögen sehr unterschiedlich sein - die zentrale Herausforderung, vor der wir stehen, ist dieselbe:

Die klimatischen Bedingungen ändern sich, die Weltbevölkerung wächst. Was wir brauchen ist daher ein leistungsstarkes Sortenspektrum. Sorten, die - auch unter wechselhaften Anbaubedingungen - hohe und stabile Erträge liefern und dabei die natürlichen Ressourcen schonen. Die Potentiale der Pflanzenforschung müssen wir ausschöpfen, die Diversität der Genbanken nutzen, um neue innovative Produkte zu entwickeln. Mit der Vermittlung von Wissen und technischer Ausstattung unterstützen wir Äthiopien dabei.

Ich plädiere grundsätzlich für eine kritisch-konstruktive Offenheit für neue Technologien in der Landwirtschaft. Sie sind nicht automatisch Allheilmittel. Sich aus einer deutschen Luxusperspektive heraus - unsere Regale sind voll - dem Fortschritt in Fragen wie CrisprCas zu verschließen, halte ich nicht für verantwortlich. Vor allem die afrikanischen Staaten sind angewiesen darauf, dass wir jetzt vorankommen. Ob Hitze, Dürren oder Überschwemmungen - sie leiden besonders unter den Auswirkungen des Klimawandels. Es gibt hier eine Ethik des Tuns, aber auch eine Unethik des Unterlassens."

Ein weiteres wichtiges Thema des Gesprächs der Ministerin mit ihrem Amtskollegen war die Übergabe des Agrartrainingszentrums an Äthiopien, um es ab 2021 in die Eigenständigkeit zu überführen. Das Trainingszentrum wurde über einen Zeitraum von zehn Jahren vom Bundesministerium aufgebaut und vollständig finanziert. In diesem Zeitraum wurden über 7.000 Teilnehmer in der Anwendung moderner, nachhaltiger Produktionsverfahren geschult und an aktuellen Landmaschinen ausgebildet - als praxisnahes Fortbildungszentrum hat sich das Zentrum im Land etabliert.

Hintergrund: Landwirtschaft in Äthiopien

Die Landwirtschaft stellt den wichtigsten Erwerbszweig dar, mit ca. 72 Prozent (2018) der Erwerbstätigen, die 2017 rund 37 Prozent des Bruttoinlandsprodukt erzeugten. Das wichtigste Anbauprodukt ist Kaffee, Äthiopien ist größter Kaffeeproduzent Afrikas. Daneben wird hauptsächlich Getreide, Mais, Rindfleisch, Milch, Wurzeln und Knollen sowie Hirse angebaut bzw. produziert. Durch die Auswirkungen des Klimawandels kommt es verstärkt zu Starkregenfällen und Dürreperioden, die der landwirtschaftlichen Leistungsfähigkeit erheblich zusetzen. Trotz des an sich günstigen Klimas und eines großen, aber bislang ungenutzten Potentials im Agrarbereich ist Äthiopien weiterhin auf aktive Förderung der ländlichen Entwicklung und Nahrungsmittelhilfe angewiesen. So erhalten ca. 3 Millionen Äthiopier Nahrungsmittelhilfe zur Überbrückung ihrer Engpässe und weitere 8 Millionen werden 6 Monate pro Jahr durch das staatliche soziale Sicherheitsnetz PSNP mittels Cash-for-Work-Programmen oder direkter Nahrungsmittelhilfe unterstützt. Die Landwirtschaft ist in Äthiopien in mehrfacher Hinsicht ein strategischer Wirtschaftszweig. Sie dient der Versorgungssicherheit mit Nahrungsmitteln, trägt wesentlich zur Beschäftigung bei und ist ein Entwicklungsprogramm für ländliche und unterentwickelte Regionen. Dies ist wegen des rasanten Bevölkerungswachstums und der hohen Armutsrate von großer Bedeutung.

Äthiopien ist ein Hotspot der Agrobiodiversität u.a. bei Gerste. Das Bundesministerium unterstützt mit Wissen und technischer Ausstattung äthiopische Wissenschaftler bei der Erhaltung der genetischen Vielfalt und nachhaltiger Nutzung von genetischen Ressourcen. Dies erfolgt u.a. durch Züchtung von neuen angepassten und leistungsfähigen Getreidesorten sowie durch Unterstützung kleinbäuerlicher Kooperativen bei deren Vermehrung und Vermarktung.

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