Erschienen am im Format Pressemitteilung Nr. 226/2019

Hans-Joachim Fuchtel: "Wir müssen uns unserer Lebensmittel wieder bewusst werden"

Parlamentarischer Staatssekretär Fuchtel nimmt an Konferenz zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen und -verlusten im Vatikan teil/ Ziel bis 2030 sind 50 Prozent Reduktion

Mit dem Ziel, globale Maßnahmen gegen Lebensmittelverluste und -verschwendung auf der Grundlage neuer Erkenntnisse und Innovationen zu fördern, luden die Rockefeller Stiftung und die Päpstliche Akademie der Wissenschaften Vertreter aus Wissenschaft, internationalen Institutionen, Kirche und Zivilgesellschaft zur Conference on Food Waste and Losses Reduction in die Päpstliche Akademie der Wissenschaften ein.

"Zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel wandern jedes Jahr allein in Deutschland in den Müll. Deshalb arbeitet die Bundesregierung mit aller Kraft daran, das zu ändern. Ein wichtiger Schritt ist, dass das Bewusstsein für unsere Lebensmittel steigt. Nur wer den Lebensmitteln sowie den Erzeugerinnen und Erzeugern Wertschätzung entgegenbringt, kann dazu beitragen, dass weniger Lebensmittel entsorgt und damit wichtige Ressourcen eingespart werden. Ich werbe mit Nachdruck für ein neues Landwirtschaftsbewusstsein", sagte Fuchtel in seiner Rede.

Der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft hob auch hervor, dass für die Wirksamkeit des Handelns die Datenlage über die entstandenen Lebensmittelabfälle wichtig ist und plädierte dafür, auf gesicherter Datumgrundlage gezielte Schritte entlang der Lebensmittelversorgungskette zu unternehmen. „Dazu müssen die Menschen aller Altersstufen gewonnen werden, denn Ihr Handeln entscheidet, ob wir es schaffen!“ Deutschland möchte bis 2030 eine Reduzierung der Lebensmittelverschwendung um 50 Prozent erreichen.

Weiterführende Informationen

Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung

  • Das Bundeskabinett hat am 20. Februar 2019 die von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner vorgelegte Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung verabschiedet. Sie wurde unter Beteiligung der Bundesländer und von Verbänden aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft erarbeitet und mit den Bundesressorts abgestimmt.
  • Ziel ist es, bis 2030 die Lebensmittelverschwendung in Deutschland pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene zu halbieren und die entlang der Produktions- und Lieferkette entstehenden Lebensmittelabfälle einschließlich Nachernteverlusten zu verringern. So sehen es nicht nur der Koalitionsvertrag, sondern auch die Agenda 2030 der Vereinten Nationen vor. Die Reduzierung der Lebensmittelverschwendung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Daher sollen alle Akteure der Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Forschung in den nationalen Prozess zur Entwicklung von Maßnahmen und Zielmarken gegen Lebensmittelverschwendung einbezogen werden.
  • Um alle Akteure zu vernetzen und jährlich über Fortschritte zu berichten, wurde ein Nationales Dialogforum für alle Interessengruppen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft durch das BMEL eingerichtet. Dieses kommt am 6. November 2019 erstmalig zusammen.
  • In Dialogforen pro Sektor werden gemeinsam mit Lebensmittelunternehmen, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Vertreterinnen und Vertretern aus den verantwortlichen Länder- und Bundesressorts sowie der Wissenschaft konkrete Maßnahmen zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung erarbeitet und ihre Umsetzung transparent gemacht. Für den jeweiligen Sektor sollen Zielmarken definiert und geeignete Formate zur Umsetzungs- und Erfolgskontrolle vereinbart werden. Die Dialogforen für die Sektoren Außer-Haus-Verpflegung (AHV) sowie für Groß- und Einzelhandel haben bereits ihre Arbeit aufgenommen, die für die Primärproduktion, die Lebensmittelverarbeitung und die privaten Haushalte werden im Laufe des nächsten Jahres eingesetzt.

Dialogforum für die Außer-Haus-Verpflegung (AHV)

  • Unmittelbar im Anschluss an den Kabinettbeschluss nahm das Dialogforum AHV seine Arbeit auf. In diesem Jahr wurde eine Marktanalyse angefertigt, auf dessen Basis weitere Mitglieder für das Dialogforum gewonnen werden sollen. Ziel ist es, dass die Mitglieder eine Vereinbarung unterzeichnen, die Maßnahmen und Reduzierungspotenziale für diesen Sektor festlegt. Ende September / Anfang Oktober fand ein Workshop statt, auf der sich die zwölf Modellbetriebe einerseits und Anbieter von Analyse-Tools zur Messung von Lebensmittelabfällen in der AHV andererseits vorstellten. Ende November ist das 2. Dialogforum AHV geplant, in deren Rahmen der Entwurf für die für den Sektor AHV spezifische Vereinbarung mit den Mitgliedern diskutiert wird.

Dialogforum für den Groß- und Einzelhandel

  • Das Dialogforum für den Groß- und Einzelhandel wurde im September gestartet. Der Zuwendungsbescheid wird am 06.11.2019 auf dem Nationalen Dialogforum öffentlich durch die Bundesministerin übergeben. Die Auftaktveranstaltung soll Anfang 2020 stattfinden. Im Projektzeitraum läuft über drei Jahren, in denen konkrete Ergebnisse für Aktivitäten der Unternehmen erarbeitet werden. Handlungsfelder sollen priorisiert und Demonstrationsprojekte abgestimmt werden. Ziel des Projekts ist die Erarbeitung einer auf den Sektor Handel bezogene Vereinbarung sowie die Unterstützung der Datenerhebung über Lebensmittelabfälle im Handel.

Bund-Länder-Gremium

  • Ein weiteres Strukturelement ist das Bund-Länder-Gremium, das die Aufgaben einer ressort- und länderübergreifenden Steuerung übernimmt. Dieses Gremium begleitet die Evaluierung des Umsetzungsprozesses der Strategie, identifiziert weitere Handlungsfelder und setzt ggf. neue Schwerpunkte. Es dient dazu, einen kohärenten Rahmen zu schaffen und dabei auch Zielkonflikte zu definieren. Der Strategieprozess bietet darüber hinaus die Möglichkeit zu eruieren, inwieweit neben den in den Dialogforen zu erarbeitenden Vereinbarungen gegebenenfalls verbindliche und gesetzliche Regelungen in verschiedenen Bereichen für erforderlich gehalten werden und zielführend sein können. Die Kohärenz mit europäischen und globalen Nachhaltigkeitszielen muss sichergestellt werden. Aufgabe des Gremiums ist außerdem, bewährte Verfahren, Informationen und Erkenntnisse im Zusammenhang mit Aktivitäten und Ergebnissen zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen in Bund und Ländern miteinander zu teilen und die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern des Gremiums, insbesondere Möglichkeiten der ressortübergreifenden Zusammenarbeit, zu erleichtern und einen einheitlichen Vollzug der betroffenen Vorschriften durch die Länder zu fördern.

Erfassung des Lebensmittelabfallaufkommens in Deutschland, Baseline 2015

Das Johann Heinrich von Thünen-Institut (TI) hat im Auftrag des BMEL zusammen mit der Universität Stuttgart das Aufkommen der Lebensmittelabfälle über die gesamte Lebensmittelversorgungskette für Deutschland berechnet. Dabei wurden Vorgaben seitens der Europäischen Union berücksichtigt, die künftig für die Vergleichbarkeit von Lebensmittelabfallmengen sorgen und Ausgangspunkt für die kontinuierliche Berichterstattung gegenüber der EU bis 2030 sind. Die Daten des TI wurden am 12. September 2019 veröffentlicht. Laut der im September 2019 vorgestellten Studie „Lebensmittelabfälle in Deutschland – Baseline 2015“ beträgt die Gesamtabfallmenge rund 12 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle (Frischmasse).

  • Die Primärproduktion hat daran einen Anteil von 12 Prozent (1,4 Mio. Tonnen)
  • Bei der Verarbeitung fallen 18 Prozent (2,2 Mio. Tonnen) an.
  • Im Handel entstehen 4 Prozent (0,5 Mio Tonnen) der Lebensmittelabfälle
  • Die Außer-Haus-Verpflegung macht 14 Prozent (1,7 Mio. Tonnen) aus.
  • Der Großteil der Lebensmittelabfälle entsteht mit 52 Prozent (6,1 Mio. Tonnen) in privaten Haushalten. Das sind 75 Kilogramm pro Kopf.

Bei der Erstellung der Baseline hat sich gezeigt, dass sich die Datenverfügbarkeit entlang der gesamten Lebensmittelversorgungskette in den vergangenen Jahren verbessert hat, jedoch weiterhin große Datenlücken vorhanden sind. Unsicherheiten in der Datenlage bestehen vor allem in den Bereichen Primärproduktion, Verarbeitung und Groß- und Einzelhandel. In den sektorspezifischen Dialogforen sollen Messungen in der Praxis dazu dienen, die vorhandenen Daten besser einschätzen zu können und auf nationale Ebene hochzurechnen. Diese neuen Erkenntnisse liefern die Vorlage für eine langfristig notwendige Datenerhebung, um signifikante Änderungen dokumentieren zu können.

Zu gut für die Tonne!

  • Bereits im März 2012 hat das BMEL Zu gut für die Tonne! ins Leben gerufen. Damit ist es gelungen, das Thema Lebensmittelverschwendung einer breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen und eine stärkere mediale Wahrnehmung zu erreichen. Sie zielt in erster Linie darauf ab, die Verbraucherinnen und Verbraucher zu sensibilisieren und eine höhere Wertschätzung für Lebensmittel zu erreichen.
  • Zu gut für die Tonne! zählt zu den erfolgreichsten Kampagnen der Bundesregierung und wurde in den letzten Monaten zur Dachmarke für die Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung ausgebaut. Zu gut für die Tonne! wird für die kommunikative Begleitung des Umsetzungsprozesses kontinuierlich weiterentwickelt.
  • Seit 2012 wurden kontinuierlich Aktionstage in deutschen Städten in fast allen Bundesländern durchgeführt. Auf der 15. VSMK vom 22.-24.05.2019 in Mainz wurde Beschluss zur Durchführung einer bundesweiten Aktionswoche ab September 2020 gefasst. Die erste Aktionswoche findet vom 23. bis 30. September 2020 statt und wird derzeit vorbereitet.
  • Zusätzlich wurde im Herbst 2017 die Internetplattform lebensmittelwertschaetzen.de gestartet. Auf der Plattform stellen Bund, Länder, Wirtschaft, Handel und Privatpersonen ihre Maßnahmen vor, mit denen Lebensmittelabfälle verringert werden können. Derzeit werden auf der Website über 100 Best-Practice-Beispiele präsentiert. Außerdem werden auf dieser Seite Fortschritte bei der Umsetzung der Strategie transparent gemacht und die Ergebnisse der einzelnen Dialogforen präsentiert.
  • Mit dem Zu gut für die Tonne!-Bundespreis zeichnet das BMEL herausragende Projekte aus, die dazu beitragen Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Die Wettbewerbsphase für den 5. Bundespreis wurde am 17. August 2019 gestartet. Teilnehmen können Unternehmen, Verbände, Vereine, Kommunen, Forschungseinrichtungen ebenso wie Einzelpersonen. Hiermit werden Projekte aus Landwirtschaft und Produktion, Handel, Gastronomie, Gesellschaft und Bildung sowie Digitalisierung ausgezeichnet.

Forschung und Innovation

  • Das BMEL fördert Innovations- und Forschungsprojekte, um der Frage nachzugehen, wo und wie Lebensmittelabfälle vermieden und höhere Wertschöpfung erzielt werden können.
  • Das BMEL fördert vom 01.03.2019 – 28.02.2022 mit rund 1,5 Mio. € ein Verbundvorhaben der Tafel Deutschland e. V. mit der Tafel Akademie und dem ZEW Leibniz Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung. Gegenstand des geplanten Vorhabens ist eine digitale Eco-Plattform, die in einer Pilotregion mit Tafeln, Lebensmittelhändlern und -herstellern getestet wird. Die digitalisierte Lebensmittelabgabe soll es leichter machen, Angebots- und Bedarfsdaten zu erheben, um damit die Grundlage für eine effizientere Allokation der Lebensmittelspenden zu schaffen. Durch die optimierten Abläufe sollen mehr Lebensmittel gerettet werden. Dadurch kommt es zur Verbesserung der flächendeckenden und bedarfsgerechten Verteilung von Lebensmitteln und Waren an und zwischen den Tafeln, wodurch die Menge der vor der Entsorgung geretteten Lebensmittel in Deutschland um bis zu 40 Prozent erhöht werden soll.

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