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Landwirtschaft stärken: Krisen meistern – Ernährung sichern

Datum:
18.01.14
Ort:
Berlin
Redner:
Bundesminister Dr. Hans-Peter Friedrich

Rede des Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft Dr. Hans-Peter Friedrich zur Eröffnung des Internationalen GFFA-Podiums

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

ich freue mich sehr, Sie alle hier beim Internationalen Podium des Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) begrüßen zu können.

I. Dank an Teilnehmer, Organisatoren und Internationale Organisationen

Seit der Eröffnung am Donnerstag hatten Sie die Gelegenheit, an vielen unterschiedlichen Veranstaltungen des GFFA teilzunehmen und sich zu speziellen Aspekten des Schwerpunktthemas: Landwirtschaft stärken: Krisen meistern – Ernährung sichern auszutauschen.

Ich möchte an dieser Stelle allen danken, die sich engagiert eingebracht und damit aktiv zum Gelingen des GFFA beigetragen haben. Neben den Organisatoren der einzelnen Veranstaltungen gilt mein besonderer Dank der Europäischen Kommission, der Weltbank, der FAO und dem UNEP für die Durchführung ihrer Arbeitssitzungen während des GFFA.

Ich bin schon jetzt sehr gespannt auf die Ergebnisse Ihrer Sitzungen, die Sie uns heute Nachmittag beim Agrarministergipfel präsentieren werden.

II. Welternährung - Globale Herausforderung dieses Jahrhunderts – Kernelement der internationalen Agrarpolitik

Meine Damen und Herren, gestatten Sie mir ein persönliches Wort zu Beginn: Für mich ist dieser Auftritt eine Premiere, denn es ist gerade mal einen Monat her, dass ich dieses Amt übernommen habe.

Doch das Thema Welternährung hat mich auch schon vor meiner Ernennung zum Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft beschäftigt. Für mich ist es unfassbar, dass weltweit immer noch 840 Millionen Menschen hungern. Weitere zwei Milliarden Menschen sind durch Mangelernährung gravierend in ihrer Entwicklung beeinträchtig. Ihnen fehlt täglich das Nötigste: ausreichende und ausgewogene Nahrung.

Ohne Frage: Die Verwirklichung des Menschenrechts auf Nahrung ist DIE globale Herausforderung unseres Jahrhunderts.

Sehr geehrte Damen und Herren, genau wie Sie bin ich mir bewusst, dass wir uns der Verantwortung für die Welternährung nicht entziehen dürfen. Die Sicherung der Welternährung ist das Kernelement der internationalen Agrarpolitik. Dazu stehe ich.

Und die Rolle der Landwirtschaft bei der Beseitigung von Hunger und Mangelernährung ist zentral: Denn die wichtigste Aufgabe der Landwirtschaft besteht darin, die Menschheit zu ernähren.

III. Herausforderungen der Landwirtschaft

Doch für diese Aufgabe müssen wir die Landwirtschaft stärken, denn die Landwirtschaft steht weltweit vor immensen Herausforderungen. Ich skizziere Sie hier nur ganz knapp:

  • Anstieg der Weltbevölkerung bis 2050 auf neun Milliarden Menschen, das ist ein Drittel mehr als heute.
  • Gleichzeitig verändern sich die Ernährungsgewohnheiten.
  • Bis 2050 benötigen wir daher ca. 2/3 Drittel mehr Nahrungsmittel.
  • Ressourcenknappheit bei Wasser und landwirtschaftlichen Böden.
  • Die Folgen von Klimawandel und Naturkatastrophen sind weltweit zu spüren.
  • Die Auswirkungen von Wirtschafts- und Finanzkrisen auf die Agrarmärkte sind teilweise dramatisch.
  • Eine weitere Verschärfung der Rahmenbedingungen entsteht in vielen Ländern der Welt durch mangelndes Know-How und
  • fehlenden Zugang zu Innovationen, Kapital und Bildung.

Das GFFA steht in diesem Jahr deshalb unter dem Motto: Landwirtschaft stärken: Krisen meistern – Ernährung sichern.

IV. Widerstandskraft der Landwirtschaft durch Vielfalt, Nachhaltigkeit und Produktivität stärken

Meine Damen und Herren, es ist entscheidend, dass wir Wege finden, die Widerstandskraft der Landwirtschaft zu stärken, damit sie die Menschheit trotz dieser Herausforderungen ernähren kann. Die Landwirtschaft weltweit muss in der Lage sein, sich schnell von Krisen zu erholen und sich neuen Rahmenbedingungen anzupassen.

Dafür braucht die Landwirtschaft drei Grundpfeiler: Vielfalt, Nachhaltigkeit und Produktivität.

Erstens Vielfalt: Es gilt, die vorhandene Vielfalt an lokalen Pflanzensorten und Tierrassen zu erhalten und nachhaltig zu nutzen. Sie sind ein Schlüsselelement zur Anpassung der Landwirtschaft an veränderte Umweltbedingungen. Gleichzeitig hilft eine vielfältige Produktion, die Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft zu erhöhen. Dazu gehört auch die Erschließung und Nutzbarmachung genetischer Ressourcen für die Pflanzenzüchtung. So sichert Vielfalt Leben!

Zweitens Nachhaltigkeit: Zentrale Voraussetzung für eine an den Klimawandel angepasste Landwirtschaft ist ein nachhaltiger Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen. Nur wenn wir mit knapper werdenden Ressourcen wie Boden und Wasser verantwortungsbewusst umgehen, kann die Landwirtschaft ihren Beitrag zur Ernährungssicherung auch leisten. Denn Nachhaltigkeit ist Zukunft!

Und drittens Produktivität: Den Nahrungsbedarf unserer wachsenden Weltbevölkerung können wir nur mit einer nachhaltig gesteigerten landwirtschaftlichen Produktivität decken. Dafür ist eine bessere Nutzung der vorhandenen Potentiale der Landwirtschaft ein wichtiger Schritt. Gleichzeitig bedeutet eine Steigerung der Produktivität angesichts der Ressourcenknappheit auch ein hohes Maß an sozialer Verantwortung. Durch Produktivität schaffen wir Nahrung!

Über diese Aufgaben und Herausforderungen der Landwirtschaft werden unsere Podiumsteilnehmer gleich im Anschluss intensiv diskutieren.

V. Gemeinsames zukunftsfähiges Konzept der internationalen Landwirtschaft

Meine Damen und Herren, wir benötigen dringend ein weltweit zukunftsfähiges Konzept zur Überwindung des Hungers. Aber ein solches Konzept müssen wir Agrarminister gemeinsam erarbeiten. Nur gemeinsam können wir weltweit eine zukunftsorientierte Landwirtschaft aufbauen.

Ich wende mich an Sie, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen Agrarminister, lassen Sie uns die Zusammenarbeit unserer Länder in diesen wichtigen agrarpolitischen Fragen stärken. Ich bin überzeugt: Landwirtschaft kann Leben retten und Leid abwenden. Lassen Sie uns das Potential und die Kraft der Landwirtschaft zur Entfaltung bringen: um Krisen zu meistern und Ernährung zu sichern.

Innerhalb der EU sind wir gerade zwei wichtige Schritte in diese Richtung gegangen.

Erstens: Die Exporterstattungen für Agrarprodukte, auch für Ausfuhren nach Afrika, sind auf null gestellt.

Zweitens: Es ist gut und richtig, wenn neue Regeln für Finanzmärkte künftig Exzesse bei Rohstoffspekulationen an den Agrarterminmärkten vermeiden helfen!

Auf diesem Weg müssen wir weitergehen!

Aber, meine Damen und Herren, es ist offensichtlich: Die Politik allein kann den Hunger in der Welt nicht beseitigen. Ich wünsche es mir zwar, aber ich bin auch Realist. Die Verantwortung für die globale Ernährungssicherung liegt bei uns allen. Wir brauchen für diese Jahrhundertaufgabe ein breites gesellschaftliches Bündnis von Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Nichtregierungsorganisationen und internationalen Organisationen.

Und deswegen freue ich mich über das rege Interesse der Menschen für dieses Thema. Heute demonstrieren vor dem Brandenburger Tor zahlreiche Menschen für mehr Verteilungsgerechtigkeit und ausreichend Nahrungsmittel für alle Menschen. Die dort vorgetragenen Argumente spielen auch in unserer Diskussion eine Rolle und haben ihre Berechtigung. Obwohl unsere Wege unterschiedlich sein mögen, einigt uns doch das gleiche Ziel: Wir alle wollen eine gute Landwirtschaft mit nachhaltiger Produktion und hoher Qualität.

VI. Fazit und Überleitung zum Podium

Meine Damen und Herren, auf unserem GFFA-Podium sind heute Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft versammelt. Sie tragen alle große Verantwortung und sind in ihren Bereichen renommierte Experten. So wie Gerda Verburg, die als niederländische Landwirtschaftsministerin viel Praxiserfahrung sammeln konnte, bevor sie Vorsitzende des Welternährungsausschusses wurde.

Ihnen allen, sehr geehrte Podiumsteilnehmerinnen und Podiumsteilnehmer, nochmals meinen herzlichen Dank für Ihre Bereitschaft, das GFFA-Podium durch Ihre Beiträge zu bereichern.

Jetzt freue ich mich auf einen interessanten Vortrag und eine anregende Diskussion!

Vielen Dank!

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