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Veranstaltungen wie der Politische Erntedank machen Lust und Freude, dieses Ministerium zu leiten!

Datum:
27.09.17
Ort:
Berlin
Redner:
Bundesminister Christian Schmidt

Rede des Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt zum politischer Erntedank mit Verleihung der Professor-Niklas-Medaille

Es gilt das gesprochene Wort

Anrede

Einführung / Erntesituation 2017

Ich freue mich, dass so viele Vertreter des Berufsstandes und der ländlichen Regionen hier im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zum Politischen Erntedank versammelt sind.
Solche Veranstaltungen wie die heutige machen Lust und Freude, dieses Ministerium zu leiten!

Die Zeit, wenn die meisten Früchte vom Feld sicher in den Scheunen sind, ist traditionell die Zeit der Besinnung und des Dankes für die eingebrachte Ernte. Die Natur lehrt uns immer wieder Demut.

Eine ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln ist nicht selbstverständlich. Das kommt bereits im Vaterunser zum Ausdruck, in dem es sehr anschaulich heißt "Unser tägliches Brot gib uns heute."

Und so prägten ungünstige Witterungsbedingungen auch die diesjährige Ernte: Spätfröste im April führten zu erheblichen Ertragseinbußen insbesondere im Obst- und im Weinbau, lieber Norbert Schindler. Es gab eine regional und zeitlich extrem unausgewogene Niederschlagsverteilung. Witterungsbedingt mussten die Erntearbeiten oftmals unterbrochen werden. So kam auch der Bericht meines Hauses zur Erntelage vom August zu dem Ergebnis, dass Erntemengen und Erntequalitäten wichtiger Kulturen teilweise zu wünschen übrig lassen.

In dieser schwierigen Lage muss alles getan werden, um unseren Bauernfamilien zu helfen. Ich stehe dazu in engem Kontakt mit meinen Amtskollegen, die auf Landesebene schon alles in die Wege geleitet haben, um schnell und unbürokratisch helfen zu können.
Auch die Landwirtschaftliche Rentenbank hat dazu ihre Programme zur Liquiditätssicherung geöffnet.

Meine Damen und Herren, – trotz der Wetterkapriolen – ein Großteil der Ernte ist nun eingebracht und heute ist Zeit, dafür zu danken! Wenn ich mir die Hungerkatastrophen am Horn von Afrika in diesem Jahr in Erinnerung rufe, und wenn ich mir in Erinnerung rufe, dass nach Angaben der Vereinten Nationen weltweit 815 Millionen Menschen hungern, dann sollten wir an einem Abend wie diesem auch Dankbarkeit darüber empfinden, dass wir in der Gunstregion Deutschland leben dürfen. Die Landwirtschaft ist in unserem Land nachhaltig und modern aufgestellt. Auch bei schwierigen Witterungs- und Ernteverhältnissen müssen wir uns keine Sorgen über die Versorgung mit Nahrungsmitteln machen. Das ist ein großes Geschenk, für das wir dankbar sein müssen! Und es ist in erster Linie das Verdienst unserer Bäuerinnen und Bauern!


Wertschätzung für Landwirte

Meine Damen und Herren, die Zeit des Einbringens der Ernte bietet auch eine gute Gelegenheit, über die Wertschätzung für unsere Lebensmittel und über die Wertschätzung für unsere Bauernfamilien nachzudenken. Die Schöpfung ist den Menschen als Garten Eden anvertraut – zum "Bebauen und Bewahren" (1. Mose 2,15). Und genau das tun unsere Bauernfamilien, indem sie das Jahrhunderte alte Prinzip der Nachhaltigkeit leben!

Wir verdanken es der harten Arbeit unserer Bäuerinnen und Bauern, dass wir heute so gesunde, sichere und vielfältige Lebensmittel haben, wie nie zuvor in unserer Geschichte. Zugleich pflegen Sie unsere einzigartigen Kulturlandschaften und leisten damit einen hohen Anteil an der Attraktivität unserer ländlichen Räume.

Dafür haben sie gerade an einem Tag wie diesem unseren Dank und unsere Wertschätzung verdient!

Lassen Sie mich an dieser Stelle aus einer Morgenandacht der Pfarrerin Silke Niemeyer aus Lüdinghausen im Münsterland zitieren, die am 25. August 2017 im Deutschlandfunk gesendet wurde: "In der Bibel gibt es einen Brauch. Fünf Tage vor Beginn des Sukkotfestes, dem alttestamentarischen Erntedank, wird ein Ziegenbock ausgewählt, dem rituell die Sünden des Volkes auf den Rücken geladen werden. Dieser Bock wird in die Wüste gejagt. Mir scheint“ – so sagt es Pfarrerin Niemeyer – „in unserer säkularen Zeit haben die Bauern teilweise die Funktion des Sündenbocks übernommen. Keine Frage, es ist gut, dass wir empfindlicher gegen Umweltsünden und Raubbau an der Schöpfung geworden sind.

"Ökologie und Ökonomie" – so führt Pfarrerin Niemeyer weiter aus – "tragen beide das griechische Wort Oikos, also Haus, in sich. Darin steckt also die Vorstellung, dass die Erde ein großes Haus ist, in dem alle miteinander leben. Ökologisches Bewusstsein ist gut. Aber ein ökologisches Bewusstsein, das die eine Hand zur Biomöhre im Regal lenkt, und die andere zum Fingerzeigen auf die Bauern, taugt nicht viel." Zitat Ende.

Wir müssen verstehen, meine Damen und Herren, unter welchem Druck unsere Bauernfamilien stehen. Zu dem ohnehin bestehenden Wettbewerbsdruck kommen wachsende gesellschaftliche Anforderungen. Umso größer sollte unser Dank für die Bauern und für ihre Arbeit sein, die in diesem gesellschaftlichen Umfeld tagein tagaus ihre unverzichtbare Arbeit tun! Ich lasse noch einmal Pfarrerin Niemeyer zu Wort kommen: "Der allererste Sinn und allerletzte Sinn allen Säens und Erntens ist, dass alle ihr Brot haben. Und genau dieser Sinn ist es, warum viele Landwirte trotz Schwierigkeiten und Kritik diese schwere Arbeit mit Leidenschaft tun. Darum vor aller Kritik an den Problemen der Landwirtschaft: Danke liebe Bauern, dass sie auch nach einer schlechten Ernte wieder an die Arbeit gehen, bei Hitze, Wind und Regen und am Wochenende, von früh am Morgen bis manchmal in die Nacht hinein!“
Soweit, meine Damen und Herren, diese Worte aus einer Morgenandacht, denen ich mich nur voll anschließen kann!

Ich werde mich weiterhin einsetzen für verlässliche Rahmenbedingungen, damit unsere Bauernfamilien auch künftig unser tägliches Brot sichern und unsere Kulturlandschaften erhalten können! Die Weltbevölkerung wird nach Angaben der Vereinten Nationen bis zum Jahr 2050 auf rund 10 Milliarden Menschen ansteigen. Viele Regionen der Erde haben nicht die natürlichen Voraussetzungen zur Nahrungsmittelproduktion wie wir hier in Europa. Gerade weil wir in einer Gunstregion leben, sind wir auch ethisch verpflichtet, die bei uns natürlich gegebenen Standortvorteile verantwortungsvoll zu nutzen.

Meine Damen und Herren, zunehmend zeigt sich auch: Die Ernährungssicherung ist ein wichtiger Baustein für die Friedens- und Stabilitätssicherung in der Welt. So leben nach einem aktuellen Bericht der VN-Ernährungsorganisationen FAO und WFP mehr als die Hälfte der weltweit unterernährten Menschen, nämlich 489 Millionen, in Konfliktzonen. Nachhaltiger Frieden ist ein Imperativ beim Kampf gegen Hunger. Und nachhaltige Hungerbekämpfung ist eine Grundbedingung für Frieden. [Bericht von FAO und WFP zur Lage der Ernährungssicherheit, zitiert in SZ vom 16.09.2017, S. 9.]

Wir müssen daher die Agrarpolitik vernetzt mit der Sicherheitspolitik denken, in einem "comprehensive approach." Die Lebensmittelproduktion hier einzuschränken ist im Sinne der Ernährungssicherung verantwortungslos. Nicht nur im Sinne der Ernährungssicherung, sondern auch aus Sicht des Klimaschutzes: Verlagert man klimaschädliche Treibhausgas-Emissionen nur ins Ausland, senkt man sie global betrachtet keineswegs.

Der Dreh- und Angelpunkt meines Handelns ist und bleibt eine Landwirtschaft die nachhaltig ist, die ökonomisch tragfähig und gesellschaftlich akzeptiert ist. Kurzum: Eine Landwirtschaft in der Mitte der Gesellschaft, die ein wesentlicher Faktor ist für vitale ländliche Räume!

Dazu habe ich auf Dialog gesetzt. Diesen Dialog will ich nun fortsetzen, denn gerade nach dem Wahlkampf ist es umso wichtiger, unser Land zusammenzuführen statt zu spalten! Die Bereitschaft zu einem fairen Dialog auf Augenhöhe erwarte ich dabei in der neuen Wahlperiode von allen Seiten. Bei allen diskussionswürdigen Aspekten moderner Landwirtschaft ist eine grundlegende Wertschätzung für die Arbeit unserer Bäuerinnen und Bauern unabdingbar. Es geht mir um Wertschätzung. Wertschätzung für die Landwirtschaft und Wertschätzung für Lebensmittel bedingen einander!

Lebensmittel als Mittel zum Leben wertschätzen


Meine Damen und Herren, zur Wertschätzung gehört für mich, dass Bäuerinnen und Bauern faire Preise für ihre hochwertigen Lebensmittel erhalten müssen, die sie mit harter Arbeit, verantwortungsbewusster Nutzung der Ressourcen und bei Einhaltung hoher Standards erzeugt haben. Lebensmittel müssen ihren Preis wert sein!

Eine fehlende Wertschätzung unserer Lebensmittel drückt sich auch darin aus, dass jedes Jahr in Deutschland 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll landen. Pro Person und Jahr fallen in unseren Haushalten durchschnittlich 82 Kilogramm Lebensmittelabfälle an, das sind zwei gefüllte Einkaufswagen. Papst Franziskus hat zu Recht kritisiert, dass die Konsumgesellschaften sich mittlerweile an Überfluss und tägliche Verschwendung gewöhnt haben. Ich will mich damit nicht abfinden, denn wenn wir uns vor Augen führen, dass in die Herstellung eines Kilos Käse etwa 5.000 Liter Wasser fließen, dann sehen wir: Lebensmittel ohne Not wegzuwerfen ist unvereinbar mit der christlichen Ethik!

Oft wird noch verzehrbares Essen weggeworfen, weil viele Menschen heute keinen persönlichen Bezug mehr zu den Bäuerinnen und Bauern und zum Zustandekommen unserer Lebensmittel haben. Daher setze ich weiterhin auf Aufklärung. Dazu habe ich das Bundesinformationszentrum für Landwirtschaft in Bonn ins Leben gerufen sowie die Initiative "Zu gut für die Tonne!" weiter vorangebracht.

Mein Ziel ist es, in der neuen Wahlperiode die Weichen dafür zu stellen, um die vermeidbaren Lebensmittelabfälle in Deutschland bis zum Jahr 2030 zu halbieren. Daher setze ich mich weiterhin dafür ein, Missverständnisse beim Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) abzubauen und die Verbraucherinformation noch besser zu gestalten.

Lieber Herr Professor Töpfer, ich danke Ihnen für die Unterstützung in dieser Sache!

Tierwohl

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich aus der Vielzahl der Herausforderungen, denen sich die Landwirtschaft der Zukunft stellen muss, das Thema Tierhaltung herausgreifen.

In der Gesellschaft wächst insgesamt das Interesse daran, wie die Tiere gehalten wurden, deren Fleisch, Milch oder Eier wir verzehren. Gefragt nach ihren Erwartungen an die Landwirtschaft nennen die Befragten des BMEL-Ernährungsreports 2017 auf Platz eins eine artgerechte Tierhaltung. 87 Prozent möchten bessere Standards in der Tierhaltung, 82 Prozent wünschen sich mehr Transparenz über die Bedingungen, unter denen die Nutztiere gehalten werden.

Diese Stimmung müssen wir nutzen: Deutschland soll Trendsetter beim Tierwohl werden!

Die Weiterentwicklung im Tierwohl muss praxistauglich sein und darf kleinere und mittlere Betriebe nicht überfordern. Wer heute in einen modernen, besonders tiergerechten und umweltgerechten Stall investieren will, der braucht für die nächsten Jahre Klarheit über die Rahmenbedingungen. Ich bin sehr dafür, dass wir neu gebauten Ställen künftig für 15 Jahre Rechtssicherheit geben. Die strategische Leitlinie hierfür ist meine nationale Nutztierhaltungsstrategie, die ich mit Politik und Verbänden diskutiere. Damit werden wir den Tierhaltern und der gesamten Wertschöpfungskette langfristige Orientierung geben. Mit dieser Strategie werden wir unsere landwirtschaftlichen Tierhalter im Qualitätswettbewerb stärken.

Lieber Gert Lindemann, als fachkundiger Leiter des Kompetenzkreises Tierwohl und Mitglied im Beraterkreis Nutztierhaltungsstrategie haben Sie hierfür wichtige Vorarbeiten geleistet. Dafür meinen herzlichen Dank!

Übergang zur Verleihung der Professor-Niklas-Medaille

Meine Damen und Herren, ich setze für die neue Wahlperiode auf einen fairen gesellschaftlichen Dialog, der von gegenseitigem Respekt getragen ist und mit dem wir unsere Landwirtschaft in der Mitte der Gesellschaft verankern.

Als strategische Leitlinie hierfür habe ich Ende des letzten Jahres mein Grünbuch "Ernährung, Landwirtschaft, ländliche Räume" vorgelegt.

Eine Kernbotschaft daraus lautet: Die Bewahrung der Schöpfung und die Ernährung der Bevölkerung sind kein Widerspruch. Die Landwirtschaft ist nicht Teil des Problems, die Landwirtschaft ist Teil der Lösung! Lösungen finden, Wege aufzeigen, vermeintliche Gegensätze zusammenführen: Das hat auch das Wirken unserer Preisträger geleitet und geprägt. Eine Preisträgerin, nämlich die frühere Landwirtschaftsministerin Petra Wernicke, ist leider heute nicht mehr unter uns. Am 14. September ist sie im Alter von 64 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben. Die Nachricht von ihrem Tod hat mich tief bewegt.

Für ihre ausgleichende Art und ihren agrarpolitischen Sachverstand war Petra Wernicke über Partei- und Fraktionsgrenzen hinaus sehr geschätzt. Sie stand für Zusammenhalt, Versöhnung und Dialog. Aufgrund der schweren Erkrankung von Frau Wernicke habe ich sie bereits am 8. September in ihrem Heimatort Walbeck gemeinsam mit Staatssekretär Dr. Aeikens mit der Professor-Niklas-Medaille in Silber ausgezeichnet. Ich bin dankbar für diese letzte Begegnung und ich werde im Anschluss noch einige Worte zu ihrer Lebensleistung sagen.

Sehr geehrter Herr Professor Töpfer, lieber Gert Lindemann, lieber Norbert Schindler, Sie engagieren sich alle in besonderem Maße für eine wertgeschätzte, moderne und nachhaltige Land- und Forstwirtschaft! Damit pflegen und bewahren Sie nicht zuletzt das Erbe von Professor Wilhelm Niklas. Und deswegen ernten Sie heute auch einen ganz besonderen Dank!

Die Professor-Niklas-Medaille ist die höchste Auszeichnung, die ich als Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft zu vergeben habe. Professor Niklas war nicht nur der erste Bundesminister für Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg. Er trat selbst entschieden ein für eine sichere Ernährung und für eine leistungsfähige Land- und Forstwirtschaft.

Sie, die ich heute mit seiner Medaille ehre,
Sie alle wandeln in Professor Niklas‘ Fußstapfen!
Ich danke Ihnen dafür herzlich!

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