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Deutschland muss bei den digitalen Innovationen eine Vorreiterrolle einnehmen

Datum:
23.10.18
Ort:
Bonn
Redner:
Bundesministerin Julia Klöckner

Rede von Bundesministerin Julia Klöckner zur Eröffnung der 7. Innovationstage 2018 "Innovative Ideen – smarte Produkte" in Bonn

Es gilt das gesprochene Wort.

Anrede

Einleitung:

"Innovationsfähigkeit fängt im Kopf an, bei unserer Einstellung zu neuen Techniken, bei unserer Haltung zur Veränderung schlechthin. Die Fähigkeit zur Innovation entscheidet über unser Schicksal.“

Diese Aussage hat 1997 unser ehemaliger Bundespräsident Roman Herzog in seiner damaligen „Ein Ruck muss durch Deutschland gehen“ – Rede formuliert. Mit seiner Rede wollte er einen Impuls setzen, nach vorne zu denken, mit Mut, frischen Ideen, die Zukunft zu gestalten. Aus der festen Überzeugung, dass die Zukunft aktiv gestaltet werden muss, auch wenn die Aufgaben nicht kleiner werden, neue Anstrengungen zu leisten sind.

Wenn ich mir nun das Programm der kommenden zwei Tage anschaue, bin ich beeindruckt, wie praktisch und lebensnah die Aussage unseres ehemaligen Bundespräsidenten hier in Bonn mit Leben erfüllt wird. Sie zeigen und diskutieren mehr als 120 Projekte. Sie machen so die Innovationsfähigkeit bei Landwirtschaft und Ernährung greifbar. Denn sie findet nicht im akademischen Elfenbeinturm statt, sondern wir können sie hier praktisch erleben.

Sie helfen uns damit dabei, Antworten zu geben zu unterschiedlichsten Fragestellungen des täglichen Lebens. Die jeden betreffen, die auch auf der politischen Agenda weit oben stehen. Die Debatte über die Reduktion von Salzen, Fetten und Zucker in Lebensmitteln wird nicht mehr nur in Fachzeitschriften, sondern auch in den großen deutschen Tageszeitungen medial geführt. Tierschutzfragen werden öffentlich auf den Titelseiten deutscher Boulevardzeitungen adressiert und stehen nicht mehr nur im Fokus von topagrar oder "Du und das Tier".

Sie alle tragen also mit Ihrer Arbeit dazu bei, die Zukunft unserer gesunden Ernährung zu gestalten, genauso wie die Tierhaltung, von den Schweinen über die Kühe bis hin zu den Bienen. Sie stellen Projekte vor, die sich mit dem nachhaltigen Ackerbaubau beschäftigen, mit neuen Möglichkeiten bei Düngung, Züchtung oder Pflanzenschutz.

Ich erkenne viele kleine, innovative Bausteine, die einzeln vielleicht unscheinbar wirken, die aber in ihrer Gesamtheit dazu beitragen können, die Zukunft der Land- und Ernährungswirtschaft zu beschreiben und mit Leben zu erfüllen.

Digitalisierung

Wenn wir über Innovationen reden, komme ich zunächst am Stichwort "Digitalisierung" nicht vorbei. Das ist auch heute und morgen in Bonn nicht anders, bei fast der Hälfte der vorgestellten Projekte (47) spielt sie die entscheidende Rolle.

Denn sie ist nun mal eine der großen und schnellen Entwicklungen des 21. Jahrhunderts – mit tiefgreifenden Veränderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen. Es ist nun unsere gemeinsame Aufgabe, das enorme Potenzial der Digitalisierung zu nutzen. Dazu gehört, die technischen Fähigkeiten hervorzuheben und ökonomische, soziale und politische Konsequenzen zu sehen und zu gestalten. Aber auch Akzeptanz zu schaffen.

Das bedeutet, Innovationen zu fördern, richtige Anreize zu setzen, damit wir uns stetig weiter entwickeln. Neue Lösungen für alte Probleme suchen. Nicht mit Scheuklappen denken, sondern der Kreativität Gestaltungsspielraum lassen, Chancen nutzen und sich nicht durch wage Risiken abschrecken lassen. Deutschland muss bei den digitalen Innovationen eine Vorreiterrolle einnehmen.

In der Land- und Ernährungswirtschaft gehören digitale Techniken bereits zum Alltag. Sie bieten die Chance, Lebensmittel nachhaltiger und nachvollziehbarer zu erzeugen. Und sie können zum Akzeptanztreiber für die Landwirtschaft werden, indem durch die Digitalisierung mehr Tierwohl, Umwelt- und Naturschutz erzielt werden.

Tierhaltung zukunftsfähig machen

Wenn aktuell Debatten um die Zukunft der Landwirtschaft geführt werden, ist meist die Tierhaltung im Zentrum der Diskussion.

Dabei geht es häufig allerdings eher um Problemstellungen bei der Haltung und beim Umgang mit den Tieren, als um die positiven Entwicklungen, die durch Innovationen, durch die Digitalisierung erreicht wurden. Die einzelnen Stichworte dazu brauche ich hier sicher nicht weiter ausführen. Dadurch wird aber klar ersichtlich, dass wir bei der Verbesserung von Tierwohl und Tierschutz weiter konkrete Ergebnisse erzielen müssen, auch in der Forschung.

Wir müssen Tierwohl besser messbar machen, so wie es die siebzehn Projekte, die im Rahmen der Innovationstage über das Thema Tierwohl berichten, versuchen. Diese Arbeit ist von immenser Bedeutung, denn die Politik braucht Zahlen, Daten und Fakten, um dann auf wissenschaftlicher Grundlage Tierwohlstandards zu definieren und die Tierhaltung zukunftsfest aufzustellen.

Den Acker nachhaltig nutzen

Neue Aufgaben ergeben sich aber nicht nur im Stall sondern auch auf dem Acker. Denn spätestens in diesem Sommer ist vielen deutlich vor Augen geführt worden: Boden ist eine Lebensgrundlage. Hier wachsen unsere Mittel zum Leben.

Wenn wir den Boden nicht ausreichend schützen und Pflanzen nicht klimaresistenter machen, dann spüren wir die Endlichkeit dieser Ressource umso schneller. Deshalb freut es mich, auch zu diesen Themenfeld viele konkrete Innovationen sehen zu können. Die Resistenz-Verbesserung von unterschiedlichen Getreidesorten ist Bestandteil vieler Züchtungsprojekte, beim Mais genauso wie bei Gerste oder Weizen.

Was sich für den Außenstehenden erst einmal akademisch-abstrakt anhört, hat später konkreten Einfluss auf den Ernteertrag oder die Qualität bei der Lebensmittelherstellung. Und damit auf unsere täglichen Mittel des Lebens. Ihre Forschungsergebnisse haben aber auch Einfluss auf die Politik. Denn Ihre Grundlagen werden mir helfen können, meine Ackerbaustrategie zu formulieren, die bis zum Herbst 2019 entstehen wird.

Insekten schützen

Wir müssen unsere Äcker schützen und dabei Biodiversität fördern. Aber nicht nur um Boden, Luft und Wasser als Ressourcen langfristig zu sichern, sondern auch um den Schutz der Insekten und insbesondere der Biene ernst zu nehmen.

Ich habe gleich zu Beginn meiner Zeit als Ministerin einen bereits viel zitierten Satz formuliert: "Die Biene ist systemrelevant". Mittlerweile würde ich sogar sagen "Unsere Insekten sind systemrelevant."

Dass ich nicht alleine mit dieser Meinung bin, zeigt mir ein Blick in das Programm der Innovationstage. Unterschiedliche Projekte beschäftigen sich mit dem Kampf gegen Krankheiten und Schädlinge. Wir werden sehen und hören, warum einige wenige Bienen mit einem RFID-Transponder auf dem Rücken langfristig der Gesundheit aller Bienen dienen werden.

Insekten sind wertvoll für Natur und Umwelt und damit auch für unser menschliches Leben. Mit Ihrer Forschungsarbeit wollen sie Lösungsansätze entwickeln, die aufzeigen, wo wir handeln müssen. Und was getan werden muss, um Insekten langfristig wirkungsvoll zu schützen.

VI. Gesunde Ernährung fördern

Mit meiner Ankündigung in der vergangenen Woche, eine nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten auf den Weg zu bringen, habe ich eine breite öffentliche Diskussion ausgelöst. Viele schienen überrascht zu sein von dieser Ankündigung, auch wenn sie bereits im Koalitionsvertrag verankert war.

Ich bin sicher, dass sich bei den meisten von Ihnen die Überraschung in Grenzen gehalten hat, da sie ja bereits an konkreten Lösungen zur Reformulierung von Lebensmitteln arbeiten. Sie erforschen, wie wir Salze, Zucker oder Fette reduzieren können, ohne dabei negative Auswirkungen bei Qualität und Geschmack und damit beim Genuss unserer Lebensmittel zu haben. Denn unser Ziel muss sein, beim „Berliner Pfannkuchen“ den Fettanteil zu reduzieren ohne den berühmten, traditionellen Geschmack zu verfälschen. Ich wünsche Ihnen, dass die von mir gestartete Debatte auch Ihrer Arbeit zusätzlichen Rückenwind gibt.

VII. Schluss

Mein Ministerium fördert aus voller Überzeugung Ihre Innovationskraft, Ihre Köpfe, Ihre Kreativität, um die großen Chancen der Forschung für Landwirtschaft, Ernährung, Umwelt und Gesellschaft zu nutzen und gleichzeitig Risiken zu minimieren.

Unser gemeinsames Ziel muss sein, Veränderungen positiv zu gestalten, durch den Mut neu zu denken auch einmal etwas zu wagen.

Deshalb rufe ich Sie dazu auf, weiter experimentierfreudig und neugierig zu sein. Sie können sicher sein, dass Sie mich dabei an Ihrer Seite wissen.

Die Innovationstage zeigen zudem öffentlichkeitswirksam Handlungsfelder auf, in denen das BMEL und damit die Land- und Ernährungswirtschaft bereits aktiv engagiert ist und in denen es noch weiter aktiv sein wird.

Das ist auch notwendig, um von der Theorie zur Praxis, vom Labor auf den Acker, in den Stall oder auch auf den Küchentisch zu kommen. Denn es schafft Akzeptanz und Transparenz. Nur so kann ich eine breite gesellschaftliche Basis erreichen und überzeugen, Innovationen zu begrüßen und nicht abzulehnen.

Zu guter Letzt ist es mir ein Anliegen, meinen aufrichtigen Dank an Sie, Herr Präsident Dr. Eiden und Ihr ganzes Team auszusprechen. Denn ohne Ihre Arbeit würden wir nicht alle zwei Jahre diese beeindruckenden Innovationstage durchführen können.

Sie sind erfolgreiches Bindeglied zwischen dem BMEL und der Wissenschaft und Forschung und das Tag für Tag. Ich bin nun gespannt auf viele spannende Eindrücke und Einblicke, gute Gespräche und unzählige Innovationen.

Vielen Dank.

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