BMEL

Service

Logo des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz - zur Startseite

"Ich will, dass wir gemeinsam Veränderungen gestalten"

Datum:
28.06.18
Ort:
Wiesbaden
Redner:
Bundesministerin Julia Klöckner

Rede der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner auf dem Deutschen Bauerntag in Wiesbaden am 28. Juni 2018.

Es gilt das gesprochene Wort.

Lieber Präsident Rukwied,
liebe Präsidentin Scherb,
liebe BDL-Bundesvorsitzende
Sehnke und Schaller
liebe Bäuerinnen, liebe Bauern,
liebe Landfrauen, liebe Landjugend,
liebe Damen und Herren Abgeordnete,

Der Deutsche Bauerntag ist ein besonderer Tag. Ganz Deutschland schaut auf Sie, die Medien berichten. Für Sie eine Chance, bewusst zu machen, was Sie Tag für Tag leisten. Bauern erzeugen unsere Mittel zum Leben. Bauern pflegen unsere Kulturlandschaft. Sie sind Träger vieler Traditionen und Innovationen, die unsere Heimat und speziell die ländlichen Regionen prägen.

Landwirtschaft ist in ländliche Räume eingebettet, und das sollten wir als Standortvorteil nutzen. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Ich male hier kein romantisches, überholtes Bild der Landwirtschaft. Aber eines bleibt trotz aller Veränderungen: Wer einen Hof bewirtschaftet, in Familienstrukturen, mit dem Boden und mit Tieren arbeitet, wer sein Wissen und seine Begeisterung weiterträgt und zusammen mit dem Betrieb an die nächste Generation übergibt, der ist kein kurzatmiger Denker und Spekulant.

Wer aus der Landwirtschaft kommt, der steht für ein bestimmtes Lebens- und Arbeits-, für ein Pflichtgefühl. Ich finde, ein Händedruck sagt viel. Fest, klar und zupackend, geradeaus und offen schauend - so begegnen mir Landwirte. Liebe Bauern, Sie alle sind ein Stück Deutschland! Sie stehen für 275.400 Betriebe, davon 90 Prozent familiengeführt – das ist eine stolze Zahl.

Gerade haben Sie den Ausbildungsbetrieb des Jahres ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch an die Familie Pohlmann .

Ich bin sehr froh, hier zu sein. Gerade in Zeiten wie diesen.

Europa / Herausforderung und Regierungserklärung

Wir befinden uns in Europa in einer schwierigen Phase. Es werden viele Gespräche geführt. Ich war selbst am Montag bei meinem französischen Amtskollegen Stéphane Travert. Die deutsch-französische Zusammenarbeit ist und bleibt entscheidend.

Jetzt komme ich gerade von der Regierungserklärung der Bundeskanzlerin in Berlin. Zur Zukunft Europas. Wir sind in Europa an einem Punkt, an dem wir aufgerufen sind, uns auf unsere Basis zurückzubesinnen. Auf unsere Werte, auf unsere Geschichte. Auf den Erfolg der Europäischen Union als Friedensprojekt. In dessen Rahmen auch die Einheit unseres Landes möglich geworden ist. Auf die Erkenntnis, dass Europa nur erfolgreich war, weil wir eine Kultur der Verhandlungen, des Dialogs, oft auch des Kompromisses gelebt haben.

Das sollten wir uns bewusst machen, auch und gerade wenn wir von der Gemeinsamen Agrarpolitik reden. Denn die gemeinsame Agrarpolitik gehört mit zur Basis des Europäischen Einigungsprozesses. Damit fing es an. Mit der Frage, die sich die Bürger stellten, als sie im Jahr 1957 die Römischen Verträge entwarfen und 1962 die GAP einführten. Es ging um Sicherheit - vor Bedrohung, vor Kälte, vor Hunger. Das alles ist nicht lange her. Meine Großeltern gehörten noch zu der Generation, die Hunger erlebt hat.

Wir fühlen uns heute so sicher mit unserer Ernährung. Es ist ja alles da. Aber das ist gefährlich, sich allzu sicher zu sein und das, was man hat, nicht mehr richtig zu schätzen. 

Bauern können stolz sein

Nur so kann ich mir erklären, warum es immer wieder zu Pauschalvorwürfen gegen DIE Landwirtschaft kommt. Es ist so einfach und medienwirksam gesagt von einigen NGOs "Wir haben Euch satt". Die Antwort der Bauern war genau richtig. "Wir aber machen Euch satt."

Ich bin immer wieder erstaunt, wenn es um die Landwirtschaft geht, dass wir schlagartig 80 Millionen Agraringenieure haben - in knappen Zeichen auf Twitter oder Facebook wird dann die Welt und der Bauer zum Schuldigen für alles erklärt. Niemand macht alles richtig, aber auch nicht alles falsch.

Lassen Sie sich nicht ihren Stolz nehmen - auch wenn das Internet und die sozialen Medien oft gnadenlos sein können. Diejenigen, die im Internet Shitstorms lostreten gegen Bauern, können das nur, weil sie selbst nicht im Stall und in der Ackerfurche stehen.

Wer heute als Landwirt bestehen will, muss zwangsläufig sich immer wieder mit dem Neuen auseinandersetzen und miteinander Perspektiven zu entwickeln. In der Landwirtschaft sind Perspektiven ja nicht von einem Jahr zum nächsten, sondern mindestens von einer Generation zur nächsten.

Der Bauer von heute fragt sich deshalb weniger, wie komme ich über die Runden, sondern was übergebe ich an die nächste Generation.

Sie wissen, ich bin aufgewachsen in einem Ort bei Bad Kreuznach, Guldental. Ein Ort, geprägt von der Landwirtschaft, vom Weinbau. Mein Vater hat selbst ein Weingut aufgebaut. Und er war, wie die anderen Winzer, wie die anderen Landwirte, stolz darauf. Stolz auf die bestellten Weinberge, auf die Ernte. Wir müssen es vermitteln, dieses erdverbundene Gefühl, das aus der Verwurzelung mit der Urproduktion, der Hände Arbeit, der Gestaltung im Einklang und in der Auseinandersetzung mit den Jahreszeiten wächst. Die Verantwortung für Boden und Tier. Der Stolz, etwas zu leisten, es ist nichts weniger als Menschen satt zu machen. Das ist etwas, darüber sollten Sie mehr reden!

Wertschätzung von Lebensmitteln

Leider ist die Wertschätzung für die Lebensmittel verloren gegangen. Wir müssen über Tierwohl reden. Über Pflanzenschutz. Über Nachhaltigkeit. Ja, wir brauchen hier Veränderungen. Wir müssen manche Entwicklung kritisch hinterfragen. Denn die Zukunftsfähigkeit der Land- und Ernährungswirtschaft steht und fällt mit ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz.

Aber ich will auch die Verbraucher in die Pflicht nehmen. Ich will, dass wir die Debatten auf der Grundlage von Fakten führen. Auf der Grundlage von Wissenschaft. Und nicht auf der Grundlage von Ideologien, von Unterkomplexität, von Nicht-Wissen.

Die Bauern, die Landwirtschaft, musste sich über Jahrhunderte immer wieder verändern, anpassen, auf neue Herausforderungen reagieren. Ich will nicht, dass Sie sich wie Getrieben in der Debatte fühlen, die nur auf Druck reagieren müssen. Ich will, dass wir gemeinsam Veränderungen gestalten. Aus einer Position der Stärke, als Handelnde, als Taktgeber. Mit Innovation, mit moderner Technik, mit modernen Konzepten.

Debatten, bei denen die Ländlichen Räume, die Landwirtschaft im Mittelpunkt hätte stehen müssen, sind dabei aus der Perspektive der Stadt geführt worden. Wie Tiere am besten gehalten werden. Was gute Landwirtschaft ausmacht. Aber ich will auch die Verbraucher in die Pflicht nehmen.

Etliche von Ihnen habe ich in den ersten Wochen meiner Amtszeit schon in meinem Ministerium begrüßen können. Ein ums andere Mal saßen wir schon miteinander am Tisch und haben an Lösungen gearbeitet, die uns voranbringen. Alle gehören an einen Tisch, wenn wir zum Ziel kommen wollen. Wenn wir miteinander reden und nicht nur übereinander. Erst diesen Montag saßen wir zusammen. Frau Scherb, Sie waren mit dabei, als es um die GAP ging. Der Bauernstand, die Landfrauen, die Landjugend, die Umweltverbände, die Ernährungswirtschaft, der Lebensmittelhandel.

Ländlicher Raum

Zukunft wächst auf dem Land. Das hat Ihr Verband als Überschrift über diesen Bauerntag geschrieben. Ja, das ist richtig. Aber das ist kein Selbstläufer. Der Ländliche Raum ist der wesentliche, ja prägende Teil unseres Landes. Als Zentrum der mittelständischen Wirtschaft. Als Kraftzentrum unseres Landes.

Ohne Landwirtschaft stirbt der ländliche Raum. Und ich will Start-Ups nicht nur in Berlin, München, Köln oder Hamburg. Ich will sie bei Herrn Rukwied in Eberstadt, ich will sie vom Emsland bis in die Altmark. Die jungen Leuten, liebe Frau Sehnke, lieber Herr Schaller, mit ihrem Können und ihrer Kreativität sind gefragt: neue Wege zu gehen, neue Vorschläge machen. Genau das brauchen wir, wenn die Zukunft auf dem Land wachsen soll. Auf dem Land gab es immer zwei Gruppen von Jugendlichen. Die, die gegangen sind. Und die, die bleiben wollten.

Früher erforderte das Gehen Mut. Heute ist das Gehen oft der einfachere Weg. Wer bleibt, braucht Mut, braucht Unternehmergeist. Diesen Unternehmergeist müssen wir stützen. Sie, als Verband, wir als Bundesregierung.

Digitalisierung

Die Landwirtschaft ist ja bereits Treiber der Digitalisierung. Auch etwas, das vielen in der Stadt nicht bewusst ist. Ich merke das, wenn ich in Berlin zum Beispiel von meinem Besuch auf einem Hof im Hunsrück erzähle. Wo die Kühe nicht nur eine wunderbare Aussicht haben. Sondern wo deren Gesundheit und Wohlbefinden digital überwacht werden. Mit Rückschlüsse zum Stoffwechsel und Gesundheitszustand – passgenau für jedes einzelne Tier.

Für Sie ist das Alltag. Unsere Berliner Jogger, die versuchen, ihr Fitness-Armband mit der Körperfettwaage zu koppeln, können von so viel praktischer Digitalisierung nur träumen. Deshalb müssen wir davon reden. Davon erzählen, was moderne Landwirtschaft ausmacht. Davon, wie sich die Landwirtschaft gerade auch durch die Digitalisierung ändert. Wie Digitalisierung zu mehr Tierwohl, zu mehr Nachhaltigkeit führt. Ich bin überzeugt, dass es uns auch damit gelingt, die Wertschätzung und die Akzeptanz für die Landwirtschaft neu zu erringen.

GAK

Vor dem Wachsen und Ernten der Zukunft auf dem Land, steht das Säen. Im Koalitionsvertrag sind für die kommenden Jahre 1,5 Milliarden Euro vorgesehen, für die Landwirtschaft und die Ländliche Entwicklung. Damit können wir eine gute Saat ausbringen. Wir können in eine moderne Landwirtschaft investieren. Und in die Ländlichen Räume. Wir wollen die GAK breiter aufstellen. Das ist der richtige Weg. Und die Landjugend hat das erkannt. Wer die Verbesserung von Agrarstruktur, Hochwasser- und Küstenschutz erfolgreich betreiben will, der braucht starke ländliche Räume. Schauen Sie nicht einfach zu, ob die Zukunft von allein wächst.

GAP – Bedeutung und aktuelle Debatte

Die Debatte über die Zukunft der GAP ist dafür eine Chance. Denn sie bietet Anlass zu erklären, wie unsere heutige Landwirtschaft entstanden ist. In welchem engen Geflecht sie mit dem Ländlichen Raum und dessen Zukunft verbunden ist.

Warum sie einen Beitrag dazu leisten kann, das Auseinanderdriften, vor dem viele Angst haben, zu verhindern. Ja, es ist viel Geld, das in der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik steckt. Aber es ist Geld, das gut angelegt ist. Trotzdem gibt es viele Befindlichkeiten, Begehrlichkeiten und Emotionen.

Im Koalitionsvertrag haben wir ganz klar definiert, dass wir das Volumen der GAP im bisherigen Umfang beibehalten wollen. Dafür werde ich kämpfen, gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern. Bei der Weiterentwicklung der GAP werde ich darauf achten, dass einerseits nicht noch mehr von den Bäuerinnen und Bauern gefordert wird, während man ihnen gleichzeitig die Mittel kürzt. Das ist nicht vermittelbar!

Darin bin ich mir auch mit meinem französischen Kollegen Stephane Travert einig. Weniger Bürokratie und mehr Effizienz für eine marktfähige, flächendeckende bäuerliche Landwirtschaft: Dieses Ziel haben wir in der Koalition für die GAP nach 2020 fixiert. Und entlang dieser Maßgabe werden wir die Vorschläge zur GAP prüfen und bewerten. Innerhalb der Bundesregierung, mit den Ländern und natürlich mit Ihnen!

Nach meiner ersten Einschätzung gibt es, das sage ich ganz deutlich, Licht und Schatten.

GAP - Zwei-Säulen-Struktur

·Zunächst ist es gut, dass die Kommission einige wichtige deutsche Anliegen berücksichtigt hat: Die Beibehaltung der Marktausrichtung. Und gleichzeitig eine stärkere Förderung der Umwelt- und Klimaleistungen der Landwirtschaft. Die bewährte Zwei-Säulen-Struktur soll erhalten bleiben.

GAP Direktzahlungen - einfach und effektiv!

Wer die bäuerlichen Betriebe in unserem Land erhalten will, kann da nicht die Axt anlegen! Denn dieses Geld ist die Basisabsicherung für Sie. Und gleicht den Aufwand für unsere hohen europäischen Standards aus. Und den müssen wir ausgleichen. Denn Sie stehen und bestehen im globalen Wettbewerb.

Doch auch bei den Direktzahlungen muss es Änderungen geben. Denn wir wollen die GAP stärker an den Belangen des Natur- und Klimaschutzes ausrichten. Auch das haben wir in der Koalition vereinbart. Wir wollen, dass unsere Landwirtschaft noch nachhaltiger wird.

Wie diese Anforderungen am Ende aussehen, darüber werden wir natürlich noch zu diskutieren haben. Sie müssen wirksam, aber auch für Sie umsetzbar sein. Deshalb finde ich auch die vorgesehene Möglichkeit, kleinere und mittlere Betriebe noch besser zu fördern, gut. Das sollten wir nutzen. Da sind wir auch einer Meinung.

Anders als die Kommission sehe ich aber eine verpflichtende Kappung der Zahlungen bei 100 000 Euro nicht als geeignetes Instrument an. Hier müssen wir noch viel mit den anderen Mitgliedsstaaten und der Kommission diskutieren. Ob eine Degression der Direktzahlungen ein geeignetes Mittel ist, werden wir prüfen. Denn große Unternehmen haben im Vergleich zu kleineren bäuerlichen Betriebe schon Kostenvorteile bei der Produktion.

Das neue Umsetzungsmodell muss man bis zum Landwirt durchdenken: Es darf nicht zu kompliziert sein, es muss den föderalen Strukturen entsprechen. Es ist eine Chance, aus der man etwas machen kann, wenn man es wirklich ernst meint. Bei Vereinfachung nehme ich Kommissar Hogan beim Wort, das habe ich auch beim letzten Agrarrat deutlich gemacht. Vereinfachung wie eine Werbeschild vor sich hertragen und den Mitgliedsstaaten dann das Päckchen mit "Mach mal!" weiterreichen, das geht nicht.

Wir brauchen konkrete und praxisnahe Vorschläge, wo und wie es eingefahren werden soll.

Herausforderungen und Bedeutung von Planungssicherheit

Wir werden hier hart verhandeln. Und wir lassen Sie auch bei allen Veränderungen, die auf uns zukommen, nicht allein. Denn eines ist mir auch klar: Wenn Sie wirtschaftlich erfolgreich sein wollen, dann geht das nur, indem Sie Planungssicherheit haben. Wenn Sie wissen, was kommt. Diese Sicherheit will ich Ihnen bieten. Aber es werden Veränderungen kommen. Und neue Herausforderungen. Auch die will ich heute nicht aussparen. Denn ich weiß, dass Ihnen viele Punkte unter den Nägeln brennen. Welche Pflanzenschutzmittel in Zukunft zur Verfügung stehen werden. Diebstähle, vor allem von Vieh und Maschinen.

Tierhaltung allgemein

Die Tierhaltung gehört für mich zu den zentralen Themen, bei denen wir miteinander viel erreichen können. Dazu stehen wir im Gespräch miteinander und der Gesprächsfaden wird nicht abreißen mit mir. Unsere Nutztierstrategie weist den Weg in eine Tierhaltung mit Zukunft. Sie nimmt neben dem Tierwohl auch den Umweltschutz und Emissionen in den Blick. Ich weiß, an den Bauern scheitert mehr Tierwohl nicht, wenn die Rahmenbedingungen passen. Nutztierhaltung der Zukunft, das muss vom Bauen bis zum Tierwohl ein stimmiger Prozess sein.

Tierwohlkennzeichen

Deswegen sehe ich uns auf einem guten Weg Richtung Tierwohlkennzeichen. Erst diese Woche, lieber Präsident Rukwied, haben wir dazu wirklich gute Gespräche geführt. Das Tierwohlkennzeichen soll zum Symbol werden, das den wirklichen Bauernstolz im verantwortungsvollen Umgang mit Tieren zum Ausdruck bringt. Denn wer wirklich mehr tut, als er muss, der soll das auch zeigen dürfen.

Den Gesetzentwurf, der Grundlage für das Tierwohlkennzeichen wird, habe ich vorgelegt und auch den Verbänden zugeleitet. Wir sind offen für die zeitgleiche Einführung des Kennzeichens für Schweine und Geflügel. Ich bin ganz bei Ihnen, wenn wir langfristig eine europäische Lösung anstreben. Lassen Sie uns deshalb gemeinsam unser nationales Tierwohlkennzeichen auf einen guten Weg bringen und dann das dicke europäische Brett bohren.

Stalleinbrüche

Übrigens, ich bin auf der anderen Seite aber auch dafür, dass die wenigen, die ihre Tiere nicht ordentlich halten, entsprechend bestraft werden. Aber die Kontrolle obliegt dem Staat. Unrecht kann man nicht durch Unrecht bekämpfen. In einem Rechtsstaat braucht es keine selbsternannte Stallpolizei!

Schweinehaltung / Ferkelerzeugung

Zur Planungssicherheit gehört auch, dass ich sage, Tierhaltung gehört zur Vielfalt der deutschen Landwirtschaft. Das sage ich jetzt bewusst auch zu den Schweinehaltern. Natürlich ist es mein Ziel, dass die Ferkelerzeugung zu wirtschaftlich guten Rahmenbedingungen bei uns im Land eine Zukunft hat. Aber auch hier gilt: Wir müssen Wirtschaftlichkeit und Tierwohl in Einklang bringen.

Deshalb greife ich Ihren Vorschlag für einen Runden Tisch gerne auf - auch hier reden wir miteinander und nicht übereinander. Dann kommen wir zum Ziel bei der Ferkelkastration und bei den Kastenständen. Wir wollen Wirtschaftlichkeit und Tierschutz in Einklang bringen - im Miteinander und nicht im Gegeneinander. Wir sind zu all diesen Themen im intensiven Austausch mit den Ländern und mit dem Berufsstand.

Bei den Kastenständen muss eine Neuregelung den rechtlichen Erfordernissen und denen des Tierschutzes Rechnung tragen. Sie muss aber auch und gerade für kleinere und mittlere Betriebe machbar und wirtschaftlich darstellbar sein! Deshalb gibt es Übergangsfristen. Bei der Ferkelkastration haben wir im Koalitionsvertrag vereinbart, dass zusätzlich zu den bestehenden Wegen für weitere tierschutz- und praxisgerechte Alternativen zur Ferkelkastration die rechtlichen Voraussetzungen auf wissenschaftlicher Grundlage geschaffen werden sollen.

Dazu stehen wir! Eine Änderung des Tierschutzgesetzes wird nicht an der CDU/CSU scheitern. Reden Sie mit Ihren Landesregierungen über dieses Thema.

Milch

Wir werden auch bei der Milch weiter zusammen dranbleiben. Denn im Milchsektor sind bei weitem noch nicht alle Aufgaben gelöst. Meine sehr geehrten Damen und Herren, beim Export hat die Milchbranche die Chancen, die sich aus der Öffnung des Milchmarktes ergeben haben, genutzt. Doch sie hatte für unsere Milchbäuerinnen und Milchbauern auch eine andere Seite. Der Markt ist zunehmend volatiler geworden. Deshalb haben wir alle paar Jahre Milchkrisen, in denen der Staat helfen soll. Das kann aber auf Dauer keine Lösung sein, die Branche muss sich so aufstellen, dass Marktschwankungen nicht unsere Milchbetriebe sofort in der Existenz gefährden.

Die Politik hat bereits die rechtlichen Instrumentarien geschärft. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Veränderungen durch die Wirtschaft sind gegeben, egal, ob es um die Bildung eines Branchenverbandes oder die Änderung der Rohmilchlieferbedingungen geht.

Denn wir wollen alle, dass die Branche die Wertschöpfungskette selbst zukunftsfest gestaltet. Es gibt in der Gemeinsamen Marktordnung im Artikel 148 die Möglichkeit für die Politik, Lieferbeziehungen zu konkretisieren. Deshalb habe ich die Verbände auch für übernächste Woche zu mir ins Ministerium eingeladen und bin gespannt zu hören, welche Konzepte die Branche sich ausgedacht hat.

Ich will gemeinsam mit Ihnen daran arbeiten, dass die Wertschöpfungskette so gebaut ist, dass sie wenigstens gegen die schlimmsten Preiskapriolen ein gewisses Maß an Schutz bietet.

Wolf

Nutztierhaltung ermöglichen, heißt, Risiken reduzieren. Deshalb müssen zu einem effektiven Wolfsmanagement kommen. Artenvielfalt ist wichtig, aber es kann ja nicht sein, dass wir wegen einiger Problemwölfe unsere Freilandhaltung neu erfinden müssen.

Gestern habe ich mit den Länderkollegen Schmidt und Backhaus ein sehr konstruktives Gespräch zum weiteren Vorgehen gehabt. 100 Prozent Entschädigung für die Präventionsmaßnahmen der Tierhalter sind wichtig. Wir sind uns einig, dass wir einen klaren Kriterien- und Maßnahmenkatalog brauchen. Wir brauchen Rechtssicherheit zur Entnahme von Wölfen.

Nitrat-Urteil

Kommen wir vom Stall und der Weide auf den Acker! Ganz aktuell ist das Nitrat-Urteil aus der vergangenen Woche. Dazu habe ich mich klar positioniert. Denn hier haben wir schon geliefert. Wir haben ein Dünge-Paket geschnürt, das der Landwirtschaft ein ökonomisch tragfähiges und zugleich ressourcenschonendes Wirtschaften ermöglicht. Insofern verwundert das Urteil nicht: Es bezieht sich auf eine alte, in dieser Form nicht mehr existente Düngeverordnung. Wir werden hier zeitnah gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium bei der Kommission vorstellig werden. Ob die Kommission unsere Einschätzung der Lage teilt, bleibt abzuwarten, denn der EUGH hat die Argumente der Kommission übernommen.

Ackerbaustrategie – Pflanzenschutzmittel

Der Acker ist das klassische Sinnbild für das Wachsen. Säen, Wachsen, Ernten – dieser Kreislauf soll nachhaltiger werden.

Wir unterlegen unsere Vorhaben mit einer Ackerbaustrategie, in der wir auch die Umwelt stärker fokussieren. Die wir jetzt in einem umfangreichen Prozess auch gemeinsam mit Ihnen erarbeiten und im kommenden Herbst vorstellen werden. Die von Ihnen gemeinsam mit anderen Verbänden im Mai vorgelegte Zukunftsstrategie wird hier mit einfließen.

Ziel ist, den Ackerbau ökologisch und ökonomisch so auszurichten, dass er auch in Zukunft in Deutschland gesellschaftlich akzeptiert und nachhaltig produzieren kann. Dazu gehören für mich auch Pflanzenschutzmittel – als Mittel zum Schutz von Pflanzen. Mehr Forschung und mehr Nachhaltigkeit müssen da Hand in Hand laufen.

Auch das Thema Dürre. In einigen Regionen Deutschlands und lokal gibt es erhebliche Trockenheits- oder Starkregenschäden. Da gibt es nichts schönzureden. Wir haben ja mit der Tarifglättung bereits dafür gesorgt, dass gute Jahre und schlechte Jahre steuerlich ausgeglichen werden können. Und auch hier zeigt sich die Bedeutung der Direktzahlungen. Denn sie bieten Sicherheit. Sie sind die Basisabsicherung, gerade in schwierigen Situationen wie der aktuellen Trockenheit.

Schluss

Liebe Bäuerinnen und Bauern,

Sie gestalten den Ländlichen Raum
Sie machen satt.
Sie haben durch Ihre Leistungen Europa mit auf die Erfolgsspur gesetzt. Lassen Sie uns gemeinsam Botschafter für Europa sein. Für die Leistungen und die Bedeutung der Europäischen Union.

Nehmen Sie von mir mit:

  • Ich will eine Landwirtschaft, die stolz ist. Stolz darauf, wirtschaftlich tragfähig und gesellschaftlich akzeptiert zu sein. Die attraktiv ist für junge Menschen.
  • Die sich selbstbewusst den gesellschaftlichen Debatten stellt. Stolz aber nicht stur!
  • Die Veränderung gestaltet und nicht Getriebener ist.

Bei allen Unsicherheiten, bei allen Veränderungen und Herausforderungen ist es am wichtigsten, dass Politik klare und beständige Rahmenbedingungen bietet. Veränderung muss planbar und machbar sein.
Ich stehe für diese klaren Rahmenbedingungen, im offenen und konstruktiven Dialog.

Denn ich bin stolz auf Sie, liebe Bäuerinnen und Bauern. Stolz auf unsere Landwirtschaft!

Herzlichen Dank!

Unternavigation aller Website-Bereiche