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Das staatliche Tierwohllabel kommt, Ernährungsbildung rückt in den Fokus

Datum:
23.03.18
Ort:
Berlin
Redner:
Bundesministerin Julia Klöckner

Rede der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner zur Generaldebatte im Deutschen Bundestag am 23.03.2018

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Präsident,
sehr geehrte Abgeordnete, meine Damen und Herren,

Einleitung

"Unsere Gesellschaft ist menschlicher geworden, Spaltungen und Polarisierungen konnten verringert, vielleicht sogar überwunden werden, und Zusammenhalt ist neu gewachsen."

Dieses Ziel hat unsere Bundeskanzlerin vor 2 Tagen hier definiert.

Gerade der Bereich, über den wir heute debattieren, kann erheblich dazu beitragen, dieses Ziel des gesellschaftlichen Zusammenhalts zu erreichen. Unsere Bürger müssen spüren, dass wir uns um ihre Lebensthemen kümmern!

Wenn wir heute über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, über Wein-, Obst-, Gemüse- und Gartenbau, über Fischerei und Tierhaltung, über Biodiversität und starke ländliche Räume sprechen, dann sind das die Lebensthemen der Menschen!

Denn hier geht es um unser täglich` Brot, um die Bewahrung der Schöpfung, um Tierwohl und um eine gute Zukunft auf dem Land.

Lebensministerium und Wertschätzung

Deshalb ist das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auch das Lebensministerium, liebe Kollegen!

Diese Lebensthemen haben unsere Wertschätzung verdient!

Lebensmittel sind unsere Mittel zum Leben. Das ist nicht banal, das ist nicht unbedeutend, das ist systemrelevant!
Wertschätzung für die, die jeden Morgen früh aufstehen und hart arbeiten, damit wir alle gesunde Mittel zum Leben haben!

Wertschätzung für die, die gegen manches Vorurteil anzukämpfen haben, die die Globalisierung und Modernisierung jeden Tag im Stall und auf dem Feld erleben.


Ich freue mich sehr, dieses wichtige Haus zu führen. Unterstützt durch meine beiden Parlamentarischen Staatssekretäre Michael Stübgen und Hans-Joachim Fuchtel.

Wir können uns mehr als glücklich schätzen, in unserem Land keinen Hunger oder existenziellen Mangel erleben zu müssen, auch wenn bei nicht wenigen der Geldbeutel wirklich knapp und das Leben schwer ist.

Dennoch: In Deutschland haben wir eine große Auswahl an hochwertigen und preiswerten Lebensmitteln.
Nehmen wir das zu selbstverständlich? Wir gehen in den Supermarkt, zum Hofladen, auf den Wochenmarkt oder tummeln uns an der Theke im Internet.

Seien wir ehrlich: Wir alle machen uns viel zu wenig Gedanken, wieviel Aufwand, Sorgfalt, Herzblut, Arbeit in diesen guten Lebensmitteln steckt. Unsere Ernährungswirtschaft ernährt über 80 Millionen Menschen. 80 Millionen Experten.
Wenn wir die gesamte Lebensmittelkette betrachten, steht die Branche für jeden 9. Arbeitsplatz in Deutschland. Auch im Handel, in der Industrie im Handwerk, vom Acker bis zur Theke.

Ich bin stolz auf unsere Bauern, auf unsere Gärtner, Fischer, Forstwirte und Winzer. Auf alle grünen Berufe. Denn ihre Existenz liegt im Interesse von uns Verbrauchern.

Für sie alle will ich mich einsetzen – und habe es schon getan. 1.000 Milchbauern blieben nach der Insolvenz der Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft auf 900.000 Tonnen Milch sitzen. Wertvolle Milch, die verdorben wäre. Mit dem Präsidenten des Deutschen Raiffeisen-Verbandes konnte ich die Vereinbarung treffen, dass die Verbands-Molkereien die Milch weitgehend übernehmen. Auch Liquiditäts- und Bürgschaftsprogramme der Rentenbank konnte ich anstoßen - ich möchte mich bedanken bei allen Kollegen aus allen Fraktionen, die sich deshalb an mich gewandt haben.

Aber ich will auch betonen, wovon ich nichts halte: Wenn Milch werbewirksam ausgeschüttet wird. Wie soll man da Verbrauchern noch klar machen, dass dieses Lebensmittel etwas wert ist?

Tierwohl

Die Verbraucher sind anspruchsvoller und kritischer geworden. Auch bei der Tierhaltung.
Die Haltung der Tiere entspricht hohen europäischen Standards. Aber es gibt immer wieder schwarze Schafe, die das Image der gesamten Branche beschädigen, und sie müssen mit effektiven Strafen rechnen.
Tiere sind Mitgeschöpfe, keine Wegwerfware.
Ich will, dass es den Tieren gut geht, dass Tierwohl sich lohnt - für den Verbraucher, für den Tierhalter und für das Tier. Das muss klar erkennbar sein.
Und deshalb will ich ein staatliches Tierwohllabel einzuführen. Bessere Standards müssen erkennbar sein. Das Label soll dem Verbraucher Orientierung geben. Und er entscheidet, was ihm Tierwohl wert ist. Fleisch und Wurst aus Tierhaltung mit hoher Lebensqualität der Tiere kostet auch mehr. Die Kosten dafür können nicht alleine die Bauern schultern.

Ernährungsbildung

Ganz zentral ist für mich dabei auch die Ernährungsbildung.
Ich möchte, dass wir unseren Kindern von klein auf die besten Voraussetzungen mitgeben, um gesund groß zu werden.
Dazu gehört, dass sie lernen, wie sie sich ausgewogen ernähren. Und deshalb gehört das Thema gesunde Ernährung unbedingt in die Kitas und in die Schulen! Denn nur mit Wissen über Ernährung kann man auch Krankheiten wie zum Beispiel Diabetes begegnen. Das ist nicht nur kostengünstiger, das macht auch lebensfroher!
Fehl- und Überernährung nehmen zu. Da müssen wir an die Ursachen ran.
Alleine Produkten oder einzelnen Rohstoffen die Schuld dafür zu geben, wäre zu kurz gesprungen. Wir müssen den Lebensstil als Ganzes betrachten.
Dort, wo aber bewusst verwirrende und verbrauchertäuschende Kennzeichnungen angewandt werden, will ich Verbesserungen erreichen.
Wahrheit und Klarheit sind mir wichtig - und Alltagstauglichkeit. Nicht nur ich habe den Eindruck, dass so manche Angabe zu Portions- und Verzehrgrößen wenig mit der Lebensrealität zu tun hat.
Und noch immer werden zu viele Lebensmittel weggeworfen - über 80 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Das Mindesthaltbarkeitsdatum wird häufig als Verfalls- oder Verbrauchsdatum missverstanden.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Ernährung und gesundheitlicher Verbraucherschutz - diese Themen werden ich meinem Haus besonders betonen.

Moderne Landwirtschaft und Digitalisierung

Wissen, wo unsere Lebensmittel herkommen, wie sie verarbeitet werden, das ist wichtig!

Manch einer hat noch ein allzu romantisches und altmodisches Bild im Kopf. Unsere Ernährungs- und Landwirtschaft sind längst hochmodern und digital: Viele unserer Bauern sind zu Vorreitern in der Digitalisierung geworden. Im Hightech-Stall werden der Gesundheitszustand und die Milchqualität überwacht und dem Bauer aufs Handy geschickt.
GPS gestützte Landmaschinen arbeiten auf dem Feld zentimetergenau. So kann die Düngung, das Pflanzenschutzmittel zielgenau gesteuert und die Menge reduziert werde.

Um das zu verstetigen, brauchen wir Innovation und Forschung, Nachhaltigkeit von der Ackerfurche bis zu Cloud. In meinem Haus werde ich hier einen neuen Schwerpunkt setzen.

Keine ideologischen Grabenkämpfe

Mir ist wichtig zu betonen: Unsere Landwirtschaft ist vielfältig. Durch sie wurde eine Kulturlandschaft geschaffen. Wir, das Lebensministerium, wollen alles dafür tun, um Flüsse und Wälder, Wiesen und Äcker zu wahren und zu schützen.
So vielfältig wie die Landschaft, wie Landwirtschaft sind unsere Anbaumethoden, die Viehaltung, die Nahrung. Ich will keine ideologischen Gegensätze, ich will gesellschaftliche Gruppen versöhnen. Ich will ein gutes Miteinander mit dem Umweltministerium. Im Sinne unserer Landwirte und Verbraucher, im Sinne der Nachhaltigkeit.

Denn statt in eigenen Grabenkämpfe sollten wir im europäischen Wettbewerb bestehen. Unsere grünen Berufe brauchen hier Rückenwind. Naturschutz und Landwirtschaft sind keine Gegensätze. Das heißt aber auch, dass wir öfter proaktiv agieren statt abwartend reagieren müssen.

Zum Beispiel bei unseren Bienen, sie sind systemrelevant, sie will ich schützen: Wenn unsere Wissenschaftler mir sagen, die Neonicotinoide führen zum Bienensterben, dann werde ich gemeinsam mit der Landwirtschaft und meinen europäischen Partnern eine Lösung finden. Was für Bienen schädlich ist, muss weg vom Markt! Sonst sind irgendwann alle anderen weg vom Markt.

Ich weiß: Unsere Bauern, unsere Winzer , Gärtner und Förster und Fischer haben großen Respekt vor der Schöpfung und der Natur!

Sie ist ihre Lebensgrundlage. Deshalb ist die Landwirtschaft auch Verbündeter, wenn es darum geht, unsere Natur zu schützen.

Ländlicher Raum

Über die Hälfte der Bürger in Deutschland leben in ländlichen Regionen. Und diese ländlichen Regionen sind die Kraftzentren unseres Landes.

Sie stecken voller Innovation und Dynamik, doch sie brauchen gute Rahmenbedingungen. Die will ich ihnen schaffen. Wir wollen die Ideen der Menschen in den ländlichen Regionen unterstützen – damit ihr Zuhause eine Zukunft hat.
Deshalb ist der ländliche Raum in meinem Ministerium richtig aufgehoben. Wir kennen uns dort aus und haben die Konzepte.

Gerade im ländlichen Raum engagieren sich viele Menschen ehrenamtlich. Ehrenamt ist die Seele unseres Landes und das Fundament der ländlichen Räume.

Ich möchte ihnen ganz bewusst hier an dieser Stelle Danke sagen! Wir wollen und werden Sie noch stärker unterstützen!
Strukturschwache Regionen werden wir stärken und die Regionen beim Demografischen Wandel nicht alleine lassen. Dafür werden wir Geld in die Hand nehmen. Niemand soll sich abgehängt fühlen!

Europäische und Globale Perspektive

Am Montag war ich in Brüssel zum Agrarrat. Dort spürt man: Die Europäische Agrarpolitik DAS zentrale Bindeglied zwischen den Mitgliedstaaten, sie ist Dreh- und Angelpunkt unseres europäischen Miteinanders.

Die europäische Agrarpolitik ist damit eine tragende Säule der europäischen Integrationspolitik.

Außerdem verhindert die europäische Agrarpolitik das Ausbluten der Ländlichen Räume.

Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir - trotz Brexit - unseren Bäuerinnen und Bauern und unseren ländlichen Räumen stabile Rahmenbedingungen bieten und den Erwartungen der Bevölkerung an die Mittelvergabe mehr gerecht werden können.

Schluss

Wir machen Politik für alle Verbraucherinnen und Verbraucher, für die Menschen in der Land- und Ernährungswirtschaft, für die Bürger in Stadt und vor allem auf dem Land. Kurzum: Für ALLE in unserem Land! Wir kümmern uns um die Lebensthemen. Damit unser Land zusammenhält!

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